Archive for the ‘society’ Category

Wenn Herr Maierrings dreimal klingelt…

Wednesday, January 18th, 2012
TV-Testscreen (openclipart.org, Public Domain)

TV-Testscreen (opebnclipart.org, Public Domain)

Teile meiner Familie haben bereits vor rund dreißig Jahren ihre Rundfunkgeräte entsorgt – damals wahrscheinlich noch ein recht ungewöhnlicher Schritt. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind jedoch heute Haushalte ohne (Fernseh)empfangsgerät nichts Ungewöhnliches. Das Fernsehen ist sicher nicht per se verkehrt, kann es aber nunmal als Massenmedium nicht allen Recht machen. Ob die gebotene Leistung 210€ pro Jahr wert ist muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Zugegebenermaßen bin ich ein großer Freund des Deutschlandfunks. Dass zum Angebot ein Ogg-Vorbis-Datenstrom gehört, so dass man sich bei Bedarf interessante Beiträge gleich digital mitschneiden kann, ist ein feiner Service. Nicht dass ich davon Gebrauch gemacht hätte – aber ich könnte, wenn ich denn wollte :) .

Mein Versorger ist bemüht. Regelmäßig schaut Herr Maierrings persönlich vorbei. Wenn er gerade keine Zeit hat, schreibt man mir, damit ich was zu lesen habe. Die Schreiben sind anspruchsvoll gestaltet und die Wortwahl bietet einen hohen Unterhaltungswert – man sieht gleich, dass man es mit Profis zu tun hat :) .

Leider waren die jüngeren Schreiben deutlich langweiliger. Mir kam auch zu Ohren, dass Herr Maierrings vielleicht bald nicht mehr so oft vorbeikommen könne. Ob das mit der kommenden Haushaltsabgabe zu tun haben kann?

Ab nächstem Jahr gilt eine haushaltsbezogene Abgabe – IMO ein überfälliger Schritt, der grundsätzlich zu begrüßen ist.

Einige Mitbürger werden jedoch hart getroffen. Komplettverweigerer etwa zahlen plötzlich für eine Leistung, die sie überhaupt nicht in Anspruch nehmen, einen nicht unbedeutenden Betrag. Und da heutzutage ein Rechner mit Internetzugang zur kommunikationstechnischen Grundausstattung gehört, wird es keine Ausnahmeregelungen geben.

Auch Radiofans müssen eine Preissteigerung von etwa 312 % verkraften. Da die Gebühr für Fernsehgeräte gleich bleibt, stellt sich die Frage, wer die geplante Entlastung für (beispielsweise) Handwerksbetriebe erbringen wird. Überspitzt ausgedrückt zahle ich tagsüber dem Handwerker sein Hitradio auf der Baustelle und bekomme dafür nachts um 0:30 Uhr einen Livemitschnitt vom Münchner Klaviersommer geboten. »Das ist einfach ungerecht« :) .

Cool wäre, wenn

  • politische Einflussnahme zuverlässig ausgeschlossen würde.
  • der Teilnahmebeitrag 100€ pro Jahr nicht überstiege.
  • die öffentlich-rechtlichen Sender komplett auf Werbung bzw. eine Beteiligung an werbefinanzierten Sendern verzichteten.
  • die Anbieter Qualität statt Quantität lieferten.
  • das Radio- und Fernsehangebot über IP-Netze zuverlässig zu empfangen wäre.
  • die von den Teilnehmern finanzierten Beiträge dauerhaft in einem öffentlich zugänglichen Archiv zum Herunterladen bereitstünden.
  • ausschließlich unverschlüsselte und möglichst lizenzfrei zu nutzende Dateiformate Verwendung fänden.

Stimmt. Das geht alles nicht. Ich nahm mir ausnahmsweise heraus, eine völlig unrealistische Vision zu skizzieren :) .

Die Haushaltsabgebe ist in Ordnung. Das Verhältnis aus Preis und Leistung ist es nicht.

