SPD und Grüne haben es überraschenderweise geschafft, mit Joachim Gauck (494 Stimmen im dritten Wahlgang) einen aussichtsreichen Kandidaten aufzustellen. Leider haben sie dabei übersehen, dass die Linken ihrer DDR-Vergangenheit noch lange nicht entwachsen sind. Im entscheidenden dritten Wahlgang haben sie sich wohl weitestgehend der Stimme enthalten. Gleichwohl erhielt Gauck in allen Wahlgängen etliche Stimmen aus dem Regierungslager.
Die Regierung nominierte Christian Wulff (625 Stimmen im dritten Wahlgang), der somit zum zehnten deutschen Bundespräsidenten gewählt ist.
Die Leitung der Versammlung hat erneut Norbert Lammert übernommen, dessen Humor der ganzen Veranstaltung einiges ihrer Steifigkeit nimmt.
Vielleicht hätte der Bundesrepublik im zwanzigsten Jahr nach der Wiedervereinigung ein Mann aus dem Osten, der nicht dem aktuell wenig erfolgreichen Regierungslager entstammt, mehr geben können. Die Frage stellt sich allerdings nicht mehr, denn die Entscheidung ist gefallen. Schaun wir mal, wie sich Wulff so macht. Als geschmeidiger Taktiker wird er voraussichtlich öffentlich nicht besonders wahrgenommen werden.