Category Archives: Organ Music

Michel Bouvard an der Dubois-Orgel in Wissembourg

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Das Konzert heute begann ausnahmsweise eine Stunde früher. Das Geschehen am Spieltisch wurde mittels dreier Kameras auf Großbildleinwand übertragen und somit für die Besucher sichtbar.

François Couperin veröffentlichte im Alter von rund zwanzig Jahren die «Pièces d’orgues». Die darin enthaltenen Stücke sind in zwei Messen gegliedert, die «Messe pour les paroisses» und die «Messe pour les convents». Michel Bouvard wies darauf hin, dass die Stücke stark vom kurz zuvor verstorbenen Jean-Babtiste Lully beeinflusst sind.

Er spielte letztere Messe komplett durch. Dank der Bildübertragung haben wir viel von seiner Spieltechnik mitbekommen können. Er erledigte alles, inklusive der häufigen Manualwechsel, vollkommen routiniert und sicher. Wir hatten den Eindruck, dass er die Stücke komplett verinnerlicht und daher gut durchdrungen hat.

Ich fühle mich in ein paar Dingen meiner eigenen Arbeit bestätigt:

  • Um die Musik zum Klingen zu bringen, muss man die Stücke wirklich gut verstanden haben. Es genügt nicht, sie technisch korrekt wiederzugeben.
  • Das Aufrechterhalten des rhythmischen Flusses beim Spielen eines Stückes trägt entscheidend zum Hörgenuss bei. Das gilt auch dann, wenn man Manualwechsel vornimmt.
  • Es lohnt sich, die Stücke langsamer zu spielen, als es oft gebräuchlich ist. Sie entfalten dadurch eine ganz andere Wirkung.
  • Um eine französische Messe zu spielen muss man nicht zwingend ein Tastenakrobat sein. Allerdings ist ein solider Fingersatz unabdingbar.

Zum Abschluss spielte er noch aus der «Messe des Paroisses» das «Cromorne en taille». Es ist ein ganz außergewöhnliches, melancholisches Stück.

Das war das sechste Konzert der diesjährigen Saison. Sie waren alle von hoher Qualität. Und das heutige wird uns besonders lange in Erinnerung bleiben.

The registration of a »Tambourine« on a baroque french pipe organ

The pipe organ can be seen as the very first attempt to create a synthesizer. Many organ stops are named after other instruments, and combinations of organ stops are used to imitate further ones. Composers wrote pieces to make use of those imitations, and organ players tried to play them in a manner so that the imitated instrument became more clear.

One of the more curious attempts are pieces to imitate the steady beat of a tambourine with the left hand, while the right plays some melody. One example is the Tambourin of Michel Corrette (1707 -1795), as found in his Deuxième Livre d’Orgue (1750). Here’s a recording of Marie-Hélène Geispieler. Sheet Music of this Tambourin piece is available via the International Music Score Library Project.

Concerning the registration, I found an example in the book »The registration of baroque organ music« by Barbara Owen, bottom of page 212. She writes that the melody shall be played on the Grand Orgue with the petit Bourdon of 4 feet, the Quarte (2?’?) and the Doublette of 2 feet. The left hand plays on the Positif using both 8 feet stops with the Larigot.

According to the instrument used, it may require to swap the keybeds. Appearently such pieces have mainly been intended to be used during Xmas.

Roland Lopes an der Dubois-Orgel in Wissembourg

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Roland Lopes war bereits am 5. August 2012 zu Gast. Schon damals spielte er einige selbst angefertigte Transkriptionen aus Opern von Jean-Baptiste Lully. Unter anderen befand sich darunter eine Passacaille aus der Oper «Armide», mit der ich mich inzwischen selbst angefangen habe zu beschäftigen.

Umso mehr freute ich mich auf das heutige Konzert. Neben Stücken von Bach und anderen gab es erneut einige Stücke von Lully, gespielt mit den typischen Registrierungen der französischen Orgeltradition.

Beeindruckend war vor allem die wunderbar klare Rhythmik. In den zahllosen Konzerten, die wir bisher in Weißenburg gehört haben, fehlte den Stücken oft der durchlaufende Puls. Heute war er, wie vor drei Wochen bei Claude Schnitzler, vorhanden.

Ein tolles Konzert.