Rest in peace, Gramma

Sunday, December 11th, 2011

Jules Verne’s “In 80 Tagen um die Welt!” @ Kammertheater Karlsruhe

Thursday, November 3rd, 2011

Today we’ve seen the abovementioned work perfomed by Bernd Gnann and Hans Rüdiger Kucich. Frankly, it was a great joy and pleasure. After the show, the performers asked to advertize it as there are still places available. My recommendation: do not miss this show. Grab a ticket for one of the remaining shows till sunday.

200th Birthday of Franz Liszt

Sunday, October 23rd, 2011
Franz Liszt by Pierre Petit, via Wikipedia, Public Domain

Franz Liszt by Pierre Petit, via Wikipedia, Public Domain

Yesterday we celebrated the 200th birthday of Franz Liszt. Countless concerts took place all around the globe, and I noticed contributions in radio broadcastings. His main instrument was the grand piano, but he also composed about a dozen pieces for the pipe organ. Organ players may remember »Praeludium und Fuge über B-A-C-H«, a piece quite difficult to play, which exposes the capabilities of the instrument in an excellent manner.

In case Jazz did not exist, I guess he was one of my preferred musicians :) .

Also warum regen sich denn alle so auf?!?

Wednesday, October 12th, 2011

Also ich weiß ja nicht recht, wieso sich unsere politische Elite gerade aufführt wie ein Wespenschwarm, dessen Nest angegriffen wird – und das alles nur wegen dem bisschen Schnüffelsoftware?!?

Dabei ist es doch ganz einfach. Zuerst verbieten wir rückwirkend zum 1.1.2011 per Gesetz das Analysieren von staatlich genutzter Software generell. Dann überziehen wir die Mitglieder des CCC solange mit Klagen, bis sie allesamt aufgeben. Danach setzen wir die angemangelte Software einfach wieder ein, denn die tut ja eigentlich ganz prima und konnte von den Beamten ohne große Schulung äußerst vielfältig eingesetzt werden – wenn Sie wüssten, wieviele Kinderschänder wir auf diese Weise schon dingfest machen konnten!

Ich bin da aus Erfahrung zuversichtlich. Die meisten Bürger verstehen sowieso nicht, worum es geht, daher erzählen wir denen einfach, dass die Software inzwischen deutlich weiterentwickelt wurde. Weiß doch jeder, dass sich in der Informationstechnologie alles in kürzester Zeit komplett ändert. In ein paar Tagen wird die Presse auch nicht mehr über die Sache berichten, und wir können zur Tat schreiten. Das Bundesverfassungsgericht brauchen wir nicht fürchten, denn die sind mit den anderen Gesetzen, die wir erlassen haben, für die nächsten Jahre ausgelastet. Da haben wir schon vorgesorgt.

Alles ganz normales politisches Tagesgeschäft also. Wozu das Geschrei? Achso, stimmt, auch das gehört zum Tagesgeschäft. Das hatte ich übersehen – was schonmal vorkommen kann.

50th birthday of The Berlin Wall

Saturday, August 13th, 2011
Bundesarchiv - Bild 173-1321 - CC-BY-SA

Bundesarchiv - Bild 173-1321 - CC-BY-SA

50 years ago, the Berlin Wall was installed, completely encircling the part of Berlin which was not controlled by the Soviet Union. Together with the Inner German border, it was mainly built to stop inhabitants of the German Democratic Republic emigrating to Western Germany. It withstood from August 13, 1961 to November 9, 1989, effectively imprisoning the eastern citizens for 28 years.

Recently I met two young girls in Eastern Germany discussing whether it was better to study in Leipzig or Gießen. Despite the problems we encountered, I’m glad the reunion of Germany was a huge success.

Einfach so rinngekippt

Monday, May 30th, 2011

Ich lese gerade in einem ARD-Bericht, die Ethikkommission empfähle, dass der radioaktive Abfall rückholbar eingelagert werden solle.

