Ein wahrer Gourmet scheut niemals ein Geschmackserlebnis

Tête de veau

Tête de veau

Die Tour

Meine heutige Tour führte mich mal wieder zu einem meiner Lieblingsziele – Wissembourg. Da ich in Neuburgweier auf die Fähre warten musste und mir unterwegs eine ausgiebige Pause in der Sonne gegönnt habe, sank die Durchschnittsgeschwindigkeit, die mir MoNav neuerdings anzeigen kann, auf gut 13km/h. Die tatsächliche Durchschnittsgeschwindigkeit “in Bewegung” dürfte trotz leichten Gegenwindes 20km/h betragen haben.

MoNav

Ich hatte die letzten Wochen damit experimentiert, MoNav Stillstandzeiten automatisch erkennen und aus der Berechnung herausnehmen zu lassen. Die einfachen Ansätze haben leider allesamt nicht gut geklappt; die Betrachtung von Genauigkeit und Geschwindigkeit von bis zu 40 Positionsdaten führten nicht zu zuverlässigen Ergebnissen. Um das Kalman-Filter wollte ich mich zugegebenermaßen drücken, aber es könnte sein, dass ich daran nicht vorbeikomme.

Die Strecke

Ich habe heute nicht die Schotterwege durch den Bienwald genommen, sondern bin via Lauterbourg nach Scheibenhardt und von dort aus über den Radweg durch Niederlauterbach, Salmbach und Schleithal gefahren. Nachdem ich 2007 große Teile des Karlsruher Straßennetzes abgefahren und gemappt hatte, habe ich begonnen, die linksrheinischen Dörfer der Pfalz (Neuburg, Hagenbach, Maximiliansau), den Bienwald, Wissembourg und die vorgenannten Dörfer zu mappen. Es ist schon erstaunlich, was sich seitdem alles geändert hat. In Lauterbourg wird gerade ein Areal, das früher einen Supermarkt enthielt, umgekrempelt. Auf der anderen Straßenseite wurden einige Bungalows entfernt und Bagger schaffen gerade Raum für neue Fundamente. In den anderen Dörfern wird genauso gebaut wie in Wissembourg, das vor wenigen Jahren unter enormem Flächenverbrauch ein neues Industriegebiet ausgewiesen hat. Trotzdem sich dort bisher nur wenige Betriebe angesiedelt haben, werden an Wendeschleifen von der städtischen Gärtnerei liebevoll einige Blumenbeete gehegt, und zwischen den Parzellen, die hoffentlich künftig jemand besiedeln wird, wurden junge Bäume angeplanzt. Mich wundert das ein wenig, denn was passiert denn, wenn ein Gewerbebetrieb ein größeres zusammenhängendes Stück erwerben möchte? Muss der dann um die Bäume herumbauen? Aber egal, das stört uns als Mapper ja eigentlich weniger.

Relationen

Für den Rückweg entschied ich mich ebenfalls gegen den Bienwald und bin via Windhof über die Straßendörfer, die ich in Teilen ebenfalls vor Jahren gemappt hatte, gefahren. Auch hier regt sich überall die Bautätigkeit, und gerade als Mapper nimmt man die vielen größeren und kleineren Veränderungen wahr. In Schaidt beispielsweise wurde die Vorfahrt an der zentralen Kreuzung geändert. Via JOSM hätte ich daher gerne die bisher durchgehende Straße an dieser Stelle wenigstens aufgeteilt. JOSM weist mich darauf hin, dass es da irgendeine Relation gäbe, die ich doch kontrollieren solle. Jetzt ratet mal, was ich gemacht habe. Genau. Ich habe JOSM schnell geschlossen und mir gedacht “dann halt nicht”. Fred hat genau diesen Effekt vor Jahren vorausgesehen, als er die Relationen eingefüht hat und ich noch ein großer Fan davon war. Inzwischen haben wir viel zu viele Relationen in OSM, die zu schwierig zu handhaben sind und die Neueinsteiger vor eine viel zu große Hürde stellen. Selbst alte Hasen wie ich einer bin ziehen den Schwanz ein. Ich wäre froh, Wege und Routen wären gleichermaßen Relationen, die gleichberechtigt nebeneinanderstünden. Beide würden dann auf Nodes verweisen, und das Aufteilen eines Weges würde die Routenrelation nicht gefährden oder gar kaputtmachen.

