10 Tüten Haribo

oder: Von der Schwierigkeit, sich vom Kunden nicht über den Tisch ziehen lassen, auf jeden Fall aber sein Gesicht wahren zu wollen.

10 Tüten Haribo

10 Tüten Haribo

Ich kaufe die Dinge des täglichen Bedarfs seit Jahren fast ausschließlich im Edeka in der Karlstraße in Karlsruhe (Nähe Karlstor), da er von zuhause aus mit dem Rad in wenigen Minuten erreichbar ist und zudem direkt an meinem Nachhauseweg vom Büro liegt. Das Angebot und die Warenpräsentation ist ansprechend, das Personal freundlich und die Fluktuation gering. Der Bäcker im Eingangsbereich bietet ebenfalls gute Ware. Im Gegenzug liegt das Preisniveau natürlich etwas höher als bei den Discountern, und der eingemietete Fleischer spricht mich eher weniger an, zumal es bei mir um die Ecke einen guten Metzger gibt.

Ich bin weder ein Schnäppchenjäger noch schaue ich auf jeden Cent. Es ist mir schlicht die Zeit nicht wert, extra einen Umweg zu nehmen, nur um an der Nudelpackung noch 10¢ zu sparen. Wenn ich an der Kasse zuviel Wechselgeld zurückbekomme, gebe ich es immer zurück. Allerdings tendiere ich dazu, bei Sonderangeboten von Haribo-Artikeln gerne zuzugreifen und meine Lager zu befüllen – so viel Schnäppchenjagd muss sein :) .

So auch beim heutigen Einkauf gegen 16:45h. Am Getränkeregal wartete ich noch geduldig, bis ein Mitarbeiter die roten Preisschilder mit den Sonderangeboten hinter die Klarsichtstreifen geklemmt hatte. Der Weg zur Kasse führte durch die Süßigkeitenstraße, in der mir die roten Preisschilder an der Hariboboauslage auffielen. 69¢ statt 85¢ bzw. 89¢ – glückes Geschick, tirili! Ich stopfte also gierig 10 Tüten in meinen Einkaufskorb und begebe mich zur Kasse.

Anschließend beging ich den Fehler, den Kassenbon nicht zu prüfen und stattdessen meine Einkaufstour fortzusetzen. Dass die Tüten mit 85¢ und 89¢ statt mit 69¢ über die Kasse gingen, fiel mit erst zuhause auf. Die Differenz betrug weniger als zwei Euro, derentwegen ich mich sicher nicht nochmal auf den Weg gemacht hätte. Nachdem ich aber noch Leergut zu entsorgen hatte, schaute ich gegen 17:15h nochmal vorbei.

Zuerst vergewisserte ich mich, dass ich mich am Regal nicht verguckt hatte. Nachdem dort nach wie vor die roten Zettel mit 69¢ angebracht waren, wandte ich mich an die Kassiererin, zumal es gerade keine Warteschlange gab.

Ihrer Aussage nach seien die Haribo den ganzen Tag über zu 69¢ über den Scanner gelaufen, so dass sie sich das nicht erklären könne. Daher rief sie freundlicherweise ihren Vorgesetzten.

Der junge Mann, den ich vom Sehen her kenne, da auch er schon länger dort arbeitet, studierte aufmerksam den Kassenbon. Dann wies er mich darauf hin, dass ich um 16:47h gezahlt hätte, die Auszeichnung der Waren mit den Sonderpreisen aber grundsätzlich immer erst zwischen 17h und 18h erfolge. Es könne daher gar nicht sein, dass ich die Ware zu 69¢ erstanden hätte.

Da war ich schon einigermaßen baff. Er unterstellte also, dass ich einkaufe und eine halbe Stunde später nochmal vorbeischaue, um nachzusehen, ob vielleicht inzwischen einer der Artikel herabgesetzt worden sei. Ich vermute, er hat es öfter mit Kunden zu tun, die noch irgendwie den ein oder anderen Cent herausschlagen wollen. Anders kann ich mir seine Reaktion jedenfalls nicht erklären. Die von ihm unterstellte Verhaltensweise finde ich jedenfalls äußerst, äh, interessant. Gibt es wirklich Leute, die mit ihrer Zeit nichts Sinnvolleres anzustellen wissen? Ich weiß es nicht.

Ohne einzulenken bot er dennoch an, den Betrag von zu erstatten. Im Nachhinein betrachtet hätte ihn einfach stehen lassen sollen, denn ich lasse mich ungern des Betrugsversuches bezichtigen, schon gar nicht wegen eines Kleckerbetrages. Schlecht reagiert.

Ich musste dennoch darüber nachdenken, was da wohl technisch bzw. organisatorisch schiefgelaufen sein konnte. Offensichtlich zeichnen sie ihre Sonderangebote für die kommende Woche bereits am Samstag Abend zwischen 17h und 18h, also während der Öffnungszeit, und nicht am Montag morgen vor Ladenöffnung aus – was mich enorm wundert. Das bedeutet schließlich, dass die zentrale Datenbank ab 17h mit den neuen Preisen arbeiten müsste, während die Etikettierung noch läuft. Sprich Warenauszeichnung und Kassensystem wären während dieser Zeit nicht synchron.

Ganz offensichtlich aber begann der betraute Mitarbeiter bereits vor 17h mit der Neuauszeichnung der Ware, schließlich habe ich ihn gegen 16:45h am Getränkeregal zufällig dabei beobachtet. Zudem steht seine Aussage der Aussage der Kassiererin entgegen.

Wie dem auch sei, der Jungmanager hätte eine Reihe von Möglichkeiten gehabt, geschickt mit meinem Request umzugehen:

  • Er hätte sagen können »Tut mir leid, aber Sie hätten den Rechnungsbetrag vor der Zahlung prüfen müssen. Spätere Reklamationen können wir leider nicht anerkennen.«
  • Oder er hätte sagen können »Die Preise gelten erst ab Montag. Möchten Sie die Ware zurückgeben und am Montag wiederkommen?«
  • Oder er hätte sagen können »Sorry, aber da hat mein Mitarbeiter einen Fehler gemacht und die Preisschilder einige Minuten zu früh ausgetauscht.«
  • Oder er hätte sagen können »Stimmt, das ist ein Fehler in der Datenbank, denn das Sonderangebot läuft schon eine Weile. Wir regeln das.«

Wie dem auch sei, ich gehe davon aus, dass auch er noch zu dem Schluss gekommen ist, dass es vielleicht nicht ganz glücklich war, mir einen Bären aufbinden zu wollen. Es kann eben nicht immer alles spitze sein :) .

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