Ich gebe zu, dass ich diesbezüglich zu blauäugig war. Ich hielt es nämlich bisher für eine Sebstverständlichkeit, dass wir den Müll so einlagern, dass er von Generationen nach uns möglichst einfach wieder entnommen werden kann, beispielsweise falls sich ein Lager im Nachhinein als doch nicht geeignet erweisen sollte oder durch Erdstöße unbrauchbar wird. Scheinbar weit gefehlt. War der Plan wirklich, den Müll in Stahlfässern in das Salz zu kippen, zu warten bis der Stahl korrodiert ist und danach Salz über die Sache wächst? IMO unglaublich.

Ich habe den Eindruck, dass wir mit den Reststoffen aus der atomaren Wärmegewinnung umgehen wie mit etwas Gartenschnitt. Wenn Du nicht weißt, wohin damit, kipp ihn einfach in den Wald. Über die ökologischen Folgen denken wir später nach.

Mit gefällt diese Haltung nicht. Jeder rund um den Globus sollte es als seine Pflicht ansehen, diesen Planeten nicht mehr zu verschleißen als nötig. Das ist schon alleine eine Sache des Anstands und des eigenen Ehrgefühles. Und wer der christlichen Religionslehre zugeneigt ist, hat bezüglich der Erhaltung der Schöpfung eine ganz besondere Verantwortung übernommen.

Servicewüste Deutschland?

Friday, May 27th, 2011

  • Mittwoch, 25. Mai 2011, 21:53h. Ich gab elektronisch eine Bestellung bei velokontor.de auf.
  • Mittwoch, 25. Mai 2011, 22:42h (sic!). Ich erhielt eine elektronische Mitteilung, dass die Ware versandbereit sei.
  • Freitag, 27. Mai 2011, 11:05h. DHL lieferte die Ware am Bestimmungsort an.

Glücklicherweise ist der Begriff »Servicewüste Deutschland« inzwischen ein wenig abgewetzt. Denn dass dem so sei widerlegen jeden Tag unzählige meiner Landsleute. Und dafür möchte ich mich heute mal ganz herzlich bei euch allen bedanken.

Farbenspiele

Thursday, May 12th, 2011

Manchmal kann man ja schon durcheinanderkommen, also mit den Farben. Wie war nochmal die Bundesflagge? Schwarz, gelb, rot?

Ich bin in Bayern aufgewachsen, ein Bundesland, in dem man sich eigentlich nie vorstellen konnte, dass in der Regierung irgendjemand anderes sitzen könnte als jemand aus der Union. Dass die Flagge kein schwarz enthält, verwundert fast :) .

Ich lebe in Baden-Württemberg, ein Bundesland, in dem man sich eigentlich nie vorstellen konnte, dass in der Regierung irgendjemand anderes sitzen könnte als jemand aus der Union, und vielleicht noch jemand aus der Partei des jeweiligen Koalitionspartners. Dass die Flagge schwarz enthält, passt gut :) .

Plötzlich aber ist nichts mehr, wie es mal war. In Bayern muss die CSU eine Koalition eingehen.

Und Baden-Württemberg?

Die Union konnte sich bisher ihrer Stimmen halbwegs sicher sein und seit 1953 die Regierungsbildung übernehmen – 20 Jahre davon gar als alleinige Partei. Auch 2011 haben fast zwei von fünf Wählern der Union ihre Stimme gegeben – vor dem Hintergrund der Ereignisse der letzten Monate ein überraschend gutes Ergebnis. Unglücklicherweise hatten sich allerdings die Stimmenverhältnisse in den übrigen Lagern deutlich verschoben. SPD und Grüne können seit der heutigen konstituierenden Sitzung des Landtages einer zwar knappen, aber ausreichenden Mehrheit erfreuen – und haben sich zu einer gemeinsamen Koalition entschieden.

Und so kommt es ausgerechnet im Land der Schwaben zu einem historischen Ereignis. Die Grünen stellen mit Winfried Kretschmann zum ersten Male in ihrer Geschichte einen Ministerpräsidenten.