Regionale Küche

Zeit um auf das eigentliche Thema dieses Postings zurückzukommen. Egal wohin ich reise, ich versuche immer, Resturants zu finden, die regionale Gerichte anbieten. Und ich gebe zu, die teils deftige, oft aber auch raffinierte elsässer Küche wirklich zu mögen. Sowohl deutsche Metzgereien als auch deutsche Restaurants sind durchweg langweilig, wenn es um die Verwertung aller Teile der Schlachttiere geht. Versuchen Sie mal, in einer deutschen Metzgerei einen Kalbsfuß oder einen Kalbskopf zu bekommen. Da werden Sie ein größeres Problem haben. Genauso in deutschen Restaurants. Wie oft haben Sie auf einer Karte schonmal Hase, Lamm oder gar Innereien gesehen? Der Deutsche isst sowas eher selten. Ganz anders bei unseren Nachbarn.

In Wissembourg gibt es einige gute Restaurants. Im »Au Saumon« kann man nett draußen direkt an der Lauter sitzen, aber die Karte ist eher mager, und es wird meist versucht, die Tagestouristen mit dem Flammkuchen zu versorgen, der vor dem Restaurant im Holzofen zubereitet wird. Gegen Flammkuchen als typisches Gericht des Elsass ist nichts einzuwenden. Außer dass Sie diesen fast überall bekommen können.

Inzwischen bin ich einige Male im »Restaurant de la Couronne« gestrandet, das direkt schräg gegenüber dem Rathaus (»Hotel de Ville«) direkt am »Place de la Republique« liegt. Hier bekommt man Köstlichkeiten, nach denen man sich in Deutschlad so oft sehnt. Wie eben einen Kalbskopf. Ich gebe zu, dass ich selten ein so aromatisches wie zartes Stück Fleisch gegessen habe. Es zergeht auf der Zunge. Und wenn zum Nachtisch ein Rhabarberragout gereicht wird, wird man schmerzhaft daran erinnert, wie langweilig deutsche Gaststätten mit Schnitzel natur, Wiener Schnitzel, Jägerschnitzel und Zigeunerschnitzel und abschließend drei Kugeln Vanilleeis aus der Retorte doch sind.

Ästhetik

Egal ob man ein Buch, einen Stuhl, ein Mobiltelephon, ein Laptop, ein Stück Software, ein Musikstück oder eben ein Essen betrachtet, allem wohnt eine natürliche Schönheit inne – oder eben auch nicht. Eine Schreibtischplatte mit einem 2mm-Anleimer ist meist weder funktional noch schön. Und eine Software oder eine Landkarte mit 2759 Piktogrammen, die nicht aufeinander abgestimmt sind, ist es ebenfalls nicht. Und ein WordPress-Blog mit dem Default-Theme ebenfalls nicht. Ein jeder von uns nimmt Schönheit wahr – aber eben immer nur in Teilbereichen. Der eine mehr, der andere weniger. Ich gebe allerdings zu, die Leute zu bedauern, die Schönheit nur in einem winzigen Bereich ihres täglichen Lebens und Schaffens wahrnehmen. Ihnen entgeht etwas, ohne dass sie es merken.

The end of the rant

Ich schweife ab. Welch wundervoller Sonntagsnachmittagstrip von gerade mal 62 Kilometern. Danach hat es mir ob des Windes aus Südwest bis nach Wissembourg auch gereicht. Bis Kandel war er aber zugegebenermaßen äußerst willkommen :) .