Saiteninstrumente mit Tastatur

Cristofori-Hammerflügel

Cristofori-Hammerflügel

Wenn man sich mit barocker Musikliteratur beschäftigt, stößt man immer wieder auf Bezeichnungen von Klaviaturchordophonen, bei denen man nicht genau weiß, welche Bauart genau gemeint ist. Das gilt umso mehr, wenn die Bezeichnungen in Fremdsprachen vorliegen. Hier eine kleine Übersicht der Hauptgruppen, die auch David Schrader in zwei Videos (erstes, zweites) in englischer Sprache vorstellt.

Klavichord

Das Klavichord (englisch Clavichord, französisch Clavichorde) ist das älteste der drei Gruppen. Die Mechanik ist relativ simpel. Am Ende der Taste ist eine sogenannte Tangente aus Metall angebracht. Drückt man die Taste, schlägt die Tangente gegen die Saite und versetzt sie dadurch in Schwingung. Dabei bildet die an der Saite anliegende Tangente auch gleichzeitig den Steg, der die Länge der Saite und somit die Tonhöhe bestimmt. Durch diese Eigenheit ist es seit alters her möglich, sogenannte gebundene Klavichorde zu bauen, bei denen sich mehrere Tasten eine Saite “teilen”, also mehrere Tonhöhen von ein und derselben Saite erzeugt werden (bei monophonen Synthesizern würde man hier von “highest note priority” sprechen). Bundfreie Klavichorde finden sich erst ab Ende des 17. Jahrhunderts.

Im Gegensatz zu den beiden anderen unten aufgeführten Chordophonen kann man den Ton eines Klavichords auch nach dem Anschlagen noch beeinflussen. Beispielweise lässt sich durch Nachdrücken der Saite nach dem Anschlagen noch ein Vibrato erzeugen (vergleichbar dem Aftertouch an Synthesizern).

Da die Saiten in ihrem Schwingungsknoten erregt werden, klingen Klavichorde verhältnismäßig leise und sind daher weniger für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten geeignet. Allerdings existiert mit dem Clavinet eine jüngere, elektrisch verstärkte Variante.

Cembalo

Beim Cembalo (englisch Harpsichord, französisch Clavecin) werden die Saiten nicht angeschlagen, sondern mit Kielen angerissen bzw. gezupft. Solange die Taste gedrückt gehalten wird, schwingt die Saite frei und unbeeinflusst von der Mechanik, weshalb keine nachträgliche Beeinflussung des Tones mehr möglich ist.

Beim Klaviziterium (englisch Clavicytherium, französisch Clavicythérium) ist der Korpus senkrecht ausgestaltet.

Das Virginal (englisch Virginals, französisch Virginal) und das Spinett (englisch Spinet, französisch Épinette) sind jeweils kleinere Bauformen.

Hammerklavier

Beim Hammerklavier (englisch Fortepiano, französisch Piano-forte) werden Hämmer gegen die Saite geschleudert. Durch die Bauweise der Mechanik ist eine dynamische Spielweise mit “Lautstärkeabstufungen” (tatsächlich werden weitere Parameter beeinflusst) möglich. Als Erfinder gilt Bartolomeo Cristofori.

Für die frühen Hammerklaviere gab es sehr viele Bauformen und Mechaniken, die sich auf den Klang auswirkten. Sie sind daher klanglich nur bedingt mit den modernen, weitestgehend “standardisierten” Klavieren bzw. Flügeln zu vergleichen

Tangentenflügel

Tangentenklaviere (englisch Tangent piano, französisch Piano à tangentes) sind Hybridinstrumente, die Eigenschaften aller drei oben beschriebenen Instrumente beinhalten.

Der Speierling

Wir haben heute mal alle Flurstücke inspiziert. Auf einem haben wir ein schönes Exemplar des seltenen gewordenen Speierlings stehen. Zum Holz kann man Wikipedia entnehmen:

Der Speierling hat ein sandfarben bis rötliches – dem der Elsbeere sehr ähnliches – Splintholz und ein oft bräunlich abgesetztes, hartes und zähes Kernholz. Mit einem Trockengewicht von 0,88 g/cm³ (Darrdichte) ist es das schwerste europäische Laubholz.[22] Es wird im Werkzeugbau und für den Bau von Musikinstrumenten (Dudelsäcke) geschätzt, zum Schnitzen und Drechseln verwendet, sowie als wertvolles Möbel- und Furnierholz (unter dem Namen „Schweizer Birnbaum“) gehandelt.

