Archive for June, 2010

Die Bundespräsidentenwahl 2010 – Wulff gewinnt erwartungsgemäß

Wednesday, June 30th, 2010

SPD und Grüne haben es überraschenderweise geschafft, mit Joachim Gauck (494 Stimmen im dritten Wahlgang) einen aussichtsreichen Kandidaten aufzustellen. Leider haben sie dabei übersehen, dass die Linken ihrer DDR-Vergangenheit noch lange nicht entwachsen sind. Im entscheidenden dritten Wahlgang haben sie sich wohl weitestgehend der Stimme enthalten. Gleichwohl erhielt Gauck in allen Wahlgängen etliche Stimmen aus dem Regierungslager.

Die Regierung nominierte Christian Wulff (625 Stimmen im dritten Wahlgang), der somit zum zehnten deutschen Bundespräsidenten gewählt ist.

Die Leitung der Versammlung hat erneut Norbert Lammert übernommen, dessen Humor der ganzen Veranstaltung einiges ihrer Steifigkeit nimmt.

Vielleicht hätte der Bundesrepublik im zwanzigsten Jahr nach der Wiedervereinigung ein Mann aus dem Osten, der nicht dem aktuell wenig erfolgreichen Regierungslager entstammt, mehr geben können. Die Frage stellt sich allerdings nicht mehr, denn die Entscheidung ist gefallen. Schaun wir mal, wie sich Wulff so macht. Als geschmeidiger Taktiker wird er voraussichtlich öffentlich nicht besonders wahrgenommen werden.

Neulich, in einem griechischen Restaurant im westlichen Mainfranken

Monday, June 28th, 2010
Deutscher Michel (Wikipedia, Public Domain)

Deutscher Michel (Wikipedia, Public Domain)

Es begab sich zu jener Zeit (sprich gestern), dass die deutsche Nationalmannschaft in einem fairen (vom 2:2 mal abgesehen), denkwürdigen und schön anzuschauenden Fußballspiel die Engländer mit 4:1 bezwang.

Wir beschlossen nach dem Spiel ob des herrlichen Wetters das Abendessen in einem griechischen Restaurant zu uns zu nehmen, das mit einem kleinen Biergarten aufwarten konnte. Drinnen lief auf einem Beamer bereits die erste Halbzeit des Spieles Mexiko gegen Argentinien. Auf dem Weg zur Toilette widerfuhr meinem Freund folgende kleine Szene.

An einem Tisch sitzen mehrere Leute, deren Augenlider (mutmaßlich bedingt durch überdurchschnittlichen Alkoholgebrauch) bereits auf Halbmast gesetzt waren. Aus der Runde ertönt beim Vorbeigehen in etwa die folgende Frage:
»Bist Du für Deutschland?«
»Äh, wieso?«
»Damit wir wissen, ob wir Dich hier überhaupt haben wollen!«

Schöner hätte er nicht zum Ausdruck bringen können, weshalb ich mir mit den gesellschaftllichen Auswirkungen dieses Sports schon immer schwertue.

Routino Frontend published

Sunday, June 27th, 2010
RoutinoFrontend

RoutinoFrontend

I’ve just released Routino Frontend to the world wild web. The current code needs manual installation. A proper installer will be created only in case I see there’s some interest in this application.

Routino Frontend will start the GPS subsystem and allow you to get the current GPS location as departure or destination. Additionally, up to three via points are accepted.

To get the coordinates for via or destination points, go to Mappero, point the map to the desired location, press the left uppermost on-screen button, choose »Show Position« and copy it to the device’s clipboard.

After a route is calculated, the resulting file will be placed in the documents folder of the device, ready to be loaded into Mappero or Maep.

The code is in its early stages and needs refactoring. Please note that the current frontend will invoke routino in blocking mode. As soon as you process a route, Routino Frontend will not return before it finished. In case you calculate a long route, this means that Routino will eat all your CPU, memory, swap memory and battery power until it has done its job (which means that you probably need to remove the battery to quit it).

