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Aggressivität abbauen

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Wer die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen in der Lage ist, statt sie auf den Kontrahenten zu schieben, hat bereits einen, vielleicht sogar den, entscheidenden Schritt zur professionellen Konfliktbearbeitung unternommen. Dankbarerweise, da in bestimmten Situationen überlebensnotwendig, sind unsere Emotionen sehr sehr mächtig und schwer zu kontrollieren.

Wer sich selbst in aggressiven Siutuationen besser führen möchte, wird vielleicht in diesem Artikel fündig.

Endlich ist sie ‘raus…

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Die Erkenntnis, dass eine Korrektur der Zahnstellung auch im Erwachsenenalter noch sinnvoll durchführbar ist, ist noch nicht allzu weit verbreitet. Ich hatte mich letztes Jahr dazu entschieden, um – unter anderem – einen Weisheitszahn nach vorne ziehen zu lassen, um eine Lücke zu schließen. Die fest verbaute Spange konnte kürzlich entfernt werden, um die Behandlung mit einer herausnehmbaren Schiene fortzusetzen.

Das Tragen der Apparatur ist mit der ein oder anderen Unannehmlichkeit verbunden. Immer wieder mal scheuert oder sticht etwas. Speisereste sammeln sich gerne überall dort, wo man es schlecht wegbekommt. Faserige Nahrung, wie beispielsweise Fleisch oder Ananas, wickelt sich gerne um die Drähte. Um es positiv auszudrücken: Spangenträger haben stets noch etwas Proviant bei sich :) .

Dennoch bin ich froh, mich zu dem Schritt durchgerungen zu haben.

Wie man sich in Prognosen betreffend der Zukunft irren kann…

Schon vor fünf Jahren war es eine Sensation, dass in Baden-Württemberg nach 58 Jahren ein Regierungswechsel vollzogen wurde. Dazu beigetragen hatten sicher das ein oder andere Ungeschick des damaligen Ministerpräsidenten, nicht zuletzt aber die Ereignisse in Fukushima.

Ich ging seinerzeit fest davon aus, dass bei der nächsten Wahl die damaligen Machtverhältnisse wiederhergestellt würden. Weit gefehlt. Die Grünen schafften es durch Fokussierung auf die Person ihres überaus populären Ministerpräsidenten, ein nahezu unglaubliches Ergebnis zu erreichen. Vor dem Hintergrund der derzeitigen gesellschaftlichen Ereignisse grub zudem die Alternative für Deutschland den etablierten Parteien massiv Stimmen ab.

Die ersten Reaktionen der Protagonisten lassen allerdings auf eine schwierige Regierungsbildung schließen. Vor diesem Hintergrund erschließt sich mir der Sinn der Aussage

„Erst das Land, dann die Partei und erst ganz zum Schluss kommt die Person“

nicht unmittelbar.

Das Problem der Griechen…

Die Schulden Griechenlands sind bedingt durch die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit. Im Juli schrieb ich über das Buch Helmut Schmidts “Was ich noch sagen wollte”, in dem er schreibt, dass er seinerzeit aus ökonomischen Gründen nicht von der Richtigkeit des EU-Beitritts Griechenlands überzeugt war. Ferner verwies ich auf den Artikel Artikel der Frankfurter Allgemeinen von Heinz. A. Richter, in dem er über den Klientelismus (Rousfetia) klagt.

Auf Spiegel Online warnt der Athener Ökonom George Bitros inzwischen davor, durch einen Schuldenschnitt den Druck von Griechenland zu nehmen.

Die Formbarkeit der Erinnerung

Die Zeit erinnert in einem Artikel mit dem Titel »Fragile Spuren« daran, wie unzuverlässig unser Erinnerungsvermögen ist. Als Anhänger des radikalen Konstruktivismus‘ fügt er sich gut in mein ganz persönliches Weltbild ein :) .

