Die Freuden der Fahrzeugunterhaltung

Rund 14 Jahre unterhielt ich kein eigenes Fahrzeug. Beruflich tut es ein Dienstwagen, privat war Carsharing vollkommen ausreichend. Einer der Vorteile des Carsharing ist, dass man sich um allfällige Wartungsarbeiten nicht zu kümmern brauchte.

Seit knapp zwei Jahren unterhalte ich wieder ein (gebrauchtes) Fahrzeug. Bei der Auswahl spielten Pannenstatistiken sowie Verbreitungsgrad des Fahrzeugs und des Triebwerks (in der Hoffnung auf ausgereifte Technik und gute Ersatzteilverfügbarkeit) eine Rolle. Seitdem darf ich mich um alle Belange wieder selbst kümmern. Zweimal jährlich Reifenwechsel, einmal jährlich Inspektionsservice, alle zwei Jahre eine Hauptuntersuchung und natürlich die schecht planbaren Reparaturarbeiten.

Letzte Woche fielen dann auch der Reifenwechsel, der Inspektionsservice, ein Batterietausch (die bisherige war wohl noch die ab Werk verbaute), eine defekte Antriebswellenmanschette, neue Zündkerzen sowie der Tausch eines durch Steinschlag defekten Nebelscheinwerfers an.

Den größten Posten bildete allerdings der Tausch einer übersprungenen Steuerkette am 1.4-Liter TSI-Motor. Solche Probleme scheinen leider speziell am Touran gehäuft aufzutreten. Laut Volkswagen seien »die Kettenschäden bei dem mehr als zwei Millionen Mal verkauften 1.4 TSI seien auf einen Produktionsfehler bei einem Zulieferer zurückzuführen«. Dabei handele es sich lediglich »um einzelne Fälle«.

Für mich nicht ganz nachvollziehbar ist zumindest, wieso der Verschleiß nicht bei einer der letzten Inspektionen diagnostiziert wurde, sondern erst im Spätstadium im laufenden Betrieb (Kette ist bereits übersprungen, Aussetzer beim Beschleunigen, Motorkontrollleuchte leuchtete auf) bemerkt werden kann. Im Artikel ist zu lesen: »Ob in einem Auto eine fehlerhafte Steuerkette verbaut ist, kann erst festgestellt werden, wenn der Schaden bereits eingetreten ist.«. Im Rahmen einer Inspektion hätte man sicher auch die Kette prüfen können. Das scheint allerdings keine schnell zu erledigende Sache zu sein. Die Kunden hätten sich wahrscheinlich geweigert, die zusätzlichen Kosten für den Produktionsfehler zu tragen, und VW hat die Kosten gescheut.

Alle Kosten (ich nutze Car Report) für das Fahrzeug aufsummiert (Anschaffung, Zubhör wie Radheckträger, Verschleißmaterial wie Reifen, Wartung, Betriebsmittel, Steuern, Versicherung und Gebühren, Treibstoff) belaufen sich bisher auf knapp 20.200 € oder umgerechnet ca. 1.000 € pro Monat. Die Laufleistung liegt bei rund 31.000 km. Das entspricht Kosten von ansehnlichen 65 ç pro Kilometer. Die defekte Steuerkette, die »eigentlich ein ganzes Autoleben lang halten« soll, schlägt immerhin mit rund 4 ç pro Kilometer zu Buche.

Die Rechnung hinkt natürlich, denn sie tut so, als ob das Fahrzeug schon morgen zu einem wirtschaftlichen Totalschaden würde. Tatsächlich sollte der Wagen aber noch drei bis fünf Jahre seinen Dienst tun.

Der Unterhalt eines privaten Fahrzeugs ist dennoch ein recht teures Vergnügen. In den vielen Jahren Carsharing habe ich sehr selten mehr als 200 € pro Monat gezahlt, meist deutlich weniger. Andererseits unternehme ich heute auch viel mehr mit dem Auto. Dank Heckradträger kann ich heute Radtouren fahren, die ich früher nur sehr umständlich hätte machen können.