Ich bezweifle, dass eine grün-rote Regierung die Einwohner dieses Bundeslandes wirklich repräsentiert. Es ist auch keine optimale Regierungskonstellation. Aber für die nachfolgenden Generationen sind die Voraussetzungen geschaffen, endlich die dringend nötigen Veränderungen umzusetzen, die die Union schon viel zu lange nicht in Angriff genommen hat. Eine moderne Energiepolitik beispielsweise. Die Anpassung unseres Bildungssystemes und unserer Gesellschaft an die demographische Entwicklung. Eine moderne Verkehrspolitik, die nicht zuallererst auf den motorisierten Individualverkehr ausgerichtet ist. Die Schaffung von mehr Transparenz in politischen Entscheidungsprozessen.

Kretschmann hat sich viel vorgenommen. Er wird nicht alles davon umsetzen können. Er wird dabei anecken, gerade im eigenen Lager. Und realisitisch gesehen hat er kaum eine Chance auf eine Wiederwahl.

Aber er hat fünf Jahre Zeit. Und die heutige Wahl im Landtag hat gezeigt, dass ihm nicht nur Leute aus dem eigenen Lager einiges zutrauen.

Ich gebe zu, dass meine Mitbürger, an denen ich oft genug zweifle, mich überrascht haben: »Wir können alles. Auch mal anders.«

First Green Party Leadership of a German State

Thursday, May 12th, 2011
Winfried Kretschmann (by FishInWater, CC-by-SA, via <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Winfried_Kretschmann.jpg&filetimestamp=20100712123906">de.wikipedia.org</a>

Winfried Kretschmann (by FishInWater, CC-by-SA, via de.wikipedia.org

Baden-Württemberg is the southwestern state of germany, known for the black forest, Cuckoo clocks, apple trees, its automakers, and its strong economy. It was governed by the Christian Democratic Union for about 58 years.

After the last election, the green party formed a coalition with the Social Democratic Party. Today, Winfried Kretschmann has been elected as the minister-president, for the very first time for a member of the green party.

I doubt that this government really represents the mainly conservative inhabitants of this state. Actually, according to what I read, many people seem to fear the new government will degrade the economics. Additionally, there are some legacy issues they will have difficulties to cope with, e.g. the purchase of EnBW by Stefan Mappus or Stuttgart 21.

Others may desire dramatic changes. »Kretsch« and Nils Schmid of the SPD already announced a more democratic style of government, and promised better education as well as to enforce the nuclear power phase-out.

I personally find the two latter points very important. Thus I really appreciate the change. As I doubt that Kretschmann has a chance being reelected, I trust he really knows how to make use of the next five years.

Es ist vollbracht

Sunday, March 27th, 2011

This posting is about today’s elections in Rhineland-Palatinate and Baden-Württemberg. International readers, I apologize for the german language.

Once again, a public domain drawing from openclipart.org. Thanks to all contributors.

Once again, a public domain drawing from openclipart.org. Thanks to all contributors.

Ich verstehe nichts von Fußball, weshalb ich mich auch nicht zu Themen wie Elfmeter oder Abseits äußern kann. Ich verstehe auch nicht wirklich was von Politik. Da es aber rund um den Globus üblich ist, dass bei verschiedenen Gelegenheiten über Politik geredet wird, will ich heute, anlässlich einer als historisch zu bezeichnenden Wahl, eine Ausnahme machen, und einige unqualifizierte Kommentare abgeben.

Noch gestern habe ich darüber nachgedacht, ob die Bürger in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg heute klug genug sein würden, darauf zu verzichten, ihre Stimmen an Splitterparteien zu vergeben, so dass ein klares Wahlergebnis zustande kommt. An dieser Stelle haben mich meine Landsleute, an denen ich manchmal fast verzweifeln könnte, mehr als positiv überrascht. Rechts- und Linksaußen haben fast keine Rolle gespielt, und selbst die Liberalen haben sehr schlecht abgeschnitten.

In Rheinland-Pfalz kann Landesvater Kurt Beck mit den herben Verlusten seiner Partei SPD überhaupt nicht zufrieden sein – er wird künftig seine Macht mit einem Partner teilen müssen. Augenscheinlich werden das die Grünen sein, die sehr gut abgeschnitten haben. Die Union freut sich immerhin über ein gutes Abschneiden entgegen dem aktuellen Trend, auch wenn es für den Machtwechsel letztlich nicht gereicht hat.

