Und wie geht’s Corona eigentlich so?

Grundsätzlich haben wir einen wunderschönen Frühling. Schon an Ostern war es extrem mild. Die Tagestemperaturen haben sich mittlerweile zwischen 20 und 25°C eingepegelt. Die Kehrseite ist allerdings, dass es am Niederschlag mangelt und die Böden daher zu trocken sind. Ein weiteres Risiko besteht in brandgefährdeten Wäldern.

Und wie geht’s Corona eigentlich so? Prächtig, könnte man sagen. Ich arbeite jetzt die sechste Woche (seit 16. März) ausschließlich von zuhause aus. Funktioniert deutlich besser, als ich erwartet hätte. Und ich bin mir der Vorzüge, die wir ITler derzeit haben, sehr sehr bewusst. Wir können von zuhause aus arbeiten und somit unsere (physischen) sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren. Andere Berufsgruppen sind deutlich exponierter und tragen ein weitaus höheres Infektionsrisiko. Ferner sind wir (noch) nicht in der Kurzarbeit und müssen daher nicht mit Einkommenseinbußen zurecht kommen.

Schauen wir auf die allgemeine Lage in Deutschland. Überraschenderweise haben die wochenlangen Kontaktreduktionsmaßnahmen nicht zu einer deutlichen Reduktion der Fallzahlen geführt. Noch immer steckt ein infizierter (fast) einen weiteren an. Corona hat es sich also in unserer Gesellschaft gemütlich gemacht und wird uns noch lange erhalten bleiben. Andererseits haben wir eben genau das geschafft, nämlich dass sich die Verbreitung linear stabilisiert hat und wir keine vollkommen unkontrollierte Explosion der Fallzahlen verzeichnen müssen.

Umso unverständlicher finde ich die derzeitigen Diskussionen in Politik und Wirtschaft nach einer Lockerung der Maßnahmen. Kleinere Geschäfte nehmen den Betrieb bereits wieder auf. Der Wunsch, die Writschaft zumindest auf Sparflamme am Köcheln zu halten ist verständlich. Die Konsequenzen müssen uns aber klar sein:

  • Wir nehmen billigend in Kauf, dass mehr Menschen infiziert und sterben werden, als wenn wir noch ein paar Wochen Disziplin walten lassen würden.
  • Wir helfen kurzfristig geringfügig der Wirtschaft, zahlen aber mittelfristig mehr.
  • Das Risiko steigt, dass erneut Infektionsherde entstehen und wir ein zweites Mal, dann umso heftiger, die Notbremse werden ziehen müssen, mit deutlich schlimmeren wirtschaftlichen Auswirkungen, als wenn wir jetzt noch ein paar Tage weiter durchhalten würden.
  • Die bisherigen Maßnahmen kamen bereits keine Sekunde zu spät, sprich wir wären günstiger weggekommen, hätten wir sie bereits früher eingeleitet.
  • Während Atemschutz (unverständlicherweise) mehrere Wochen mahnend abgelehnt wurde, wird er ab nächster Woche plötzlich flächendeckend verpflichtend. Das hätte deutlich früher kommen müssen (siehe letzter Punkt).

Ich hatte diese Woche den Eindruck, dass auf den Straßen wieder deutlich mehr los war als in den vergangenen Tagen. Die Dichte an Menschen nimmt wieder deutlich zu und damit auch das Potential weiterer Ansteckungen. Da wir die Auswirkungen anhand der Metriken immer erst mit deutlicher Latenz sehen können, bin ich sehr gespannt auf die Zahlen in den nächsten beiden Wochen. Sollten die Fallzahlen wieder steigen wage ich zu bezweifeln, dass die Befürworter der Maßnahmenlockerungen dafür Verantwortung übernehmen werden.

Und wie soll es jetzt weitergehen? Unzweifelhaft ist, dass wir in irgendeiner Form unser Wirtschaften auch unter widrigen Bedingungen am Laufen halten müssen. Für die nächsten Monate scheint daher eine Atemschutzpflicht sinnvoll zu sein. Das bedingt allerdings, dass die – weltweit – gewaltige Nachfrage auch befriedigt werden können muss. Und das ist derzeit nicht der Fall. Wir haben zudem die Mahnungen der vergangenen Jahre, für solche Fälle durch entsprechende Bevorratung vorzusorgen, schlicht ignoriert.

Bleibt also zu hoffen, dass in den nächsten Wochen durch entsprechende Produktionssteigerungen genügend Ware bereitgestellt werden kann. Masken, Abstands- und Kontaktvermeidungsgebote werden uns erhalten bleiben, bis wir eine breite Massenimpfung durchgeführt haben werden. Und wir dürfen beten, dass es bis dahin nicht zu Mutationen des Virus’ gekommen sein wird, andernfalls das Spiel von voerne beginnen wird.