If you are more familiar with Python (and especially its subprocess module) as I am and you can help to add a nice cancel button which reliably kills Routino please drop me a line.

Neulich, im deutschen Mittelklasserestaurant

Thursday, June 24th, 2010
Dishes (openclipart.org, public domain)

Dishes (openclipart.org, public domain)

Die nachfolgende Konversation habe ich nicht aufgezeichnet und gebe sie daher aus der Retrospektive wieder. Sie ist daher sicher etwas überspritzt dargestellt.

»Was darf ich Ihnen bringen?«
»Äh…die Karte?«
»Gerne.«
»Haben Sie heute zufällig ein Gericht außerhalb der Karte?«
»Nein, es steht alles in der Karte.«
»OK, danke.«
»Es gibt noch einen Wildschweinbraten, der nicht auf der Karte steht.«
»Ah. Was kostet der Braten?«
»Das selbe wie der Rehbraten.«
»Und wieviel kostet der?«
»Da müssen wir in die Karte schauen…«
»Hm, nein, dann nehme ich eine Cola und die geschmorte Hasenkeule.«
[...etwas später]
»Ich hätte gerne ein Radler.«
[...noch später]
»Hm, hatte ich das jetzt richtig in Erinnerung?«
»Also ich hatte ein Radler bestellt, keine Cola.«

Es sind dies die Momente, die das Leben so lebenswert machen. Weil sie mich mit Heiterkeit erfüllen. Die Dame arbeitet dort schon länger. Der Job ist immer der selbe: Kunde kommt, Kunde studiert Karte, Kunde bestellt Getränk, Kunde bestellt Essen, Kunde bekommt Ware, Kunde verzehrt Ware, Kunde zahlt, Kunde geht.

Und dennoch hat sie sich trotz fortgeschrittenen Alters ihre jugendliche Naivität bewahrt. Kein Anflug von routinierter Abfertigung – es ist, als würde sie dort den ersten Tag arbeiten. Einerseits ist es schön, nicht bloß als Tisch- bzw. Kundennummer wahrgenommen zu werden. Andererseits ist die Fehlerquote beeindruckend – es war nämlich an diesem Mittwoch Abend nicht sonderlich viel los; es befanden sich gerade mal vier Gäste im Restaurant (was nicht zuletzt dem anstehenden Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana geschuldet gewesen sein dürfte).

Selbstverständlich habe ich sie abschließend mit einem guten Trinkgeld bedacht. Schließlich hat sie sich Mühe gegeben. Das abgestandene Cola mit der beeindruckenden Schaumkrone, das ich vor dem Radler trank? Schwamm ‘drüber. Die geschmorte Hasenkeule, die ich statt des Wildschweins bestellte und die schon reichlich trocken und salzig daherkam? Da konnte sie nichts dafür.

Und die Lehre aus der Geschicht’? Gehe niemals Mittwochs in einem Restaurant essen, das Montags und Dienstags Ruhetag hat :) .

Am einem Tisch in der Nähe saß ein einsamer Herr fortgeschrittenen Alters, der die beiden Gäste am Nachbartisch in ein Gespräch über den Fußball verwickelte. Die verdienten ja alle zuviel, und außerdem die vielen [Adjektiv entfernt] Neger da, das könne ja nichts werden. Ich überlegte einzuwerfen, dass der ein oder andere Afikaner durchaus Dinge auf die Kette bekäme, die so mancher Deutsche (sprich er) nicht hinbekämen. Nachdem die Leute am Nachbartisch zurückhaltend reagierten und ich die Diskussion als aussichtslos einschätzte, hielt ich mich zurück.

Im weiteren Verlauf der Diskussion stellte sich heraus, dass er aus Niederlauterbach stammt, einer französichen Gemeinde gleich hinter der deutschen Grenze. Auch wenn die Franzosen bei der WM kein tolles Bild abgegeben haben, stehen sie doch, anders als die Deutschen, als viel toleranteres Volk da. Franzose ist, wer sich französisch fühlt und französische Lebensart schätzt. Von dieser Einstellung könnten sich meine Landsleute noch mehrere Scheiben abschneiden.