Besonders beeindruckend ist, dass sich die Erinnerung an Begebenheiten “synthetisieren” lässt, wie durch das Experiment von Elizabeth Loftus ab dem vierten Absatz auf der zweiten Seite des Artikels beschrieben ist. Auch erinnere ich mich beim Lesen des Artikels unmittelbar an die wundervolle »Anleitung zum Unglücklichsein« von Paul Watzlawick, die ich zur Auffrischung mal wieder lesen sollte, denn meine Erinnerung an den Inhalt des Buches hat sich mittlerweile gewandelt, wie ich soeben feststelle.

Als agile Überzeugungstäter handeln wir nach dem Prinzip des “Inspect & Adapt“. Wir setzen auf Werte wie Vertrauen, Offenheit und Respekt. Deshalb war die Lektüre der Bücher Watzlawicks für mich so wichtig. Ich respektiere, dass jeder Mensch seine Beobachtungen anders verarbeitet. Ich respektiere, dass ein und das selbe Problem verschiedene Gesichter hat. Ich respektiere, dass meine Sicht auf die Dinge garantiert nicht die einzig richtige ist. Und nach der Lektüre des obigen Artikels respektiere ich auch, dass Menschen Dinge erzählen können, die vielleicht synthetisiert sein mögen, für sie selbst aber die Wahrheit – und nichts als die Wahrheit – darstellen.

Und ich respektiere, dass sich Richter irren können. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass es so selten wie möglich passieren möge.

Der Olymp der Gastfreundschaft

Die Zeit führte die Leseraktion »#PostcardFromGreece« durch. Die herzliche Gastfreundschaft (die teilweise natürlich auch ökonomischen Zwängen geschuldet sein mag) ist tatsächlich schlicht beeindruckend. In anderen mediterranen Ländern wird man im Restaurant ständig gefragt, ob man nicht noch was bestellen möchte. In Griechenland kann man stundenlang vor einem leeren Glas sitzen, ohne belästigt zu werden. Sobald man sich aber regt, wird sofort jemand zur Stelle sein. Die Griechen sind aufmerksam, aber eben nicht aufdringlich.

Auch ist es vollkommen normal, dass man nach dem Essen noch eine Kleinigkeit als Nachtisch bekommt, die nicht auf der Rechnung auftaucht. Bei meinem Besuch auf Rhodos wurde ich zusätzlich gefragt, ob ich noch einen Mokka haben wollte. Auch der stand später nicht auf der Rechnung.

Es geht nicht darum, dass man etwas umsonst bekommen hat. Es geht darum, dass die Gewerbetreibenden vor Ort den Besuchern nicht das Gefühl geben, dass es darum ginge, ihnen möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen. In touristischen Zentren drängt sich Lokal an Lokal. Beim Vorbeilaufen springt aus jedem Betrieb ein Kellner heraus und versucht die Passanten in sein Lokal zu lotsen. Wer sich hier aufhält ist selbst schuld, denn er lässt sich den wahren Reiz der Urlaubsdestination entgehen.

Im Urlaub bin ich gerne dort. Der Grieche an sich ist recht entspannt (weshalb ich dort nicht arbeiten möchte) und arbeitsam (die Griechen arbeiten überdurchschnittlich viele Stunden am Tag), aber leidet unter verschiedenen wirtschaftlichen Problemen (die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden steht scheinbar in einem schlechten Verhältnis zum Ergebnis, aus welchen Gründen auch immer).

Das derzeitige Hilfspaket ist wahrscheinlcih tatsächlich ein Fehler für alle Beteiligten. Die Griechen müssen früher oder später darüber nachdenken, wie sie ihre Gesellschaft (um)gestalten wollen. Das Hilfspaket nimmt das Dringlichkeitsgefühl weg. Andererseits gehören die Griechen zu Europa. Sie hinauszudrängen hätte für alle Beteiligten unabsehbare negative Konsequenzen. Das zusammenzubringen ist sicher keine leichte Aufgabe.

Das dritte “Hilfspaket” für Griechenland

Während des dramatischen Wochenendes, an dem es um das Ausscheiden Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung geht, weile ich auf Rhodos und bleibe in Helmut Schmidts “Was ich noch sagen wollte” auf Seite 212 hängen.

