Teile meiner Familie haben bereits vor rund dreißig Jahren ihre Rundfunkgeräte entsorgt – damals wahrscheinlich noch ein recht ungewöhnlicher Schritt. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind jedoch heute Haushalte ohne (Fernseh)empfangsgerät nichts Ungewöhnliches. Das Fernsehen ist sicher nicht per se verkehrt, kann es aber nunmal als Massenmedium nicht allen Recht machen. Ob die gebotene Leistung 210€ pro Jahr wert ist muss jeder mit sich selbst ausmachen.
Zugegebenermaßen bin ich ein großer Freund des Deutschlandfunks. Dass zum Angebot ein Ogg-Vorbis-Datenstrom gehört, so dass man sich bei Bedarf interessante Beiträge gleich digital mitschneiden kann, ist ein feiner Service. Nicht dass ich davon Gebrauch gemacht hätte – aber ich könnte, wenn ich denn wollte :) .
Mein Versorger ist bemüht. Regelmäßig schaut Herr Maierrings persönlich vorbei. Wenn er gerade keine Zeit hat, schreibt man mir, damit ich was zu lesen habe. Die Schreiben sind anspruchsvoll gestaltet und die Wortwahl bietet einen hohen Unterhaltungswert – man sieht gleich, dass man es mit Profis zu tun hat :) .
Leider waren die jüngeren Schreiben deutlich langweiliger. Mir kam auch zu Ohren, dass Herr Maierrings vielleicht bald nicht mehr so oft vorbeikommen könne. Ob das mit der kommenden Haushaltsabgabe zu tun haben kann?
Ab nächstem Jahr gilt eine haushaltsbezogene Abgabe – IMO ein überfälliger Schritt, der grundsätzlich zu begrüßen ist.
Einige Mitbürger werden jedoch hart getroffen. Komplettverweigerer etwa zahlen plötzlich für eine Leistung, die sie überhaupt nicht in Anspruch nehmen, einen nicht unbedeutenden Betrag. Und da heutzutage ein Rechner mit Internetzugang zur kommunikationstechnischen Grundausstattung gehört, wird es keine Ausnahmeregelungen geben.
Auch Radiofans müssen eine Preissteigerung von etwa 312 % verkraften. Da die Gebühr für Fernsehgeräte gleich bleibt, stellt sich die Frage, wer die geplante Entlastung für (beispielsweise) Handwerksbetriebe erbringen wird. Überspitzt ausgedrückt zahle ich tagsüber dem Handwerker sein Hitradio auf der Baustelle und bekomme dafür nachts um 0:30 Uhr einen Livemitschnitt vom Münchner Klaviersommer geboten. »Das ist einfach ungerecht« :) .
Cool wäre, wenn
- politische Einflussnahme zuverlässig ausgeschlossen würde.
- der Teilnahmebeitrag 100€ pro Jahr nicht überstiege.
- die öffentlich-rechtlichen Sender komplett auf Werbung bzw. eine Beteiligung an werbefinanzierten Sendern verzichteten.
- die Anbieter Qualität statt Quantität lieferten.
- das Radio- und Fernsehangebot über IP-Netze zuverlässig zu empfangen wäre.
- die von den Teilnehmern finanzierten Beiträge dauerhaft in einem öffentlich zugänglichen Archiv zum Herunterladen bereitstünden.
- ausschließlich unverschlüsselte und möglichst lizenzfrei zu nutzende Dateiformate Verwendung fänden.
- …
Stimmt. Das geht alles nicht. Ich nahm mir ausnahmsweise heraus, eine völlig unrealistische Vision zu skizzieren :) .
Die Haushaltsabgebe ist in Ordnung. Das Verhältnis aus Preis und Leistung ist es nicht.





