Claude Schnitzler an der Dubois-Orgel in Wissembourg

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Claude Schnitzler hatten wir bereits letztes Jahr am selben Ort gehört. Dieses Jahr hatte er ausschließlich Stücke ausgewählt, die schon vor oder nicht allzu lange nach dem Bau des spätbarocken Instrumentes von 1766 komponiert wurden:

  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Pièce d’Orgue en sol majeur (BWV 572)
  • Pierre du Mage (1674-1751) – Livre d’Orgue:
    • Plein Jeu
    • Fugue
    • Trio
    • Tierce en taille
    • Basse de Trompette
    • Récit
    • Duo
    • Grand Jeu
  • Louis Couperin (1626-1661) – Fantaisie des Duretez
  • Louis Marchand (1669-1732) – Troisième Livre – Dialogue sur les Grands Jeux
  • Eine unbekannte Zugabe

Er hat sie toll registriert und souverän wiedergegeben. Besonders beeindruckt hat mich, dass er auch auf die Rhythmik großen Wert gelegt hat, so dass man als Zuhörer immer den Puls der Stücke wahrnehmen konnte.

Ein tolles Konzert, das für mich mit zu den besten gehört, die wir in den vergangenen sechs Jahren an dem Instrument gehört haben.

Bezugsquellen für Noten klassischer Musik (speziell Orgel)

NotenausschnittKerckhoven

Freie Notensatzprogramme und Internet demokratisieren und verändern auch den Notenmarkt. Es besteht deutlich weniger die Notwendigkeit, gedruckte Noten kaufen zu müssen – es sei denn, man sucht etwas Spezielles, das im Netz nicht zu finden ist. Die Stücke, die ich gerade übe, fand ich an verschiedenen Orten.

Erste Anlaufstelle ist sicher das International Music Score Library Project (imslp.org), auch wenn man seit kurzem zu einer Zwangswartepause gezwungen wird, bevor der Download startet.

Eine weitere tolle Anlaufstelle ist ePartitions – Chant et Orgue.

Wer es lieber deutschsprachig mag, kann auf kostenlose-orgelnoten.de stöbern gehen.

Inzwischen zeige ich die Noten auch gleich elektronisch an. Komplett habe ich allerdings auf das Ausdrucken noch nicht verzichtet. Ich fühle mich nach wie vor mit einem physischen Backup in der Notentasche wohler als ohne.

Wer sich Stücke gerne anhören möchte, bevor er ans Einstudieren geht, wird neben den üblichen Plattformen vielleicht auch auf contrebombarde.com fündig.

Schriften im Standard Music Font Layout

Pavanne

Inzwischen verwende ich zur Anzeige von Noten ein elektronisches Gerät. Das Umblättern auf dem Touchscreen ist vor allem bei Werken mit mehr als drei Seiten deutlich komfortabler als mit gedruckten Noten. Allerdings ist das von mir gewählte Verfahren ganz schön umständlich:

  • Noten als PDF besorgen, beispielsweise vom International Music Score Library Project.
  • Das PDF anreichern mit Artikulationszeichen, Fingersätzen, Registrieranweisungen und so weiter.
  • Die Seiten als Pixelgrafiken in einen Ordner exportieren.
  • Die einzelnen Seiten beschneiden, so dass die Ränder entfernt werden (Bildschirmpixel sind eine wertvolle Resource) und das Seitenverhältnis der Bilder dem Seitenverhältnis des Zielgerätes entsprechen (bei mir 1:1,6).
  • Jetzt den Ordner mittel Zip komprimieren.
  • Die Dateiendung auf CBZ (Comicbook) ändern.
  • Die CBZ-Datei mittels OwnCloud auf das Gerät kopieren.
  • CBZ am Gerät anzeigen lassen (ich muss sie vorher auch auf dem Gerät noch kopieren, da das Anzeigeprogramm die Datei nicht direkt aus dem OwnCloud-Verzeichnis lesen kann).
  • CBZ anzeigen lassen. Das beste Programm, das ich fand, war Comics Reader. Nachdem es Open Source Software ist, konnte ich noch kleine Anpassungen vornehmen, ohne die das Programm für den angedachten Einsatzzweck nicht hätte genutzt werden können.