1973 wurde die EG durch die Hinzunahme von Großbritannien, Irland und Dänemark von 6 auf 9 Staaten erweitert. Nach dem Fall der Militärregierungen in Portugal, Spanien und Griechenland Mitte der 1970er Jahre unterstützte Schmidt den Beitritt Portugals und Spaniens. Bei Griechenland war er aus ökonomischen Gründen nicht von der Richtigkeit überzeugt. Das war vor rund dreißig Jahren.

Für mich gehören die Griechen geographisch, kulturell und wirtschaftlich zu Europa. Ferner kann ich gut nachvollziehen, dass sich die Griechen ungern von außen zu Maßnahmen verpflichten lassen möchten, zumal wenn sie den Eindruck haben, dass es die falschen sind.

Dass sich Alexis Zipras heute Nacht vor dem Hintergrund der drohenden Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gegen seine eigene Überzeugung erneut genau dazu durchgerungen hat, mag in der aktuellen Situation die richtige Entscheidung gewesen sein. Wird es auch helfen, dass die Griechen beginnen werden, ihr Gemeinwesen auf eine solidere Basis zu stellen?

Ich habe den Eindruck, hierfür fehlt es in der Bevölkerung an Rückhalt (man könnte es auch fehlendes Dringlichkeitsgefühl im Kotter’schen Sinne nennen). Das gilt erst recht seit heute Nacht. Denn die Maßnahmen sind die “der anderen”, und die Wähler sehen zuallererst einmal die negativen Auswirkungen, die es auf sie hat. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ich selbst in einer ähnlichen Situation intrinsisch motiviert zu Werke zu gehen würde.

Vielleicht ist Europa zu schnell gewachsen. Retrospektiv werden wir auch beurteilen können, ob der Zerfall bereits begonnen hat. Wir haben jedenfalls allen Grund, uns Sorgen zu machen.

Dem vergreisenden Europa dürfte es in den kommenden Jahrzehnten immer schwerer fallen, den gewohnten Frieden und den Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Griechenland hat daher keine weiteren 30 Jahre Zeit. Ich wünschte dem Land, dass es sich längst aus eigener Kraft auf den Weg gemacht hätte und die Griechen heute nicht als Bittsteller dastehen müssten. Also jetzt der nächste Anlauf, unter dem enormen Druck der anderen EU-Staaten.

Unmöglich ist es nicht. Aber es verlangte den Griechen wahrscheinlich mehr ab, als irgend eine Gesellschaft jemals geleistet hat. Ist das zu leisten?

Ich glaube, Griechenland kann das schaffen. Aber ohne Dringlichkeitsgefühl, eine Führungskoalition mit klarer Vision und so weiter wird es schwierig, die Bevölkerung zu mobilisieren.

Wie das Beispiel der baltischen Staaten zeigt sind außergewöhnliche Dinge möglich. Griechenland sollte sich helfen lassen. Das geht aber nur genau dann, wenn wir alle Griechenland den nötigen Respekt entgegenbringen. Niemand möchte sich helfen lassen von Menschen, die den Oberlehrer, den Besserwisser, den Zaungast (englisch Fencesitter) oder ähnliches geben möchten.

Edit: Inzwischen bin ich über einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen von Heinz. A. Richter gestolpert. Könnte sein, dass die Kultur deutlich hinderlicher ist als ich bisher vermutet habe. Er greift auf der fünften Seite unten auch das Problem auf, dass in oben genanntem Buch von Helmut Schmidt nachzulesen ist:

Die Europäer, allen voran Frankreichs Präsident Giscard d’Estaing und Bundeskanzler Helmut Schmidt, wollten die Demokratisierung unterstützen und stimmten daher der Aufnahme zu, obwohl sie wussten, dass Griechenlands Wirtschaft nicht wettbewerbsfähig war.

??????? ???? ???!

Im Moment beherrscht, vollkommen zu Recht, die Griechenland-Krise das politische Tagesgeschehen. Alle warten auf das morgige Referendum, in dem die Griechen über etwas abstimmen sollen, das wohl kaum jemand versteht.

