Testausritt mit Osmand auf dem Tablet

Über ein Posting bin ich auf BRouter aufmerksam geworden, da er verspricht, brauchbare Radrouten berechnen zu können und dabei auf Höhenprofile Rücksicht zu nehmen – ein Feature das ich in MoNav schmerzlich vermisse.

Der Webclient dient hauptsächlich zu Demonstationszwecken. Man kann sich den Router auch fürs Offline-Routing auf Android installieren und dann aus verschiedenen Navigationsapplikationen heraus aufrufen, darunter Osmand.

Ich habe also Osmand auf meinem Tablet von 1.5. auf 1.7 aktualisiert, BRouter installiert, Karten- und Routingdaten für beide Applikationen installiert, mich aufs Rad gesetzt und bin einfach mal losgefahren, wenn auch nicht ohne Ziel :) .

Tablet

Der Vorteil des Tablets im Vergleich zu einem Telefon ist, dass man darauf wirklich einen schönen Überblick über die Umgebung bekommen kann. Allerdings hatte ich das Gerät ob der Größe im Rucksack verstaut. Das hieß jedesmal absteigen, auspacken, nachsehen, einpacken, aufsteigen, weiterfahren. Schnaken und Bremsen wussten das sehr zu schätzen. Ich allerdings weniger… :) . Und auch der Rucksack nervt bei den derzeitigen Temperaturen. Die kommenden Tests werde ich daher mit dem Telefon vornehmen, das ich wie üblich in der Tasche oder der Otterbox verstauen kann.

BRouter

Osmand hatte ich angewiesen, BRouter zu verwenden. Gewählt hatte ich das Profil »Trekking«. Offensichtlich berücksichtigt dieses Profil keine geschotterten Waldwege, sondern bevorzugt asphaltierte Wege. IMO grundsätzlich eine gute Idee, denn auf Radreisen mit Lowridern und Gepäcktaschen kann Schotter richtig Kraft kosten. Für meine Zwecke heute aber leider unbrauchbar. Das Umstellen auf Fußgängerrouting wiederum nutzte auch schmale Wanderwege, die ich nicht fahren wollte. Ich will mich daher mit der Routingkonfiguration nochmal eingehender beschäftigen. Das Berücksichtigen von Steigungen konnte ich allerdings heute noch nicht testen. Dazu muss ich erst entweder in den Schwarzwald oder den Pfälzerwald bzw. die Vogesen ausweichen.

Osmand

Mit Osmand bin ich nicht gut klargekommen – das hat sich seit meinen Versuchen mit Version 1.5 im letzten Jahr nicht geändert. An Kreuzungen schalte ich das Display ein, schaue nach, und schalte es wieder ab. Das scheint mir der Grund für mehrere der nachfolgenden Punkte zu sein. Hier ein paar Dinge, die mich verwirrt haben:

  • Vor der Abreise bin ich die Einstellmöglichkeiten von Osmand durchgegangen. Diese sind zahlreich (und im Vergleich zu älteren Versionen viel besser organisiert). Allerdings ist es für den Nutzer nicht ganz leicht zu durchschauen, wie sich die Einstellungen gegenseitig beeinflussen.
  • Beim Einrichten von Osmand gelang es mir nicht, das Text-to-speech-Modul zu installieren. Ich konnte es zwar anwählen und auf den Laden-Knopf drücken, die Fortschrittsanzeige lief aber in wenigen Millisekunden durch, das Anwahlfeld war wieder leer und auf dem Datenträger war keine Datei angekommen. Ich bin daher auf die alternativen Sprachsamples ausgewichen.
  • Ich hatte letztes Jahr auf dem Tablet das GPS-Subsystem komplett abgeschaltet, damit es mir zuhause in der Wohnung nicht die Batterie leersaugt. Glücklicherweise habe ich mich daran erinnert, ansonsten hätte ich wahrscheinlich jahrelang darauf warten können, dass Osmand eine GPS-Position ermittelt.
  • Nach dem Einschalten des Displays während der Tour wurde teilweise keine Karte mehr angezeigt. Erst nach manuellem Stoppen der Applikation über die Systemeinstellungen und Neustarten der Applikation erschien die Karte wieder. Den Grund dafür kenne ich nicht, bin aber froh, wenigstens diesen Umweg gefunden zu haben.
  • Sobald (und solange) das Display ausgeschaltet war, schien Osmand keinerlei Positionsbestimmungen vorgenommen zu haben, obwohl ich den Hintergrundmodus eingeschaltet hatte. Sobald ich also anhielt und das Display einschaltete, musste ich immer eine Weile warten, bis das Tablet wieder eine GPS-Position ermittelt hatte. Schnaken und Bremsen hatte ich bereits oben erwähnt… :)
  • Vermutlich aus diesem Grunde gab das Tablet bei ausgeschaltetem Display keinerlei Sprachanweisungen aus. Erst beim Einschalten des Displays und nach der Neubestimmung der Position teilte mir Osmand mit, dass ich seit x Metern die Route verlassen hätte. Sprachanweisungen und automatische Routenneuberechnungen im Rucksack wären cool gewesen. Ich vermute, ich habe Einstellungen durcheinandergebracht.
  • Osmand kann Tracklogs aufzeichnen. Allerdings finde ich die zugehörigen Einstellmöglichkeiten und Kontrollelemente ziemlich verwirrend. Während des Ausflugs legte Osmand tatsächlich vier GPX-Dateien an. Zwei davon enthielten immerhin jeweils einen Punkt, eine davon zwei, und eine wenigstens 5. In JOSM sieht das dann wie oben abgebildet aus. Wenn man sich eine Weile mit Osmand beschäftigt hat weiß man sicher, wie man alles einstellen muss. Aber von der Zuverlässigkeit von MoNav oder gar eines Garmin ist Osmand noch ein Stück entfernt. Das Einstellen der Frequenz, mit der Punkte aufgezeichnet werden sollen, erfolgt übrigens nicht über das Einstellungsmenü, sondern die Controls im Hauptbildschirm von Osmand, sobald man das Tracking aktiviert. Die Standardeinstellung ist 10 Sekunden statt einer.
  • Die verwendete freie Version kann keine Wikipedia-Artikel darstellen und begrenzt die Anzahl der Downloads auf 10. Klingt nach viel. Da aber das Kartenmaterial stark zerteilt ist und ich im Grenzgebiet von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Elsass wohne, benötige ich bereits für die üblichen Wochenendtouren mindestens drei Downloads. Hinzu kommt noch mindestens ein Sprachpaket, Bayern, das Saarland und weitere Bundesländer, die ich gelegentlich besuche. Die 10 Downloads sind somit schneller aufgebraucht als man erwartet. Glücklicherweise gibt es noch die Bezahlversion, bei der die beiden Limitierungen wegfallen. Die hatte ich mir letztes Jahr auch besorgt. Dummerweise hat mich Osmand dann im entscheidenden Moment mit der nachfolgenden Meldung im Stich gelassen. Ja, ich hatte im Urlaub die Roamingkosten gescheut. Oder um genauer zu sein, im Hotel Osmand nicht hochgefahren, sondern nur Mail, RSS und so weiter. Ich habe daher die Bezahlversion sofort wieder entfernt. Es gibt wenige Momente in meinem Leben, in denen ich wirklich sauer bin. Dieser gehörte dazu. Und ich war mitnichten sauer auf die Entwickler von Osmand, die eine wirklich erstaunliche Software auf die Beine gestellt haben.

Fazit

Osmand ist eine tolle Software, zumal man die Kartendarstellung und das Routing offline arbeiten lassen kann. Auch dürfte es nicht allzuviele Features geben, die die Durchschnittsnutzer noch vermissen. Die Kehrseite der Medaille ist, dass man sich mit der Software beschäftigen muss, bis man wirklich damit klarkommt. Mich juckt es in den Fingern, an der Usability zu arbeiten. Allerdings ist die Anlaufhürde recht groß, da ich (im Gegensatz zu Maemo) mit Android bisher nur am Rande gespielt habe. Alternativ könnte ich mal Locus oder Oruxmaps ausprobieren. Osmand hat allerdings den Vorteil, GPL-lizensiert zu sein.