Um die oben erwähnten Artikulationszeichen in das PDF zu bekommen brauchte ich eine Schriftart, die die gewünschten Zeichen enthält. Via smufl.org bin ich letztlich auf die Schriftart »Bravura« gekommen. Sie enthält nicht alle Zeichen, die ich brauche, aber doch etliche. Wer ein ähnliches Problem hat wird hier wahrscheinlich fündig.

Pièces de la Renaissance (Chanvrelin)

pieces_renaissance_Chanvrelin

Pascal Reber hatte 2012 und auch dieses Jahr unter anderem die »Pavanne d’Agleterre« aus der Sammlung von Claude Gervaise gespielt. Noten finden sich beispielsweise im International Music Score Library Project, allerdings gesetzt für Trompete und Orgel. Nur für Orgel gibt es das Druckwerk »Pièces de la Renaissance« von Chanvrelin. Eine Bezugsquelle ist Boeijenga Music aus Leeuwarden, woher ich mir ein Exemplar habe kommen lassen.

Bernhard Marx am Weißenburger Instrument

Am vergangenen Sonntag spielte Bernhard Marx die Vesperale an der Dubois-Orgel in Weißenburg. In der Woche zuvor hatte uns bereits Markus Uhl ausgiebig “verwöhnt”. Bernhard Marx konnte locker mithalten. Er übernahm auch selbst die (bilinguale) Moderation. Mit der Partita von Georg Böhm arbeitete er die verschiedenen Klangfarben des Instrumentes wunderbar heraus. Hier das Programm:

  • Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne Veni creator spiritus (Reims 1699)
    • Hymne en taille à 5
    • Fugue à 5
    • Duo
    • Récit de Cromorne
    • Dialogue sur les Grands Jeux
  • Georg Boehm (1661-1733) – Sieben Variationen der Partita
    »Ach wie nichtig, ach wie flüchtig ist der Menschen Leben«
  • Johann Sebastian Bach (1685-1750) – An Wasserflüssen Babylon (BWV 653)
  • Vincenzo Petrali (1870-1937) – Pastorale per l’Elevazione
  • Vincenzo Petrali (1870-1937) – Versetto per il Gloria
  • Anna Katharina Winteler (1810-1860) – Alpenrosen-Polka Am Buehl (1851)

Insgesamt hat die Qualität der Konzerte in den vergangenen fünf Jahren deutlich angezogen. So wie ich selbst im Moment als Amateur spiele hätte ich mir in den ersten zwei bis drei Jahren noch zugetraut, mit dem ein oder anderen Organisten in Wettbewerb zu treten. Spätestens seit diesem Jahr hat mich die Demut wieder deutlich eingeholt.

Markus Uhl am Weißenburger Instrument

Heute Nachmittag spielte Markus Uhl die Vesperale an der Dubois-Orgel in Weißenburg.

Als ich das “bachlastige” Programm sah war ich ein wenig enttäuscht, denn das Instrument französischer Bauart eignet sich hierfür nicht sonderlich gut. Wir wurden eines besseren belehrt. Um es mit den Worten des Moderators zu sagen: Markus Uhl hat uns verwöhnt. Da passte einfach alles. Spieltechnik, saubere Rhythmik mit genügend Elastizität wider die automatenhafte Wiedergabe, Gefühl für die Musik bzw. die Stücke, und nicht zuletzt eine beeindruckende Registrierung durch die alle Stimmen sauber durchkamen. Der Mann weiß, was er kann. Das drückte sich unter anderem dadurch aus, dass er auch nicht vor der Triosonate zurückschreckte und ferner eine barocke französische Messe als Improvisation spielte. Auch hier passte alles – Registrierung, Rhythmik (inklusive Notes inégales), Stil.

Wahnsinn. Hier das Programm:

  • Johann Sebastian Bach – Prélude en Sol Majeur (BWV 541.1)
  • Johann Sebastian Bach – Sonate en Ut Majeur (BWV 529) – Allegro, Largo, Allegro
  • Markus Uhl – Suite française improvisée sur le thème «Wer nur den lieben Gott lässt walten»
    1. Plein Chant (ein Plein Jeu, jedoch mit Trompette als Cantus Firmus im Pedal)
    2. Trio
    3. Duo
    4. Tierce en taille
    5. Basse de trompette
    6. Flûtes
    7. Grands Jeux
  • Wolfgang Amadeus Mozart – Œuvre pour orgue mécanique – Andante en Fa Majeur
  • Johann Sebastian Bach – Fugue en Sol Majeur (BWV 541.2)