In den vergangenen Wochen ging es vorrangig um die Verhandlungen der Troika mit der jungen griechischen Regierung. Vor allem in den letzten Tagen ging es fast nur noch um die Ereignisse, die sich nahezu im Stundentakt zutrugen.

Was mir in der Diskussion komplett fehlt ist der europäische Ansatz. Wir alle haben zusammen ein hartes Problem, das es zu lösen gilt. Die Berichterstattung jedoch hilft nicht dabei, das Problem zu verstehen, geschweige denn Lösungsansätze zu diskutieren.

Die Griechen haben sich zu Beginn des Jahrtausends der Gemeinschaftswährung angeschlossen. Dabei haben sie eventuell ein wenig geschummelt.

Ferner ist der griechische Staat überschuldet. Offensichtlich wurde über einen längeren Zeitraum mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Wir müssen also die Ausgaben- und die Einnahmeseite zu betrachten. Wo gibt der Staat viel Geld aus? Wo gehen dem Staat Einnahmen verloren? Was kann der Staat tun, um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Wirtschaft im Vergleich zu den anderen Staaten zu steigern?

Im Moment liegt die griechische Wirtschaft darnieder. Der internationale Zahlungverkehr ist extrem eingeschränkt, weshalb die Gewerbetreibenden vor Ort kaum mehr Einkäufe tätigen können. Den Banken geht das Geld aus, und die Auszahlung der maximalen Tagesration von 60 bzw. 50 € an die Bürger ist nicht mehr gewährleistet. In der Versorgung haben sich die ersten Engpässe ergeben.

Liebe Mitbürger in der europäischen Union, für mich steht fest: Griechenland gehört geographisch, politisch und wirtschaftlich unzweifelhaft zur europäischen Union. Dazu gibt es keine Alternative. In einer echten Gemeinschaft hilft man sich gegenseitig. Das ist vor allem im Moment, in dem in Ungarn Zäune errichtet und in Großbritannien neue Regeln der Zusammenarbeit gefordert werden, das Gebot der Stunde.

Was bedeutet das? In einem guten Team wird man sich gegenseitig fördern – und gleichzeitig auf konstruktive Weise fordern. »Wir helfen Dir, aber Du musst Dich auch anstrengen.«. In einem guten Team findet so etwas in gegenseitigem Respekt statt. Im Konfliktfalle ist es im Sinne des Konstruktivismus entscheidend, dass sich die Parteien voll und ganz in das Gegenüber hinein versetzen, damit ein gegenseitiges Verständnis entsteht, das zur Konfliktlösung beiträgt.

Die Zeit titelt passend dazu in N° 27 vom 2. Juli 2015 zweisprachig (online auch englisch): »Bleibt bei uns!«. Würden sich die Griechen morgen gegen den Wunsch ihrer Regierung stellen, sie würden dadurch uns alle klar in die Pflicht nehmen, die Probleme gemeinsam zu lösen.

Danach sieht es allerdings im Moment nicht aus.

Neulich, auf dem Radfahrstreifen in der Karlstraße

Vielen bekannt ist das Karlsruher Modell in Bezug auf den Schienenverkehr. Als Bahnreisender im Nahverkehr ist der KVV wirklich spitze.

Karlsruhe hat sich in den vergangenen Jahren allerdings auch sehr viel Mühe gegeben, attraktiver für das Radfahren zu werden. Natürlich kann Karlsruhe noch nicht mit Münster oder gar Kopenhagen mithalten, aber die Ergebnisse wie Radfahrstreifen auf innerstädtischen Fahrbahnen und Haltegriffe an Ampelanlagen können sich sehen lassen. Karlsruhe setzt dabei auf ein Miteinander im Straßenverkehr statt einer Bevorzugung einzelner Verkehrsmittel (wobei das für Schienenfahrzeuge, die sich an Ampeln “grün holen” können, dankenswerterweise nicht unbedingt zutrifft :) ).