Das Schloss Muskau bei Nacht

Das neue Schloss Muskau ist ein beliebtes Motiv. Für diese Nachtaufnahme konnte ich durch den Sucher fast nichts sehen. Was durch die Langzeitbelichtung dabei herausgekommen ist, sieht ganz anders aus als das, was vor Ort zu sehen war. Das Bild ist ziemlich stark verrauscht, was die Ablichtung fast schon gemäldeartig aussehen lässt. Zur Aufnahme beigetragen hat auch, dass es so gut wie windstill war, so dass sich das Laub nicht bewegt hat und die Wasseroberfläche eine schöne Reflektion erzeugte.

Samsung NX30 Systemkamera mit L18200MB 18-200 mm Reiseobjektiv. ISO 6400, Blende 3,5, 13 Sekunden Belichtungszeit. Ohne Stativ ist das natürlich nicht zu machen. Das Bild ist, abgesehen von der Reduktion der Auflösung für das Web, nicht nachbearbeitet, sondern so, wie es von der Kamera kam.

In gerade einmal 8 Stunden und 38 Minuten quer durch die Republik

Glücklicherweise fahre ich nur ausnahmesweise längere Strecken mit dem Auto, und dann üblicherweise privat, nicht dienstlich. Und so begab es sich, dass ich dieser Tage die seltene Gelegenheit hatte, unser Fernwegenetz einer kleinen Erkundungstour zu unterziehen.

Wie schon an Weihnachten letzten Jahres führte die Strecke von Karlsruhe in die Lausitz. Insgesamt waren das rund 673 Kilometer, die ich heuer in nur noch 8 Stunden und 38 Minuten Nettofahrzeit hinter mich bringen konnte. Dies entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von sagenhaften 78 Kilometern pro Stunde. Wäre der ein oder andere Stau nicht gewesen, hätte ich wohl sogar noch etwas schneller sein können. Dazu beigetragen hat sicher das beachtliche Verkehrsaufkommen, einige Unfälle bzw. liegengebliebene LKW, vor allem aber die zahllosen Baustellen, die unser Wegenetz derzeit zieren. Was dieser Tage an Brücken und Fahrbahnbelägen erneuert wird, lässt in Kürze, also in wenigen Jahren, auf eine geradezu paradiesisch anmutende Infrastruktur hoffen.

Und den Rückweg von 689 Kilometern habe ich heute sogar in 8 Stunden und 13 minuten geschafft, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 84 km/h entspricht.

François Espinasse am Weißenburger Instrument

Dank Bildschirmübertragung konnten wir heute François Espinasse rund eineinhalb Stunden bei der Arbeit zusehen. Von seiner routinierten Spieltechnik konnte ich einiges lernen. So ist es mitnichten “verboten”, auch mal mit einem Finger von Taste zu Taste zu hüpfen – manchmal geht es gar nicht anders. Auch kommt man manchmal nicht drum herum, mit der linken Hand neben der Bassstimme auch noch eine Stimme der rechten Hand mit zu übernehmen. Scheinbar mühelos greift er auch mal Dezimen.

Er hat ausschließlich Stücke des Barock ausgewählt, von denen einige eher selten zu hören sind. Wie er diese äußerst routiniert, rhythmisch korrekt und sehr musikalisch wiedergegeben hat hat mich beeindruckt. Hier das Programm:

  1. Georg Muffat (1653-1704) – Extrait de l’Apparatus musico-organisticus – Toccata secunda
  2. Louis Couperin (1626-1661) – Fugue sur le Cromhorne
  3. Louis Couperin (1626-1661) – Fantaisie
  4. Louis Couperin (1626-1661) – Fantaisie
  5. Johann Jakob Froberger (1616-1667) – Toccatas VI da sonarsi alla Levatione
  6. Francisco Correa de Arauxo (1584-1654) – Tiento de quarto tono
  7. Pieter Cornet (ca. 1575-1633) – Fantaisie du 1er ton
  8. John Bull (ca. 1562-1628) – The spanish Paven
  9. William Inglot (1554-1621) – The Leaves bee green
  10. William Byrd (1543-1623) – Galiarda
  11. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Veni Creator – Hymne en taille à 5 (Plein Chant)
  12. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Veni Creator – Fugue à 5
  13. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Veni Creator – Duo
  14. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Veni Creator – Récit de Cromorne
  15. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Veni Creator – Dialogue sur les Grands Jeux