Das war auf jeden Fall eines der besten, wenn nicht gar das beste Konzert dass ich in den vergangenen fünf Jahren an dem Instrument gehört habe. Und plötzlich klingt auch ein Bach wieder erfrischend, spannend und inspirierend. Somit wird es Zeit, dass ich mir auch mal einen “draufschaffe”. Es war schlicht kein Vergleich zu den Darbietungen auf deutschen gleichschwebend gestimmten Instrumenten aus den 1970er Jahren mit nahezu perfekt konstantem Luftdruck. Die Bach’schen Orgelwerke sind wirklich toll, vor allem wenn sie nicht “abgewetzt” daherkommen.

Herzlichen Dank an Markus Uhl. Schön dass es solche Musiker gibt.

Dubois organ in Wissembourg – Vespers continued in 2016

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For the fifth summer, organ vespers take place each sunday at 5 PM at the Dubois organ of 1766 (yes, we celebrate its 250th birthday this year) in Wissembourg. Some of the concerts start an hour earlier, like the one last sunday with 2 organ players and a percussionist.

Until now, all of this years concerts have been performed by outstanding musicians who make it difficult for me to catch up. Or the other way around, I accepted the challenge :) .

Jean-Francois Dandrieu – Offertoire «O Filii et Filiæ»

Im 1739 in Paris veröffentlichten »Premier Livre de Pièces d’Orgue« von Jean-Francois Dandrieu (1682-1738) findet sich als “Offertoire” eine Bearbeitung von »O Filii et Filiæ«, das Olivier Houette im Juli auf der Dubois-Orgel in Wissembourg gespielt hat.

Schon damals wunderte ich mich, wie sparsam er das Pedal einsetzte. Heute habe ich mir mal die Noten zu dem Stück angesehen und verwundert festgestellt, dass es tatsächlich manualiter gesetzt ist. Erst in den letzten paar Takten kommt das Pedal hinzu.

Bis heute Abend nahm ich an, dass das Werk schwierig zu spielen sein dürfte. Inzwischen lautet mein Fazit aber “ist machbar”, auch wenn ich noch einiges werde üben müssen, um die 9 Din A4-Seiten zu bewältigen.

Harmonisch tut sich nicht viel, es handelt sich durchweg um d (harmonisch) Moll. Rhythmisch gibt es ebenfalls nichts Außergewöhnliches zu entdecken. Überraschenderweise gibt es auch kaum Stellen, an denen man einen ausgeklügelten Fingersatz entwickeln müsste. Pianisten und Organisten, die gewohnt sind, Literatur zu spielen, sollten somit fast vom Blatt weg spielen können.

Günstig wäre aber ein Instrument mit 3 Manualen. Verlangt wird ein “Grand Jeu” (also Zungen im Hauptwerk), ein “Positif” (Houette verwendete auch hier die Zungen) und ein “Cornet”. Auf zweimanualigen Instrumenten ist somit ein Setzer hilfreich, idealerweise gekoppelt mit Fußpistons, um zwischen der “Grand Jeu” und “Cornet”-Registrierung hin- und herschalten zu können.

Vespers 2015 are past

Today the last concert of this year’s vesper series on the Dubois organ at Wissembourg took place. A gregorian choir and two organ players, Denise Becker and Heinrich Grimm, provided pieces of François Couperin, Henri Dumont et Nicolas de Grigny.

This was the fourth season of organ vespers at Wissembourg. I’d like to express my deepest gratitude to all who helped to make those concerts happen, such as the artists playing even though no salary was granted, all the helping hands behind the scenes, and the few people of the Association des Amis de l’Orgue Dubois for their continued efforts.

I heard rumors that next year the series will be continued. cu there :) .

Christian Robischon an der Dubois-Orgel in Wissembourg

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Gestern hatten wir uns zum Konzert in Wissembourg leicht verspätet, da der Reginalexpress, der uns mit dem Rad bis Kandel bringen sollte, ausgefallen war.

Christian Robischon, Organist an St. Martin in Masevaux, holte mit gut, aber dennoch interessant registrierten Barockstücken einen unglaublichen Klangreichtum aus dem Instrument von 1766 heraus. Ein tolles Konzert, das für mich vielleicht zu den fünf, sicher aber zu den 10 besten der gut 60 Konzerte gehört, die ich in den vergangenen vier Jahren an dem Instrument gehört habe.