In Baden-Württemberg wird die Union voraussichtlich nach fast 58 Jahren die Macht abgeben müssen, auch wenn es vielleicht bis zum endgültigen Wahlergebnis nochmal spannend werden könnte; denn das Wahlrecht begünstigt im Ländle die stärkste Partei – und das ist die Union nach wie vor.

Die SPD ist abgerutscht, und die Grünen sind überraschenderweise zweitstärkste Kraft nach der Union geworden. Momentan sieht es so aus, als ob damit die Grünen den künftigen Ministerpräsidenten stellen könnten – damit dürfte wohl keiner gerechnet haben.

Auf der Autobahn konnte ich im Deutschlandfunk die Wahlsondersendung verfolgen. Nachfolgend einige Dinge, die IMO bemerkenswert sind.

  • Das gute Abschneiden der Grünen wird von Union und Liberalen ausschließlich mit den Ereignissen in Japan begründet. Das dürfte durchaus einen Einfluss gehabt haben, allerdings lagen die Grünen schon davor gut im Kurs. Hier vermisse ich ein kritisches Hinterfragen der eigenen Positionen, aber das freundliche und entspannte Lächeln in die Kameras wirkt aufgesetzt und wie bereits vor dem Wahlabend eingeübt.
  • Trotz Stuttgart 21 und die Diskussion um die Nutzung der Nukleartechnologie wählten noch immer nahezu zwei von fünf Wählern die Union. Für mich ist das ein Phänomen. Ich kann nur darüber mutmaßen, woraus diese Partei ihr enormes Potential schöpft. Aufgewachsen in Bayern hatte ich immer den Eindruck, dass die Union bei den Wählern vor Ort schlicht präsenter ist als Sozialdemokraten oder Grüne. An politischen Inhalten kann es IMO jedenfalls fast nicht liegen – es sei denn, die Wähler wissen die Absenz derselben zu schätzen. Ich persönlich habe keine deutliche politische Präferenz. Ich wünsche mir “nur” eine Regierung, die dafür sorgt, dass unsere Gesellschaft leistungsfähig bleibt – und zwar als Ganzes. Interessante Ansätze finde ich bei SPD, den Grünen oder auch den Liberalen, deutlich weniger im Lager der Aussitzer und Weitersomacher.
  • Die Grünen können sich sicherlich über ihr überaus erstaunliches Abschneiden, vor allem im Land der Spätzle und des »Ha noi!« freuen. Ich bezweifle aber, dass ihnen das nochmals gelingen wird. Insofern kann ich nur hoffen, dass sie die kommenden 5 Jahre zu nutzen verstehen. Vielleicht können Windkraftanlagen endlich mit ausreichend dimensionierten Anschlusstrassen angebunden und das ein oder andere Pumpspeicherkraftwerk realisiert werden?
  • Von der SPD erhoffe ich mir, dass sie mit Steuern und Sozialleistungen verantwortungsvoll umgehen möge. Wir wollen ein Sozialstaat sein. Das gelingt nur, wenn wir unsere Wirtschaftskraft erhalten und die Ausgabenseite streng im Griff behalten. Die 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrtausends sind auf jeden Fall passé.
  • Die Piratenpartei hat den Einzug in die Parlamente deutlich verfehlt. Dennoch zeigt ihr Erfolg speziell im südwestlichsten Bundesland, dass die großen Parteien deutlichen Nachholbedarf auf einigen Themengebieten haben. Der Rest der Parteien täte gut daran zu lernen, dass moderne Kommunikationsmittel nicht nur aus einem Buchhändler, einer Handelsplattform, einem sozialen Netzwerk, einem Kurzmeldungsdienst und ein paar Kinderschändern bestehen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Mitbürgern für die hohe Wahlbeteiligung und den Willen, Dinge ändern zu wollen, bedanken. Und zwar ausdrücklich auch bei denen, die eine andere Meinung als ich selbst vertreten. In den letzten Jahrzehnten ist die Politik in Deutschland deutlich spannender, da abwechslungreicher, geworden. Und das ist IMO eine gute Sache.