Es sind dies die Momente, in denen ich mich zurücksehne nach meinem heimischen Rechner, von dem aus ich an verschiedensten Softwareprojekten mit den verschiedensten Leuten zusammenarbeite. Es ist mir dabei vollkommen egal, woher sie stammen und welcher Kultur sie angehören. Man teilt ein gemeinsames Interesse und arbeitet zusammen daran. Was juckt es da, ob die e-Mailadresse dabei auf .fr, .cz., .uk, .br oder .com endet? Interessante Menschen findet man überall auf der Welt. Außer vielleicht in Niederlauterbach. Wobei auch das nicht ausgeschlossen ist.

Ich verstehe mich als Kosmopoliten, und die Möglichkeiten, die uns die modernen Kommnunikationsmittel bieten, genieße ich sehr. Einfaltspinsel aus irgendwelchen Dörfern rund um den Globus stören dabei nur. Gleich nach dem Elternführerschein wäre ich für den Wahlführerschein. Ach, ein gefählicher Ansatz? Fürwahr. Aber wieso sollen wir für mißglückte Bildungspolitik mit der falschen Regierung bezahlen?

Es gibt Dinge, die wirklich schwierig zu akzeptieren sind.

First Offline Bike Routing on the N900 using Routino

Monday, June 14th, 2010
Biker pictogram (openclipart.org, public domain)

Biker pictogram (openclipart.org, public domain)

As a long time contributor of the openstreetmap project, I always dreamt about using our collaboratively collected data not only for creating maps, but also for (offline) routing. Actually, several routers exist, but none of them seemed to be really capable of doing offline bike routing.

Appearently I missed one bit. This weekend, I tried Andrew M. Bishop’s Routino. It’s a set of command line tools to convert osm XML files into a binary format and to use this data for routing. Additionally some helper applications are provided.

Surprisingly, the code cross-compiled for Maemo 5 without any further interaction (as advertised), just by typing make. Hmpf. Hmpf. Frankly, I was very exited.

The application is highly configurable via some XML files. Thus it supports routing using configurable profiles as well as shortest and quickest routes while supporting via points. It can output the route in various formats. I’ve converted a small set of osm data and tested the results for bike routes and was quite impressed.

I wrote some experimental code using PyGtk to make using it a bit more convenient on the N900:

Routino Frontend

Routino Frontend

It can get the start position from the location system of the N900. Unfortunately I struggled with DBus and was not successful yet getting the viewport coordinates from Mappero for convenient graphical destination selection, but I hope to get this working during the next days. Currently, the destination can be copied over using the clipboard.

Here’s a route calculated by Routino and loaded into Mappero:

Routino Route loaded into Mappero

Routino Route loaded into Mappero

It’s far from being convenient to use or user friendly. But for me a dream comes true: Offline bike routing on my mobile computer. Thanks Andrew, you made my weekend!

The day after Federal President Horst Köhler resigned

Tuesday, June 1st, 2010

horst_koehler.jpg

Almost exactly one year after his reelection, the german Federal President, Horst Köhler, unexpectedly resigned yesterday. There’s some ongoing discussion whether his reasons were sufficient for a resignation. But that’s out of the question, as he already made a decision.

Unlike in other countries (like France or the US), the position of the german president is largely a ceremonial one. This means that the resignation of Horst Köhler does not affect the german capacity to act politically.

Germany now needs a new president, and the election needs to take place within 30 days. The election is performed by a »special body in the institutional system of Germany, convened solely for the purpose of electing the German Federal President«, the Bundesversammlung.

Every member of the Bundesversammlung can propose a candidate, but usually, the fractions select them beforehand. It will be interesting to see what candidates will be proposed, and whether the majority of the Bundesversammlung is willing to elect a person who intends to stand as a representative who takes a neutral political point of view.