Hier die Stücke:

  1. Jacques Boyvin (1649-1706) – Extraits de la suite du 5ème ton
    • Plein Jeu
    • Duo
    • Quatuor
    • Grand chœur
  2. Jehan Titelouze (1563-1633) – Hymne «Ad coenam», un verset
  3. Nicolas Lebegue (1631-1702) – Extraits de la suite du 1er ton
    • Cromorne en taille
    • Basse de trompette
    • Récit
    • Trio
  4. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Hymne «Verbum supernum»
    • Plein Jeu
    • Fugue à 5 voix
    • Basse de trompette
  5. Pierre du Mage (1674-1751) – Trio de tierce en taille (zweiteilig)
  6. Michel Richard Delalande (1657-1726) – Caprice pour les soupers du Roy (dreiteilig)
  7. Michel Corrette (1707-1795) – Magnificat du 8ème ton
    • Plein Jeu
    • Duo
    • Trio
    • Récit de trompette
    • Musette
    • Grand jeu

Egal ob Flöten, Zungen, Cornet, Tremulanten, Christian Robischon schaffte mit den gewählten Stücken alles passend zu präsentieren.

Der Rekordsommer 2015 neigt sich dem Ende entgegen…

Über das Abo von Die Zeit kam ich zu lightningmaps.org (leider stammen die Karten nicht von openstreetmap.org). Sehr schön kann man heute sehen, wie die Wolkendecke große Teile Frankreichs und Deutschlands überlagert, während es in einem großen Gebiet um Koblenz, das auch den Osten Frankreichs, Belgien und Luxemburg beinhaltet, noch wolkenfrei ist. Heftige Blitzansammlungen finden sich über Cuxhaven, dem Vogtland, über Toulouse und bei Poitiers.

Morgen soll es dann auch in Karlsruhe kühlenden Regen geben, so dass die Temperaturen deutlich unter die derzeitigen 30°C fallen. Den Rest der Woche soll es dann wolkig bei Temperaturen um die 20°C werden.

Diesen Sommer war es sogar mir zu heiß, weshalb ich nur sehr wenige Radtouren gefahren bin (so sind wir gestern bie schwülwarmem Wetter zum Konzert nach Wissembourg gefahren). Auf ????? war es teils angenehmer als hier.

Es wäre ja fast schon zu viel des Guten, aber vielleicht läuft es ja auch noch auf einen güldenen Herbst hinaus, damit ich die ein oder andere Tour nachholen kann.

Wie klingt eigentlich Renaissancemusik?

Am 2012-05-28 hat Pascal Reber in Wissemburg an der Dubois-Orgel von 1766 einige Renaissancestücke aus dem 1555 veröffentlichten »Sixieme Livre De Danceries« von Claude Gervaise gespielt. Ich persönlich freue mich immer sehr, wenn gelegentlich Stücke aus prä-barocker Zeit, wie »Pavanne d’Angleterre, avec sa gaillarde« angeboten werden.

Beim Hören muss jedoch klar sein, dass wir viel zu wenig über die damalige Aufführungspraxis wissen. Durch die schriftliche Weitergabe von Musik gehen Informationen verloren, wir haben heute keine passenden Instrumente mehr zur Verfügung und wir haben in Bezug auf Rhythmik und Tempo heute sicher ein anderes Empfinden als zu Gervais’ Zeiten.

A Rasberry Pi and the god of winds…

Despite the low CPU footprint of Aeolus, it turned out that the Raspberry Pi was too weak to run it with many stops “pulled”. Therefore I tried the more recent Raspberry Pi 2 Model B in conjunction with an Edirol UA-25 UB breakout audio box. The first tests look very promising so far.

Here are some configuration hints. The list is neither complete nor free of bugs, since I wrote it after the work was done.

For connectivity, I use the EDIMAX EW-7811UN Wireless USB Adapter. A web search easily unveils the required configuration steps, like this one.

As soon the Raspi is diconnected from its power supply, it will forget about dates and times. I use ntpdate instead of ntp to set this information as soon the OS boots. I used some instruction from this page. It’s in german language, though – je regrette.