Climbing The Rock

Sunday, January 16th, 2011
Indoor Climbing Wall, (c) by Marco Jeschke

Indoor Climbing Wall, (c) by Marco Jeschke

I’m a big fan of outdoor activities, and thus my physical training much depends on the weather conditions. Especially during the cold and dark winter months, I’m usually leaving the office 90 minutes after twilight, and biking is not much fun even at weekends.

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»Wo geht’s hier zur Oder-Neiße-Linie?!?«

Monday, January 10th, 2011
Europa (wikimedia commons, public domain)

Europa (wikimedia commons, public domain)

If I remember corrently, a german satiric mag once translated »The germans are passionated wanderers« as »Can you tell me the way to the Oder-Neisse Line?!?«.

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Neulich, als der Staat seinen Bürgern Zucht und Ordnung beibrachte

Friday, October 1st, 2010
Demonstration (openclipart.org, public domain)

Demonstration (openclipart.org, public domain)

Gestern haben viele Bundesbürger Bilder über ihre Fernseher und Datensichtgeräte erreicht, über die sie sich verwundert die Augen gerieben haben dürften. Demonstranten, die sich dem Bau eines umstrittenen Bahnhofsprojektes entgegenstellten, wurden von einem aus mehreren Ländern zusammengezogenen Polizeiaufgebot mit augenscheinlich unverhältnismäßiger Härte vom Platz verdrängt. Durch den Einsatz von Schlagstöcken, Wasserwerfern, Pfefferspray und Tränengas kam es dabei zu zahlreichen Verletzten.

Wären die Bilder in Osteuropa oder Asien entstanden, hätten vermutlich zahlreiche Politiker den Zeigefinger erhoben und auf die Einhaltung der Menschenrechte gepocht. Die Bilder stammten aber aus Stuttgart. Ausgerechnet im schwarzen Musterländle mit seinen friedlichen und arbeitsamen Einwohnern, die angeblich kein Hochdeutsch können, leisten sich Politik und Polizei einen Fauxpas, der auf den ersten Blick nicht zu verstehen ist.

Kurz darauf melden sich erwartungsgemäß Politiker aller Parteien mit verschiedenen Aussagen zu Wort. Während das die eigene Klientel von den Politikern erwarten dürfte, stören sich andere daran, dass der Vorfall von der Politik sofort zur Profilierung genutzt wird und empfinden dies als »schäbig«.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus und Innenminister Heribert Rech verteidigen anschließend den Einsatz und bieten erneut Gespräche an, obwohl die vorausgegangenen gescheitert und durch den harten Einsatz die Fronten endgültig gefestigt waren.

Police Brutality (openclipart.org, public domain)

Police Brutality (openclipart.org, public domain)

Das harte Durchgreifen wird damit gerechtfertigt, dass Schüler aus Parkbänken Barrikaden errichtet, ein Einsatzwagen von Demonstranten besetzt und Reifen von Polizeifahrzeugen zerstochen worden seien. Das Innenministerium korrigierte inzwischen immerhin die Darstellung, Demonstranten hätten Pflastersteine gegen Polizisten eingesetzt. Aus der Ferne betrachtet fragt man sich, warum es ein Großaufgebot der Polizei nur mit harten Waffen schafft, ein paar Schüler, die hinter einer Parkbank stehen, aus dem Wege zu räumen und eine Handvoll Demonstranten von einem Einsatzwagen zu holen. Wie jemand unbemerkt die Reifen eines Einsatzwagens zerstechen kann, während sich nicht unviele Polizisten in unmittelbarer Nähe aufhalten, bleibt mir schleierhaft.