Der Notenanzeiger – Onyx Boox Max 2

Vor knapp einem Jahr hatte ich mir verschiedene Notenanzeigegeräte angesehen. Mittlerweile hat Onyx mit dem Max Boox 2 ein Nachfolgemodell zum Onyx Boox Max Carta herausgebracht. Im Vergleich zum Vorgängermodell verfügt das Gerät jetzt über einen berührungsempfindlichen Bildschirm. Das Betriebssystem ist Android 6, und der Google Play Store ist vorinstalliert. Soweit ich gelesen habe lassen sich auch zusätzliche Repositories wie etwa f-droid.org einrichten. Das Gerät ist somit vergleichsweise offen und “zukunftssicher”, da es nicht von der Verfügbarkeit einer psezifischen Infrastruktur abhängt (ähnlich sieht es auch Sascha Segan von pcmag.com). Es bietet außerdem eigentlich alles, was man als Musiker von einem Notenanzeigegerät erwartet.

Das Gerät ist mit rund 800 € kein Schnäppchen. Der Gvido mit zwei Bildschirmen ist mittlerweile zu 1700 € erhältlich. Zwei Boox Max 2 sind immer noch günstiger und bieten das deutlich offenere System. Dafür muss man darauf verzichten, dass die zwei Bildschirme beim Umblättern miteinander gekoppelt sind.

Das Max 2 sieht jedenfalls verlockend aus. Nur der Preis hindert mich derzeit an einem schnellen Zugriff.

Christian Robischon am Weißenburger Instrument

Christian Robischon hat heute aus dem Instrument herausgeholt, was barocke Orgelmusik ausmacht. Das komplette Programm beschränkt sich auf den Zeitraum des Barock. Mit den Stücken versuchte er aufzuzeigen, welchen Einfluss die französische Musik auch auf die Nachbarländer nahm.

Das Instrument hat er meisterhaft beherrscht. Er hat nicht einfach nur Orgel gespielt, sondern das Instrument gleich einem Orchester genutzt. Artikulation, Agogik, Rhythmik, Metrik – alles passte. Die 60 Minuten waren schneller um, als man zuhören konnte.

Das Programm:

  • Nicolas Antoine Lebègue (1631-1702) – Magnificat du 6ème ton – Plein Jeu
  • Nicolas Antoine Lebègue (1631-1702) – Magnificat du 6ème ton – Duo
  • Nicolas Antoine Lebègue (1631-1702) – Magnificat du 6ème ton – Récit de Cornet
  • Nicolas Antoine Lebègue (1631-1702) – Magnificat du 6ème ton – Basse de trompette
  • Nicolas Antoine Lebègue (1631-1702) – Magnificat du 6ème ton – Récit de voix humaine
  • Nicolas Antoine Lebègue (1631-1702) – Magnificat du 6ème ton – Dialogue sur les Grands Jeux
  • Andrés Lorente (1624-1703) – medio registro de dos tiples
  • Sébastien Duron (1660-1716) – Gaitilla de mano izquierda
  • Maurice Greene (1696-1755) – Voluntary en ut mineur
  • Dietrich Buxtehude (ca. 1637-1707) – Choral »Gott der Vater wohn uns bei« (BuxWV 190)
  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – An Wasserflüssen Babylon (BWV 653)
  • Nicolaus Bruhns (1665-1697) – Prélude en mi mineur (le grand)
  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Ave maris stella – Plein Jeu
  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Ave maris stella – Fugue
  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Ave maris stella – Duo
  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Ave maris stella – Dialogue sur les Grands Jeux
  • Claude Balbastre (1727-1799) – Cortège en ré majeur

Aurore Baal am Weißenburger Instrument

Heute fand ein äußerst hörenswertes Konzert mit Aurore Baal aus Zug in der Schweiz statt. Nach Elise Rollin vor rund drei Wochen sind es immer wieder Damen am Instrument, die mich beeindrucken. Man hört außerdem sofort, wenn ein Organist das Handwerk auch auf einem Piano erlernt hat. DAs gilt scheinbar ganz besonders für die Rhythmik in der Interpretation.