Here’s another german page describing how to increase the power of the on-board USB ports. It didn’t help on my machine to cause the low power indicator square at the right top of the screen to disappear. I recommend to use a powered USB hub anyway. Unfortunately some hubs are rather weak in processing certain protocols.

Here’s some stuff I installed:

sudo apt-get install aeolus qjackctl kmidimon vlc-plugin-jack wpagui scrot okular

I use those settings in qjackctl to get stable jack perfomance. The latency is acceptable, though not great. I hope to improve it later.

Persuading VLC to use jack is a bit confusing on german language machines. Choose

Einstellungen, Audio, "Hardware Audioausgabe" (sic!)

To make applications to start automatically after login to LXDE, edit

~/.config/LXDE-pi/autostart

and enter the name of the application prefixed by an »@«:

@qjackctl

Aeolus will compute the “waves” for each particular stop during startup, which can be rather annoying. To avoid that, the waves can be saved to disk via the »Save« button. This, however, requires that Aeolus can write to a subdicrectory named »waves« in the stop directory. This is not the case in the stock installation. Thus I copied the stops to the home directory:


mkdir ~/.aeolus
cp -rf /usr/share/aeolus/stops/ ~/.aeolus

I did some further tweaks to the Aeolus installation, though quick and dirty. Last but not least I wrote a dirty script which is run by qjackctl after jackd is up and running. It automatically starts Aeolus with some parameters, and sets up the required audio and MIDI connections.

I’m running a owncloud server in the LAN which I use to transfer files between my machines. For the Raspi the main purpose is to share music scores and ogg respectively mp3 files of organ music. There’s an owncloud-client in the repository, but it’s rather barbed and not compatible with recent versions of the Owncloud server. Some tutorial to compile it manually didn’t work straightforward, so I stopped those efforts. Currently I’m mounting the file share via webdav. However, the sync is fast as snails, so I don’t recommend it. I hope to get the owncloud client compiled during the next weeks. Until then, a USB thumb drive will do…

After testing several PDF readers to display music scores, I got stuck with Okular. Left button clicks will switch to the next, RMB clicks to the previous page. The left button click can be done by touching the screen (great), but I wished there was some more intelligence, so as touching left and top would go to the previous, and right and buttom to the next page.

That’s it so far from my installation log file. It’s not a tutorial, and a lot of detail is missing. It’s just a reminder for the next time I’ll set one up.

Wider die gleichschwebende Temperatur!

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Ross W. Duffin beschreibt in seinem Buch »How Equal Temperament Ruined Harmony« das Problem mit den Stimmungen für interessierte Musikliebhaber ohne allzuviel Mathematik. Die systemimmanente Hässlichkeit der gleichschwebenden Temperatur sind die unreinen Terzen. Unsere Ohren haben sich inzwischen daran gewöhnt – man gewöhnt sich bekanntlich an allem, sogar am Dativ.

Im Laufe der Zeit haben die Erbauer polyphoner Instrumente, speziell von Tasteninstrumenten, immer neue Methoden entwickelt, um dem pythagoräischen Komma Herr zu werden. Die Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. So analysiert Hermode Tuning die gespielten Töne in “Echtzeit” und passt die Stimmung jedes einzelnen Tones dergestalt an, dass möglichst reine Quinten und Terzen entstehen. Es gibt eine Reihe von Synthesizern, die damit umgehen können, darunter von Waldorf der Microwave I und der Q (die ich leider beide nicht mehr besitze) oder der Acces Virus.

Die Zeit berichtete vor rund eineinhalb Jahren im Artikel »Die sauberste Orgel der Welt« von einem Projekt, das diese Stimmung auf Pfeifenorgeln überträgt.

Ganz ohne Elektronik ist das natürlich nicht realisierbar. Es gibt allerdings ein paar ganz wenige mechanische Orgeln, die zumindest das Umschalten zwischen zwei verschiedenen Stimmungen zulassen. Eine davon ist die Wegscheider-Orgel in der evangelisch-lutherischen Christophorusgemeinde in Dresden-Wilschdorf-Rähnitz. Der Erbauer schildert, von welchen Überlegungen er sich hat leiten lassen.