Uns allen muss aber auch klar sein, dass wir selbst die Rollen immer wieder wechseln. Als Autofahrer schimpfen wir über die Radfahrer. Sind wir Fußgänger, schimpfen wir über die Autofahrer. Als Radfahrer schimpfen wir über die Autofahrer.

Ich selbst fahre hauptsächlich mit dem Rad. Ich unterhalte kein KFZ. Falls nötig, buche ich ein Fahrzeug eines Auto-Teilen-Anbieters. Im Moment betreue ich ein Projekt außerhalb Karlsruhes und lege daher ausnahmsweise die Strecke zum Kunden mit dem Firmenwagen zurück. Und so passiert es selbst mir als leidenschftlichem Radfahrer, dass ich beim vorsichtigem Rechtsabbiegen einen Radfahrer übersehe und ihm die Vorfahrt nehme. Ich beobachte ferner Radfahrer, die eine rote Ampel gerne mal ignorieren, oder beim Um-die-Hausecke-biegen auf dem Fußweg mit einem entgegenkommenden Radfahrer kollidieren. Und es passiert auch mir, dass ich an einer unübersichtlichen Kreuzung auf dem Radweg auf der falschen Straßenseite lande und entgegen der vorgesehenen Fahrtrichtung unterwegs bin. Durch meine Arbeit an der Sprachausgabe für MoNav habe ich gelernt, dass es deutlich schwieriger ist, Routinginformationen für Radfahrer als für Autofahrer zu generieren – speziell durch die komplizierte Situation für Radfahrer an Kreuzungen.

Vor diesem Hintergrund bewerte ich auch die obige Abbildung einer Situation auf der Karlstraße. Anhand der Uhr kann man erkennen, dass es sich bereits am Abend ereignet hat, als der Verkehr bereits ruhiger geworden war. Ähnliche Fälle ereignen sich aber auch tagsüber. Für den Radfahrer ist die Situation äußerst riskant. Man muss in kurzer Zeit sehr viele Parameter verarbeiten. Kommt von hinten ein Fahrzeug? Kommt von hinten eine Bahn? Ist es trocken oder feucht? In welchem Winkel muss ich gegebenenfalls die Gleise nehmen?

Am Stammtisch könnte man argumentieren, die Fahrer der geparkten Fahrzeuge seien rücksichtslos. Würden Radfahrer ihre Fahrzeuge mitten auf der Fahrbahn abstellen, so dass die Kraftfahrzeugführer auf den Radweg ausweichen müssten, um vorbeizukommen, stünde es am nächsten Tag in einer großen Boulevardzeitung. Als überzeugter Konstruktivist kann ich mir allerdings auch vorstellen, dass die Fahrer der parkenden Fahrzeuge vielleicht selbst überzeugte Radfahrer sind und durch einen momentanen Rollenwechsel die Welt aus einem anderen Blickwinkel sehen.

Neulich, auf der A81

Heute wurde ich leider mal wieder Zeuge einer üblen Drängelei. Auf der rechten Spur befand sich vor mir ein Fahrzeug, das gerade von einem anderen überholt wurde.

Auf der linken Spur näherte sich mit hoher Geschwindigkeit eine schwarze Liousine eines Untertürkheimer Anbieters. Er fuhr auf das überholende Fahrzeug sehr dicht auf, hatte den Blinker links gesetzt und betätigte die Lichthupe mehrfach mit hoher Frequenz.

Nachdem das überholende Fahrzeug auf die rechte Spur gewechselt war, wechselte das drängelnde Fahrzeug ebenfalls auf die rechte Spur und schnitt das andere Fahrzeug dabei extrem knapp.

Wäre ich schneller gewesen, hätte ich mir die Kennzeichen der beteiligten Fahrzeuge gemerkt. Ich wurde selbst ebenfalls auf der A81 vor einigen Jahren genauso bedrängt. Von einer Anzeige riet der freundliche Polizist seinerzeit jedoch ab – es käme nichts dabei heraus.