Die Stücke von Grigny waren im Programm lediglich in Summe als “Kyrie” bezeichnet. Bis auf eines konnte ich anhand der Noten die einzelnen Stücke identifizieren. Hier das Programm:

  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Kyrie de la Messe – 1er Kyrie en taille a? 5
  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Kyrie de la Messe – Fugue a? 5 qui renferme le chant du Kyrie
  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Kyrie de la Messe – Cromorne en taille a? 2 parties
  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Kyrie de la Messe – Trio en dialogue
  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Kyrie de la Messe – Unknown
  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Kyrie de la Messe – Dialogue sur les Grands Jeux
  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Leipzig Chorales – Jesus Christus unser Heiland (BWV 666)
  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Leipzig Chorales – Jesus Christus unser Heiland (BWV 665)
  • Christian Erbach (ca. 1570-1635) – Ricercar in d
  • Alexandre Boe?ly (1785-1858) – Op. 12 N° 8 – Récit de la main gauche sur jeu de tierce
  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Kleine Orgelmesse – Dies sind die heiligen 10 Gebot (BWV 679)
  • Alexandre Boe?ly (1785-1858) – Domine Deus, Agnus Dei en andante, Op. 10 N° 11
  • Alexandre Boe?ly (1785-1858) – Dernier Kyrie, Versailles Ms 170
  • Alexandre Boe?ly (1785-1858) – La voix humaine avec le trembland doux et tous les fonds, Op. 10 N° 2
  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Prélude et Fugue en sol mineur (BWV 535)
  • Etilmon Justus Stark (1867-1962) – Classic Rag “Kyrene”

Jean-Luc Iffrig am Weißenburger Instrument

Heute fand ein tolles Konzert mit Jean-Luc Iffrig statt. Seine Spieltechnik und saubere Rhythmik haben mich genauso beeindruckt wie die erfrischende Registrierung. Das Programm:

  • Georg Muffat (1653-1704) – Toccata Prima
  • François Couperin (1668-1733) – Messe des paroisses – Plein Jeu (Et in terra pax)
  • François Couperin (1668-1733) – Messe des paroisses – Petite fugue sur le cromorne
  • François Couperin (1668-1733) – Messe des paroisses – Dialogue
  • François Couperin (1668-1733) – Messe des paroisses – Trio à 2 dessous de chromhorne et la basse de tierce
  • François Couperin (1668-1733) – Messe des paroisses – Tierce en taille
  • François Couperin (1668-1733) – Messe des paroisses – Dialogue sur les Grands Jeux
  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Leipziger Choräle – Schmücke dich, o liebe Seele (BWV 654)
  • Alexandre Boëly (1785-1858) – Rentrée de la procession N° 14 Op. 42
  • Alexandre Boëly (1785-1858) – Prélude d’orgue à 2 clavier séparés et pédale obligé Op. 18 N° 2
  • Alexandre Boëly (1785-1858) – Andante con moto Op. 18 N° 2
  • Alexandre Boëly (1785-1858) – Tierce en taille Op. 12 N° 8
  • Alexandre Boëly (1785-1858) – Grand Chœur N°4 Op. 10

Durations of rendering a PDF on Android

I’m currently exploring the capabilities of a 12.2″ Android tablet to display sheet music in PDF format. The display provides a resolution of 2560 × 1600 Pixels. For rendering, I use the native PdfRenderer of Android. Just for the records, here are some figures of the individual operations:

  • 100-140 ms to create a bitmap to render on.
  • 50-120 ms to render a PDF page to the bitmap.
  • 130-230 ms to copy the bitmap’s pixels to an array.
  • 70-95 ms to search for cropping coordinates in the array to remove whitespace.
  • 50-120 ms to actually crop the bitmap to the found coordinates.

Those figures are valid for sheet music (which is my main interest). They vary significantly depending on the PDF’s content and size.