Olivier Houette an der Dubois-Orgel in Weißenburg

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Wenn es so heiß ist, ist in Wissembourg meist sehr wenig los. Im Gegensatz zu sonstigen Sonntagen kommt kaum ein Tourist, weder mit dem Rad, noch mit dem Auto oder gar Motorrad. In den Straßencafés sitzen nur wenige Leute. Fast unheimlich fühlt es sich an, wenn man die sonstigen Menschenmassen gewohnt ist.

Das Konzert war aber wider Erwarten gut besucht und begann heute bereits um 16 Uhr, damit Olivier Houette (Titularorganist der Kathedrale von Poitiers,
Professor am Conservatoire National Supérieur von Paris und Professor am Conservatoire Régional von Poitiers) etwas mehr Zeit hatte. Das Konzert dauerte gute eineinhalb Stunden. Das Geschehen am Spieltisch wurde auf eine Leinwand übertragen.

Passend zum Instrument lag der Fokus heute auf barocker Literatur:

  1. Jean-François Dandrieu (1682-1738) – Offertoire O Filii et Filiae
  2. William Byrd (1543-1623) – Pavane «The earle of Salisbury», Galiardo et Galiardo secundo
  3. William Byrd (1543-1623) – The Huntes Upp
  4. Pablo Bruna (1611-1679) – Tiento de 2° tono «sobre la letania de la Virgen»
  5. François Couperin (1668-1733) – Passacaille
  6. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Veni Creator – Plein Jeu
  7. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Veni Creator – Fugue à 5
  8. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Veni Creator – Duo
  9. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Veni Creator – Récit
  10. Nicolas de Grigny (1672-1703) – Veni Creator – Grand Jeu
  11. Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) – Andante
  12. Louis-Claude Danquin (1694-1772) – Noël XI
  13. Bert Matter (*1937) – Fantaisie sur Une jeune filette
  14. Tiento (Zugabe)

Die Bildübertragung gestattete einen Einblick in die Spieltechnik, und die war zumindest beeindruckend. Ich habe selten Organisten gesehen, bei denen beide Hände fast gleich stark trainiert sind. Das Pedal kam in Folge auch eher sparsam zum Einsatz, denn Olivier Houette verteilte die Stimmen augenscheinlich mühelos auf die Manuale. Gleichzeitig hatte man den Eindruck, dass er sich voll und ganz auf die Interpretation der Werke konzentrieren konnte. Auch die Registrierung der Stücke war gut gewählt, wenn nicht gar ausgeklügelt. Die beiden Registranten hatten jedenfalls eine Menge zu tun.

Das Konzert war außergewöhnlich. Es war auf jeden Fall eines der besten, das es seit 2012 auf dem Instrument gegeben hat.

Temperaturen im Laufe der Zeit

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Unser heutiges Tonsystem, das eine Oktave in 12 Halbtonschritte unterteilt, ist nicht perfekt. Seit langer Zeit versuchen die Erbauer von Instrumenten mit festgelegten Tonschritten (Tasteninstrumente, Saiteninstrumente mit Bünden), die Götter des pythagoräischen bzw. syntonischen (bzw. didymischen) Kommas durch verschiedene Stimmungssysteme (manchmal auch mechanisch durch Subsemitonien, also mehr als 12 Tasten pro Oktave, beispielhaft zu sehen an der Tastatur der Waller Kirche oder der Rekonstruktion einer norddeutschen Barockorgel in Örgryte, Göteburg) zu überlisten.

Gleichstufige Stimmung

Die meisten Instrumente werden heute (bekannt seit Ende des 19. Jahrhunderts) in der gleichstufigen Stimmung gestimmt. Die Oktaven sind rein und werden in zwölf gleich große Halbtonschritte von 100 Cent unterteilt. Die Quinten sind geringfügig verstimmt. Allerdings müssen die Terzen deutlich unrein gestimmt werden.

Es resultieren Instrumente, auf denen alle Tonarten gleichermaßen “unsauber” klingen. Dafür kann man gut Musik spielen, die innerhalb eines Stückes mehrere Tonarten durchläuft, was speziell im Jazz häufig der Fall ist. Die Tonarten weisen somit aber auch keinen individuellen Charakter auf.

Alternative Bezeichnungen sind gleichtemperierte oder gleichschwebende Stimmung, gleichschwebende Temperatur, englisch Equal Temperament oder 12-tone equal temperament.