Gegenseitige Rücksichtnahme ist ein elementarer Grundsatz im Straßenverkehr. Sofern es die Verhältnisse zulassen, fahre ich gelegentlich auch zwischen 140 und 180 km/h. Bei solchen Geschwindigkeiten muss ich jedoch eine ganz besondere Verantwortung in Bezug auf die Rücksichtnahme auf alle anderen Verkehrsteilnehmer übernehmen. Andernfalls sollte ich meinen Führerschein abgeben.

Es ist mal wieder so weit…

2015 kommt erneut die internationale Politprominenz zum G7-Gipfel nach Deutschland, dieses Mal ins bayerische Schloss Elmau.

Auch dieses Mal ist damit zu rechnen, dass der Rechtsstaat temporär außer Gefecht gesetzt werden wird, wie es schon 1992 in München oder 2007 in Heiligendamm der Fall war (ich empfehle die Lektüre des im Artikel verlinkten PDFs). Hinterher wird man dann darauf verweisen, dass das harte Hinlangen nunmal bayerische Art sei oder die ausländischen Gäste bestimmte Dinge so gefordert hätten. Nimmt man noch die Vorkommnisse bei Stuttgart 21 hinzu, so bekräftigt mich das in meinem Vorurteil, dass die Unionsparteien im Grunde ihres Wesens keine demokratischen Parteien sind. Dass sie bei den Wahlen dennoch immer wieder recht gut abschneiden, egal ob legitim durch das Wahlverhalten der Bürger oder vielleicht auch mal nicht ganz so legal durch geringfügiges Nachhelfen, sagt IMO einiges über unsere Gesellschaft aus.

Unsere Gesellschaftsordnung ist grundsätzlich gut, aber auch gefährdet. Jeden Tag. Auch wenn man es oberflächlich betrachtet nicht sogleich wahrnehmen mag.

Panem et circenses

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Ich bin nicht der größte Freund des Fußballs, aber wenn es denn um die Finalqualifikation der deutschen Mannschaft geht investiere ich am späten Abend auch mal gerne zwei Stündchen.

Vom Spiel selbst verstehe ich kaum etwas, außer dass es irgendwie darum gehen soll, den Ball in das gegnerische Tor zu bekommen. Das dürfte auch der Grund sein, warum ich mit den Aussagen der Kommentatoren nicht viel anfangen kann.

Nach dem letzten Spiel der Brasilianer hätte ich einen deutlich härteren Körpereinsatz erwartet, zumal es ja um ziemlich viel ging. Ich war angenehm überrascht, dass es auf dem Platz doch verhältnismäßig zivilisiert zuging. Der Schiedsrichter wirkte souverän und kam mit nur einer einzigen gelben Karte aus.

Beeindruckend fand ich (nicht nur heute) die Arbeit der Torhüter. Manuel Neuer spielt für fünf, und die sieben Bälle im brasilianischen Tor lagen ganz sicher nicht daran, dass Júlio César seine Arbeit nicht anständig erledigt hätte.

Bemerkenswert fand ich zu sehen, wie die Motivation des brasilianischen Teams nach den ersten Toren komplett zusammenbrach. Sie hatten sich aufgegeben, und ich hatte nicht den Eindruck, dass der Trainer es während der Halbzeitpause geschafft hätte, dem Team nochmal ein Ziel mitzugeben, für das es sich zu kämpfen lohnt. Die zweite Halbzeit wirkte denn auch mehr wie ein Freundschaftsspiel. Die deutsche Mannschaft schonte sich und spielte mit dem Ball, während der Gegner offensichtlich nicht nach dem Motto »Wir haben nichts zu verlieren« agierte. Ich hätte zumindest erwartet, dass sie versuchen würden, den Abstand auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Vielleicht hatten sie sich aber bereits darauf eingestellt, die Kräfte für das Spiel um den dritten Platz aufzuheben.