Elise Rollin am Weißenburger Instrument

Auch die diesjährige Saison verspricht wieder exzellenten Musikgenuss, so wie heute mit Elise Rollin. Es ist, soweit ich mich erinnern kann, das erste Mal, dass ich einen Sweelinck wirklich genossen habe. Über den sehr gut gespielten Böhm, der auch auf meiner Wunschliste steht, habe ich mich ganz besonders gefreut. Hier das Programm:

  • Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621) – Sous les Verts Tilleuls – Thème suivi de trois variations
  • Georg Böhm (1661-1733) – Vater unser im Himmelreich
  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Toccata und Fuge in d-moll (BWV 565)
  • Joseph Haydn (1732-1809) – 4 pieces pour une horloge à Flûte
  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Antonio Vivaldi (1678-1741) – Concerto en la mineur (BWV 593) – Allegro (1er mouvement)
  • Francois Couperin (1668-1733) – Extraits de la Messe des Couvents – Plein Jeu, Chromhorne sur la taille, Duo sur les tierces, Recit de cornet et Tierce en taille
  • Claude Joseph Rouget de l’Isle (1760-1836) – Marseillaise

Techniken des (Orgel) Übens

Playing the piano

Aus verschiedenen Quellen suche ich derzeit einige Übetechniken zusammen, die ich zum Einsatz bringen möchte. Die meisten davon sind nicht instrumentenspezifisch.

Motivation

Wenn sich Menschen die Zeit nehmen, ein Musikstück zu hören, so möchten sie es genießen. Wenn ich der Instrumentalist bin, habe ich somit die Aufgabe übernommen, für genau diesen Genuss zu sorgen. Ohne diese starke intrinsische Motivation wüsste ich nicht, wie ich die enorme Energie zur harten Übearbeit aufbringen sollte.

Da ich mit dem Üben sehr viel Zeit verbringe, muss das Üben mindestens genauso viel Spaß machen wie hinterher die Aufführung. Den Übevorgang betrachte ich daher mittlerweile als willkommene Meditation in Stunden der Freizeit.

(Fern)ziel

Derzeit ist es ein enormer Unterschied, ob ich Jazz spiele oder barocke Literatur.

Bei ersterem spiele ich locker und unbeschwert. Ich habe eine Melodie, eine Harmonie oder eine Rhythmik im Kopf und mein Bewegungsapparat überträgt sie automatisch auf das Instrument. Währenddessen kann ich dabei zuhören und dadurch das Spiel kontrollieren.

Ziel ist es somit, auch die Literatur so gut einzustudieren, dass der Bewegungsapparat vollkommen automatisiert die Musik spielt, die in meinem Kopf abläuft. Es ist daher nur konsequent, dass es nicht nur im angelsächsischen Raum üblich ist, die Stücke komplett auswändig vorzutragen.

Jon Laukvik hat es sehr schön zusammengefasst:

Der Übeprozeß führt, spieltechnisch gesehen, vom bewußten Tun zum unbewussten Geschehenlassen.

Fragmente bilden

Eine der wichtigsten Techniken, die ich neuerdings anwende, ist das Zerlegen des Stückes in kurze Fragmente. Die Länge der einzelnen Fragmente wird natürlich vom Schwierigkeitsgrad des Stückes abhängen. Grundsätzlich dürfte aber eine Länge von vier bis acht Takten eine gute Richtgröße darstellen.

Jon Laukvik empfiehlt, die Fragmente überlappend zu bilden, damit auch gleich die Übergänge von einem zum nächsten mitgeübt werden kann.

Außerdem achte ich darauf, dass die Fragmente immer aus vollständigen Takten bestehen. Notfalls füge ich bei Auftakten Füllnoten ein, so dass ich das Fragment nahtlos in Schleife mehrfach hintereinander im korrekten Puls üben kann, ohne abzusetzen.

Die Konzentration lässt nach wenigen Durchläufen sehr schnell nach. Mehr als vier bis fünf Schleifendurchläufe pro Fragment übe ich daher nur noch in Ausnahmefällen. Stattdessen gehe ich zu einem anderen Fragment, dann zu einem weiteren, und komme dann wieder zum zuerst geübten zurück. Um das Kurzzeitgedächtnis zu überlisten wähle ich dabei inzwischen eine zufällige Reihenfolge der Fragmente, eine Technik, die ich in »Optimal üben« fand. Gleichzeitig achte ich darauf, jedes Fragment mehrmals pro Übesitzung zu üben, also nciht nur einen Durchlauf, sondern später erneut.