Wohltemperierte Stimmung

Es handelt sich bei der wohltemperierten Stimmung um eine Erweiterung der Mitteltönigen Stimmung. Bekannt sind seit Ende des 15. Jahrhunderts beispielsweise eine Reihe von Stimmungen von Andreas Werckmeister, von denen Werckmeister III am bekanntesten sein dürfte. Der Quintenzirkel wird dabei ohne Wolfsquinte geschlossen, wobei die Quinten allerdings gezielt unterschiedlich sauber gestimmt werden. Es entsteht (im Unterschied beispielsweise zu Johann_Georg_Neidhardt 1706) eine deutlich ausgeprägte Tonartencharakteristik. Gebräuchlich ca. 1700-1870.

Englisch: Well temperament.

Mitteltönige Stimmung

Die mitteltönige Stimmung war von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert (Blüte ca. 1550-1750) eine verbreitete Stimmung für Tasteninstrumente mit vielen reinen großen Terzen sowie gleichgroßen Ganztönen und resultiert in einer fast reinen Stimmung – allerdings nicht für alle Tonarten.

Mit einer mitteltönigen Stimmung lassen sich beispielsweise Orgelwerke von Dietrich Buxtehude authentisch wiedergeben.

Alternative Bezeichnungen sind Praetorianisch oder englisch Meantone.

Reine Stimmung

Die reine Stimmung findet sich in Renaissance sowie Barock und nutzt für die Intervalle Frequenzverhältnisse kleiner ganzer Zahlen. Der Klang ist schwebungsfrei und nutzt neben den reinen Oktaven und Quinten der pythagoräischen Stimmung reine große Terzen. Allerdings gibt es dadurch zwei Arten von Ganztönen in den Frequenzverhältnissen 9/8 und 10/9, die zusammen eine reine große Terz ergeben.

Alternative Bezeichnungen sind natürliche oder harmonische Stimmung, englisch “Just Intonation”.

Pythagoräische Stimmung

Die pythagoräische Stimmung findet sich im Mittelalter (ca. 850 bis ca. 1550) und bietet reine Oktaven und Quinten.

Referenzen

orgel-info.de
organduo.lt

Neue Orgel in Saint Jean, Wissembourg

Am Sonntag wurde in der protestantischen Kirche Saint Jean in Wissembourg ein neues Instrument in Betrieb genommen. Es erfolgte zuerst um 15:30 h eine Vorstellung des Instrumentes durch Christian Lutz und Dominique Thomas (Erbauer) .

Es handelt sich um einen kompletten Neubau im Stile eines barocken norddeutschen Instrumentes, was sich selbstverständlich in der Disposition widerspiegelt. Dementsprechend dominierten im anschließenden Konzert von Bart Jacobs Stücke von Bach und Buxtehude. Insgesamt erschien mir der Klang allerdings etwas französisch angehaucht – insbesondere die Linguale empfand ich angenehm rund und obertonärmer als ich erwartet hätte. Mit knapp 40 Registern ist das Instrument insgesamt recht stattlich ausgefallen.

Es bietet drei Manuale, die das Rückpositiv, das Hauptwerk und das Oberwerk steuern. Die Tontraktur ist mechanisch, die Registertraktur elektrisch ausgelegt (auch wenn die gedrechselten Manubrien anderes vortäuschen mögen). An der Gliederung ist bereits äußerlich der barocke Aufbau zu erkennen. Ungewöhnlich ist, dass das gesamte Pedalwerk in einem einzigen Turm rechts untergebracht ist, um Platz für Chor bzw. Instrumentalisten zu schaffen, und das gesamte Instrument dadurch nicht in der Mitte, sondern nach links verschoben aufgestellt ist.

Sicher nicht jedermanns Geschmack werden die horizontalen Kunstglasapplikationen treffen, die durch LEDs illuminiert werden können.

Mit der restaurierten Dubois-Orgel in der Stiftskirche und der Thomas-Orgel in Saint Jean hat Weißenburg in sehr kurzer Zeit eine Orgellandschaft erhalten, die sich perfekt ergänzt. Neben den Vesperales in der Stiftskirche bietet Saint Jean Samstags um 11 Uhr eine halbe Stunde «Concert du marché» und weitere Konzerte an.

Ich hoffe, ich kann gelegentlich eine bessere Ablichtung des Instrumentes nachreichen.

Edit 2015-08-15: Done :) .