Ausnahmsweise meldet sich gar die Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Worte, die sonst eher damit glänzt, keine Meinung zu äußern und stattdessen die Bundesbürger vor vollendete Tatsachen zu stellen sucht. Sie stellt sich demonstrativ hinter die Verantwortlichen des Einsatzes und wünscht sich, die Demonstrationen mögen friedlich verlaufen.

Die Polizei sorgt sich derweil um ihr Image.

Im Jänner 2008 hörte ich im Deutschlandfunk einen Beitrag zum G8-Gipfel in Heiligendamm. Leider habe ich es damals versäumt, den äußerst interessanten Beitrag mitzuschneiden, weshalb ich nur auf das Manuskript verweisen kann. Es ist äußerst lesenswert. Selbst wenn ein Großteil der Informationen falsch oder schlecht recherchiert wären, bliebe noch immer ein Bodensatz an Informationen, der weder Regierung noch Polizei oder Militär gut aussehen lässt und das Bild festigt, das der ein oder andere Bundesbürger vom Staate haben dürfte.

In Stuttgart geht es nicht um das Bahnhofsprojekt (zu dem ich persönlich keine Meinung habe). Es geht auch nicht darum, ob die Demonstranten sich exakt an Recht und Gesetz gehalten oder mit Wattebäuschchen und Kastanien auf Polizeibeamte geworfen haben.

Es geht um das Selbstverständnis, mit dem die Exekutive zu Werke geht. Und dieses ist der Bundesrepublik Deutschland nicht angemessen. Auch nicht im Land der Schwaben.

Rhine ferry between Germany and France resurrected

Saturday, September 11th, 2010
Pamina Ferry »Saletio«

Pamina Ferry »Saletio«

Some 5 years ago the previously installed ferry between Plittersdorf (Germany) and Seltz (France) was rammed by a ship. A repair was considered being too expensive, and as there are two bridges nearby, there was no economical necessity to reinstall a ferry line. Nevertheless, the ferry was important to bring the people of both sides and countries of the Rhine riverbanks together, and it was an important connection for tourists and cyclists. The old ferry, built shortly after the infamous second world war, was brought to the harbour of Lauterbourg. It then sunk and subsequently was scrapped.

5 years later (and 700 years after a ferry line at this location has been mentioned for the very first time) the new ferry, called »Saletio«, is being put into service. This weekend a party is taking place in both Plittersdorf and Seltz to celebrate the reincarnation of the cable ferry. It’s built like a trimaran and consists of aluminium (more information in german language):

Aluminium Trimaran ferry »Saletio«

Aluminium Trimaran ferry »Saletio«

As before, there is a short bridge on the german, but a rather long bridge on the french side of the Rhine’s riverbanks. To avoid collisions with ships in the future, huge pylons have been rammed into the Rhine above and below the bridges. Here’s the location of the ferry on a map:

I think it is great that is has been resurrected. I guess I’ll use it every now and then on bicycle mapping tours during spring and autumn.

Made in Spain

Monday, July 12th, 2010
Flag of Spain (openclipart.org)

Flag of Spain (openclipart.org)

Octopus (openclipart.org, public domain)

Octopus (openclipart.org, public domain)

Flag of the Netherlands (openclipart.org)

Flag of the Netherlands (openclipart.org)

OK, here’s the last comment of a bloody soccer ignorant concerning the soccer world cup of 2010. The country which is the preferred vacation destination for many germans won it after 120 minutes of a hard fight against our neighbours. While the Netherlands have been strong in defending their goal and collecting 8 (red-)yellow cards, Spain has been strong in attacking the goal of their combatants but not bringing the balls in. As a compensation they also collected 5 yellow cards.

But in the extra time they finally made the 1:0, and so they bring the world cup to Spain for the very first time. I have no clue what the villages and cities in Spain look like right now, but I guess tomorrow will be a national holiday ;-) .

Made in Germany

Sunday, July 11th, 2010
Vuvuzelas (openclipart.org, public domain)

Vuvuzelas (openclipart.org, public domain)

I never was a fan of soccer, but this world cup broke my neck. Though I’m not familiar with the tactics and strategies of this game, it was a great joy to watch the german team and its counterparts.