In mehreren Quellen fand ich auch die Empfehlung, die Fragmente vom Ende des Stückes her zuerst zu üben, da der Schlussteil andernfalls am wenigsten trainiert würde.

Fuß- und Fingersätze erarbeiten

Bei der Applikatur befinde ich mich in einer argen Zwickmühle. Zu Beginn des Übeprozesses weiß ich üblicherweise noch nicht, wie ich das Stück später einmal klingen lassen möchte. Also erarbeite ich erstmal einen Fingersatz, der ein weitestgehendes Legato ermöglicht. Dazu sind teils auch “Verrenkungen” wie Daumenuntersätze nötig. Jetzt beginne ich mit der Automatisierungsarbeit.

So wie ich das Stück besser kennenlerne, fange ich unter musikalischen Gesichtspunkten an, einzelne Noten kürzer als ihren Nennwert zu spielen, Ornamente wie Triller einzubauen und so weiter. Dadurch verändert sich leider der Fingersatz, der bereits automatisiert ist. Ich verliere also ein wenig des bereits geübten und muss es erneut automatisieren.

Ich gehe übrigens mit den “magischen Zahlen” im Notentext sparsam um. Fingersätze schreibe ich an Stellen, an denen eine Stimme einsetzt und an Stellen, bei denen der Fingersatz von der natürlichen Reihenfolge abweicht. Bei Daumenuntersätzen und Ähnlichem schreibe ich auch an die Note davor und danach den zu verwendenden Finger. Bei Trillern, die auf der Sekunde beginnen, schreibe ich den Finger in Klammern.

Langsam üben

Hieran versuche ich mich gerade zu gewöhnen – langsam üben. Jon Laukvik weist auf Seite 105 darauf hin, wie wichtig diese Technik für das Automatisieren der – korrekten – Bewegungsabläufe ist. Mir fällt es im Moment extrem schwer, das Tempo so stark zu drosseln. Laukvik empfiehlt übrigens auch im späteren Übestadium immer wieder mal langsam zu üben, sogar noch am Tag vor der Aufführung.

Mit Metronom üben

Ich habe viele Spieltische gesehen, aber sehr selten (wissentlich überhaupt nicht) ein Metronom. Sobald die Mechanik halbwegs läuft übe ich eine Weile mit Metronom. Ich habe dadurch immer wieder haarsträubende rhythmische Fehler ausmerzen können. Andererseits setze ich es auch schnell wieder ab, sobald ich mich sicher fühle, um mich nicht abhängig davon zu machen.

Übeaspekt wählen

Für jede Übesitzung sollte ich mich künftig für einen bestimmten Aspekt (ein “Ziel”) des Übervorgangs entscheiden. Zu Anfang der Erarbeitung eines Stückes wird es natürlich primär darum gehen, die richtigen Tasten zum richtigen Zeitpunkt zu drücken und wieder loszulassen. »Optimal üben« enthält allerdings eine Reihe von neuen Ideen für das fortgeschrittene Übestadium (wie beispielsweise verschiedene Variationen eines Fragmentes auszuprobieren), um die Spielsicherheit zu steigern.

Augen schließen, auswändig spielen

Je länger die Passagen sind, die man unabhängig von den Noten spielen kann, desto besser für den Fall, dass man beim Vortrag mal den Kontakt zu den Noten verliert. Vor kurzem habe ich daher begonnen, beim Wiederholen von Fragmenten gelegentlich die Augen zu schließen. Allerdings muss ich dabei höllisch aufpassen, mit dem vorhergesehenen Fingersatz weiter zu arbeiten, und nicht versehentlich einen anderen zu verwenden. Diese Technik darf ich daher nicht zu früh einsetzen.

Berg abbauen

Vor mir liegt sehr viel Arbeit, nämlich das Üben üben. Letztlich muss ich mein komplettes bisheriges Repertoire erneut üben, um es zuverlässig zu beherrschen. Denn ich muss sehr viele Dinge, die sich durch die beisherige mangelhafte Übetechnik eingeschliffen haben, wieder ausbügeln.

Ich bin gespannt, ob ich das durchziehen werde.