Sehr unangenehm fand ich, dass die Brasilianer sich auf einen ihrer eigenen Spieler mit Schmährufen eingeschossen hatten. Für jeden Spieler auf dem Platz gilt die “Prime directive”, nämlich dass er versucht, das beste zu geben, was er in dem Moment geben kann. Jeder der Buhrufer möge sich einfach selbst auf den Platz stellen und es besser machen. Letztlich aber waren sie gute Verlierer und die deutschen gute Gewinner.

Schade war das Interview mit Per Mertesacker. Da haben wir schon spannendere gesehen :) .

Am Fußball stört mich nicht der Sport, sondern die Rahmenbedingungen. Erstens wäre der damit einhergehende Partiotismus bzw. Nationalismus zu nennen. Das habe ich schon in meiner Jungend nicht verstanden, als auf dem Platz beim Spiel von Dorf A gegen Dorf B die jeweiligen Anhänger geneneinander pöbelten. Die Verträge im Profifußball sind internationaler Natur. Warum vor dem Spiel Nationalhymnen abgespielt werden und dann noch genau darauf geachtet wird, wer mitsingt und wer nicht, erschließt sich mir nicht. Zweitens stört mich der enorme Kommerz rund um die Spiele. Um die Spiele (und deren Inhalt) scheint es nur am Rande zu gehen. Auch dieses Mal wird die Siegerehrung und die Fete nach dem Endspiel wieder in Rekordzeit über die Bühne gehen. Und nicht zuletzt scheinen mir die Gepflogenheiten innerhalb der verschiedenen Verbände nicht immer auf Fairness zu basieren. Ob der ein oder andere Vorgang eine Vorbildfunktion übernehmen kann, wage ich zu bezweifeln. Wobei das natürlich davon abhängt, was man für Zielvorstellungen hat.

Das soll mal als Kommentar eines Außenstehenden reichen. Es ist ohnehin nur dem derzeit regnerischen Wetter geschuldet :) .

Schiene vergessen

Im letzten Posting habe ich das Schienennetz komplett vergessen. Hier haben wir ganz ähnliche Probleme zu beklagen, wie unter anderem »Die Zeit« berichtet. Mir wäre allerdings wesentlich lieber, wir würden unsere Zeit anstatt mit Schuldzuweisungen mit dem Entwickeln von Problemlösungen verbringen.

Wenn der Erhalt der Infrastruktur in einer Industrienation zum Problem wird

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Selbst als Wenigfahrer, der kein eigenes Kraftfahrzeug unterhält und keinem Automobilclub angehört, wundere ich mich manchmal über den Zustand unseres Wegenetzes. Zumal ich durch die Mitarbeit an OpenStreetMap viele Wege unter einem ganz eigenen Blickwinkel gesehen habe.

Sehe ich eine Geschwindigkeitsbeschränkung mit dem Hinweis »Straßenschäden«, denke ich oft an das Prinzip »Don’t manage bugs. Fix them.« aus der Softwareentwicklung. Andernfalls häufen wir Schulden an, die wir irgendwann nicht zurückzahlen können.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Torsten Albig das Postulat nach einer Sonderabgabe von “Zusätzlich 100 Euro im Jahr” für alle Autofahrer wirklich als ernsthaftes Ziel anstrebt. Die ablehnenden Reaktionen waren zumindest vorhersehbar. In einem Beitrag des Deutschlandfunks wurde vielmehr darauf verwiesen, dass er damit wohl eher die Regierung dazu nötigen wollte, sich zu den unzureichenden Finanzmitteln zu äußern. Der Bundesrechnungshof wiederum moniert, dass die Mittel grundsätzlich vorhanden seien, statt in die Wartung aber zu oft in Neubauten flössen.

Der Erhalt unseres Wegenetzes und die Sanierung von Brücken, die bei der Erstellung für eine Gebrauchsdauer von 40 Jahren ausgelegt wurden, ziehen jährlich Fixkosten nach sich, die sich grob quantifizieren lassen. Steht weniger zur Verfügung, sollten mögliche Konsequenzen erörtert werden. Sollte sich die wirtschaftliche Lage verschlechtern, könnte das durchaus auf eine Sonderabgabe hinauslaufen. Oder aber auf unbrauchbare Straßen.