Thanks to the excellent summer weather conditions somewhere between 30°C and 40°C, I went to a biergarten to attend the match.

The german team is depressed as they, besides others, intended to reach the final game and to get the world cup. But they failed in the semi final versus Spain, so they had to prove they are worth the third place. And they made it. So stop the typical german whining and enjoy what you have reached :) .

They beat Uruguay 3:2. Admittedly, the latter ones did a great job as well. Considering that Uruguay hosts less than a 20th of inhabitants compared to germany (80,000,000 vs. 3,500,000), they by far had the better team :) .

A nice match indeed. I will attend again.

Germanes eunt domus

Wednesday, July 7th, 2010
Football (openclipart.org, public domain)

Football (openclipart.org, public domain)

Well, not exactly. There’s still one match ahead. But the dream of winning the world cup turned to dust a couple of minutes ago.

Though I’m not a big fan of soccer, I must admit that even I enjoyed to watch the games of the german team. But despite the hard work during the last years, Spain still has the stronger team, and they won with reason. Congrats.

Die Bundespräsidentenwahl 2010 – Wulff gewinnt erwartungsgemäß

Wednesday, June 30th, 2010

SPD und Grüne haben es überraschenderweise geschafft, mit Joachim Gauck (494 Stimmen im dritten Wahlgang) einen aussichtsreichen Kandidaten aufzustellen. Leider haben sie dabei übersehen, dass die Linken ihrer DDR-Vergangenheit noch lange nicht entwachsen sind. Im entscheidenden dritten Wahlgang haben sie sich wohl weitestgehend der Stimme enthalten. Gleichwohl erhielt Gauck in allen Wahlgängen etliche Stimmen aus dem Regierungslager.

Die Regierung nominierte Christian Wulff (625 Stimmen im dritten Wahlgang), der somit zum zehnten deutschen Bundespräsidenten gewählt ist.

Die Leitung der Versammlung hat erneut Norbert Lammert übernommen, dessen Humor der ganzen Veranstaltung einiges ihrer Steifigkeit nimmt.

Vielleicht hätte der Bundesrepublik im zwanzigsten Jahr nach der Wiedervereinigung ein Mann aus dem Osten, der nicht dem aktuell wenig erfolgreichen Regierungslager entstammt, mehr geben können. Die Frage stellt sich allerdings nicht mehr, denn die Entscheidung ist gefallen. Schaun wir mal, wie sich Wulff so macht. Als geschmeidiger Taktiker wird er voraussichtlich öffentlich nicht besonders wahrgenommen werden.

Neulich, in einem griechischen Restaurant im westlichen Mainfranken

Monday, June 28th, 2010
Deutscher Michel (Wikipedia, Public Domain)

Deutscher Michel (Wikipedia, Public Domain)

Es begab sich zu jener Zeit (sprich gestern), dass die deutsche Nationalmannschaft in einem fairen (vom 2:2 mal abgesehen), denkwürdigen und schön anzuschauenden Fußballspiel die Engländer mit 4:1 bezwang.

Wir beschlossen nach dem Spiel ob des herrlichen Wetters das Abendessen in einem griechischen Restaurant zu uns zu nehmen, das mit einem kleinen Biergarten aufwarten konnte. Drinnen lief auf einem Beamer bereits die erste Halbzeit des Spieles Mexiko gegen Argentinien. Auf dem Weg zur Toilette widerfuhr meinem Freund folgende kleine Szene.

An einem Tisch sitzen mehrere Leute, deren Augenlider (mutmaßlich bedingt durch überdurchschnittlichen Alkoholgebrauch) bereits auf Halbmast gesetzt waren. Aus der Runde ertönt beim Vorbeigehen in etwa die folgende Frage:
»Bist Du für Deutschland?«
»Äh, wieso?«
»Damit wir wissen, ob wir Dich hier überhaupt haben wollen!«

Schöner hätte er nicht zum Ausdruck bringen können, weshalb ich mir mit den gesellschaftllichen Auswirkungen dieses Sports schon immer schwertue.