Weitere Quellen

Quellen zum Thema »Orgel üben«

Czerny Opus 821 Nr 1

Vor ein paar Wochen habe ich während eines kleinen Vortrages zweimal den Kontakt zu den Noten verloren, weil ich kurz auf die Tastatur schaute. Das Resultat ist die Horrorvorstellung eines jeden Musikers – nämlich das Aussteigen aus dem Stück.

Wie kommt es dazu, obwohl ich doch seit nurmehr gut zweieinhalb Jahren sehr viel Zeit in das Erarbeiten der Stücke investierte?

Falsche Übetechnik, so die triviale Antwort. Ich arbeite nach wie vor mit der Technik der rohen Gewalt, indem ich die Stücke immer wieder im Zieltempo von vorne bis hinten durchspiele. So lässt sich ein zuverlässiges Beherrschen der Stücke kaum bewerkstelligen, zumindest nicht mit absehbarem zeitlichen Aufwand.

Dass ich meine Übetechnik dringend professionalisieren sollte, weiß ich schon länger. Zum Übevorgang selbst fand ich allerdings erstaunlich wenig Informationen, die mir weitergeholfen hätten. Daher seien hier Quellen gelistet, die ich derzeit verwende, um eine bessere Technik zu erarbeiten.

Aus diesen Quellen gilt es jetzt, für mich geeignete Techniken zusammenzusuchen und anzuwenden, soweit noch nicht erfolgt.

Wenn fern der Heimat die Nase kitzelt…

…fällt einem natürlich siedendheiß ein, was man nicht dabei hat. Also nimmt man sich vor, einen zweiten Nasenhaartrimmer für den Kulturbeutel zu besorgen. Die Wahrscheinlichkeit allerdings, dass der Akku genau dann leer sein wird, wenn man das Gerät braucht, ist hoch.

Groom Mate bietet mit dem Platinum XL ein aus nur zwei Teilen bestehendes, massives Gerät für den manuellen Betrieb an, das an ein Spezialwerkzeug aus der KFZ-Wekrstatt erinnert. Die Handhabung muss man kurz üben. Dafür hat man einen zuverlässigen Helfer mit hoher Ausfallsicherheit zur Hand.

Accidentally passing the PSK exam

After a training with Steve Porter, whom I really can recommend as an instructor, I passed the PSK I exam yesterday:

Assessment: Professional Scrum with Kanban (PSK I)
Date Completed: Jun 20 2018 9:43:03 PM GMT
Passed
Score: 97.0% (98 points scored out of 101 maximum points)

Usually I entitle some of my colleagues as »Nerds«. Now it’s up to them :) .

My worst performance ever

SAMSUNG CSC

Today I once again performed at the Dubois organ for some familiy members. Compared to 2015, 2016 and 2017, I felt relatively calm and well prepared. I played the program of about 35 minutes at home two days ago, yesterday, and one of the pieces this very morning at the target instrument. Not to mention the on-site practice sessions during the last couple of weeks.

Surprisingly, it turned into the worst performance I ever did – I lost contact to the sheet music two times. One time I had to resume the pièce, the other I finished a section a couple of bars earlier as intended. This very eve is the occasion to reflect what issues led to this situation.

  • Despite many practicing hours, I do not cope perfectly with the pieces yet.
  • The instrument is different than my practising instrument, so additional distractions happen every now and then.
  • The two points are based on my lack of professional practicing habits.

Interestingly, the pieces I play the longest failed most, whereas pieces I thought could fail worked better than expected. Here’s what I played this year:

  • Abraham van den Kerckhoven (1618-1702) – Cocquiel-Manuscript (1741) – Prelúdium & Fúga (en Ré mineur) – screwed up completely
  • Johann Pachelbel (1653-1706) – Chaconne (en fa mineur) – minor imperfections
  • Louis-Nicolas Clérambault (1676-1749) – Premier Livre d’Orgue – Suite du lle Ton (en sol mineur, 1710)
    • Plein Jeu – minor imperfections
    • Duo – minor imperfections
    • Basse de Cromorne – screwed up completely
    • Récit de Nazard – minor imperfections
    • Caprice sur les Grands Jeux – minor imperfections
  • François Couperin (1668 – 1733) – Messe a l’usage des Paroisses (en sol mineur, Paris 1690) – Benedictus (Chromhorne en taille)