Testausritt mit Osmand und BRouter die Zweite

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Nach dem Testlauf mit Osmand auf dem Tablet habe ich heute Osmand zur Radnavigation auf dem Telefon ausprobiert. Das Routing in Osmand hat BRouter übernommen, den es auch im Web zum Ausprobieren gibt.

Inzwischen habe ich Osmand ein wenig besser verstanden, aber es ist noch immer so, dass man Einstellungen vornimmt, die dann in einem anderen Kontext wieder rückgängig gemacht zu sein scheinen. Beim Einstellen muss man daher immer genau darauf achten, in welchem Modus man sich gerade befindet.

Das Mitloggen hat diesmal ganz anständig geklappt. Zumindest bis ich Osmand in Kandel beendet habe. Nachdem ich es neu gestartet hatte, war das Logging wieder ausgeschaltet, weshalb jetzt das Teilstück von Kandel bis Wörth fehlt. Unschön ist auch, dass man zwar einstellen kann, den gerade aufgezeichneten Track auf der Karte anzuzeigen. Das gilt aber nur so lange, bis ein neuer Track angelegt wird. Auch das muss man also immer wieder einstellen.

Inzwischen habe ich das Text-to-speech-Modul installiert bekommen. Ich habe somit die Kopfhörer ein- und das Telefon in die Tasche gesteckt und mich einfach mal überraschen lassen, was mir so vorgeschlagen wurde.

BRouter scheint geschotterte Wege mit einer recht hohen Strafe zu belegen. Der erste Routenvorschlag führte dann auch überraschenderweise über Kapsweyer. Ich bin dennoch über die Haardtmühle und Büchelberg zum Klotzweg gefahren, was der Routingengine gar nicht zu gefallen schien. Auf dem Klotzweg sollte ich jedenfalls noch für eine ganze Weile wenden. Erst nach einiger Zeit hat sich das Gerät damit abgefunden und ab dann auch artig über die Waldwege geführt. Ich werde mal versuchen, in der Konfiguration von BRouter die Waldwege mit dem Attribut tracktype=grade2 mit etwas weniger Strafzoll zu belegen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Schotterwege aufgrund der Regenfälle der vergangenen Tage recht weich und daher anstrengend zu fahren waren. Insofern sind die Standardeinstellungen vielleicht gar nicht mal so schlecht.

Auf dem Rückweg hat mich BRouter dann überrascht, indem die Wegführung zuerst ein Stück gen Westen und dann über die Bildstraße, die im südlichen Teil geschottert ist, Richtung Schaidt führte. Das ist eine Variante, die ich bisher nie in Betracht gezogen habe, die aber gar nicht schlecht ist. Na also, geht doch. Wieso die erste Berechnung auf dem Hinweg den Umweg über Kapsweyer vorschlug, ist mir dadurch allerdings noch unverständlicher.

Was mir sonst noch so aufgefallen ist:

  • Die Abbiegehinweise kommen früh und zahlreich. Der erste Hinweis auf einen Abzweig kommt ca. in den Abständen 500m, 200m, 80m und dann direkt vor dem Abzweig. Der erste Hinweis kommt bei 20 km/h also etwa 90 Sekunden vor dem Abzweig, was mir eigentlich zu früh ist. Die 80m-Ansage und direkt am Abzweig wäre IMO ausreichend.
  • Im Stand, wenn das GPS-Signal um den Standpunkt mäandert, kommen öfter mal Ansagen wie »Wenn möglich bitte wenden« oder »Nach 400 m links abbiegen«. Über das Problem bin ich schon gestolpert, also ich MoNav Sprachausgabe beigebracht habe.
  • Manchmal erfolgte eine Routenneuberechnung bereits nach wenigen Metern (ich schätze so um die 20), nachdem ich die ursprüngliche Route verlassen hatte. Das ist vielleicht ein wenig schnell, denn einmal bin ich lediglich auf einen Parkplatz gefahren.
  • An einigen Kreuzungen habe ich gar keine Instruktionen bekommen, obwohl ich sie dringend hätte brauchen können. Das passierte auch gelegentlich an Ortsausgängen, an denen ich auf einen Wirschaftsweg hätte wechseln sollen.
  • Endet ein straßenbegleitender Wirtschaftsweg und setzt sich auf der anderen Seite 90° zur Hauptverkehrsstraße fort, erfolgt lediglich der Hinweis »In x Metern rechts abbiegen«. Ich habe noch keine Ahnung, wie man das besser machen kann, aber ich sehe schon, wie ich mir da was überlegen muss. Denn man folgt dann irgendwie intuitiv der Hauptverkehrsstraße.
  • Nervig finde ich Hinweise wie »In 120m rechts abbiegen«, wenn auf ebendiesen 120 Metern noch mehrere Abzweige vor der gewünschten kommen. Bei MoNav habe ich seinerzeit in diesen Fällen versucht, die Ansage solange sinnvoll möglich zurückzuhalten, bis man an den Abzweigungen vorbei ist, oder die Abzweige zu zählen, um sowas wie »An der dritten Möglichkeit rechts abbiegen« ausgeben zu können.
  • Nachdem man irgendwo abgebogen ist, folgt irgendwann »Dem Straßenverlauf für x km folgen.« Das könnte IMO sofort nach dem Abbiegen kommen.

Fazit? Gar nicht schlecht, auch wenn ich mich im Moment ganz sicher nicht blind führen lassen würde. Ich habe allerdings schon damals, als ich MoNav Sprachausgabe beibringen wollte, gemerkt, dass speziell für das Radfahren die Sache nochmal härter wird. Die Segmente werden speziell an Kreuzungen mit Radwegen links und rechts so kurz, dass eine sinnvolle Führung sehr sehr schwierig wird. Aber den momentanen Zustand kann man noch um einiges verbessern, bis man auf die wirklich harten Probleme stößt. Bis zu den nächsten verregneten Abenden werde ich mir eine Halterung besorgen, damit ich die Streckenführung auf dem Display kontrollieren kann und ich mich nicht ausschließlich auf die Audioausgabe verlassen muss.

An Osmand kann man eigentlich alles so einstellen, wie man es haben will (lediglich die Angabe der Reststrecke habe ich vermisst). Dazu muss man sich aber eine Weile mit den Einstellmöglichkeiten auseinandersetzen. Osmand ist jedenfalls eine tolle Software, dazu noch Open Source, und die Benutzeroberfläche ist recht schick gemacht. Mein Dank gilt daher den Autoren von Osmand – und natürlich BRouter. Morgen werde ich damit mal in den Schwarzwald fahren um zu sehen, wie sich das Routing in den Hügeln so macht :) .

Edit 2014-07-18: Über die Wochennotiz Nr. 208 (in der auch dieser Beitrag hier verlinkt ist) kam ich an die OsmAnd 1.8 Preview. Kann gut sein, dass der ein oder andere der oben genannten Punkte somit bald hinfällig ist. Feine Sache.