Der Notenanzeiger

Nachdem ich auf dem Konzert am Samstag von der Chaconne in F Moll von Johann Pachelbel sehr angetan war, habe ich mir über das International Music Score Library Project (kurz IMSLP) die Noten als PDF besorgt.

Nachdem ich keinen (einsatzfähigen) Drucker unterhalte, wollte ich erst den Rechnerbildschirm hinter den Kronos stellen. Aber zum “Umblättern” hätte ich jedesmal umständlich zur Maus greifen müssen.

Informationen im Web zufolge verwenden inzwischen einige Musiker Tablets, um Noten anzuzeigen. Allerdings ist die Notendarstellung auf den 10,1 Zoll des Transformer 101 hochkant deutlich zu klein.

Im Querformat geht es eben so mit dem Notenlesen. Allerdings kann man so immer nur eine halbe Seite darstellen. Während dem Spielen alle paar Takte mit dem Finger auf dem Bildschirm zu scrollen ist leider nicht ganz praktikabel.

Abhilfe schafft spezielle Software wie die kostenlose Version von MobileSheets. Zum Vorwärtsblättern genügt es, den Bildschirm zu berühren. Die Software stellt dabei sicher, dass die Notenzeilen immer komplett sichtbar (und nicht etwa abgeschnitten) dargestellt werden. Sehr schön. Allerdings müssen die Noten, die ich via ownCloud zwischen Schreibtischrechner und Tablett synchron halte, zuerst in die Datenbank von MobileSheets importiert werden. Für einzelne PDF-Dateien sicher machbar, aber ich habe mir noch nicht angesehen, wie gut das Ganze mit einer größeren Sammlung vonstatten geht. Schön ist, dass man die Noten anschließend noch mit Notizen anreichern kann. Dieses Feature habe ich allerdings noch nicht ausprobiert. Ob es wirklich Papier und Bleistift ersetzen kann, muss ich also erst noch herausfinden.

In der Praxis passiert es mir häufig, dass der Bildschirm zwar kurz berührt, das Gerät aber noch nicht zum Umblättern animiert wird. Abhilfe könnte ein Pedal schaffen, das das Umblättern auslöst. Auf Zubersoft.com finden sich Hinweise auf passende Pedale, die über eine USB-Steckverbindung (BiliPro page turner) oder Bluetooth (Airturn BT-105 oder Cicada PageFlip) gekoppelt werden können. Letztere haben bauartbedingt den Nachteil, dass man stets für geladene Akkus sorgen muss.

Das gilt allerdings auch für das Notenanzeigegerät selbst. Sowas möchte man jedenfalls nicht während des Spielens (und schon gar nicht während eines Konzertes) auf dem Display sehen :) :

Nach wie vor wäre mir ein etwas größeres Gerät, das eine DIN A4-Seite komplett anzeigen kann, lieber. Größere Tablets, wie das DIN A3-große namenlose Gerät von Panasonic oder das Dell XPS 18, stehen bereits oder demnächst zur Verfügung, sind aber sicher nicht als Schnäppchen zu bekommen.

Mit dem Arnova Familie Pad von Archos steht ein etwas leisstungsschwächeres 13 Zoll- Gerät mit einer HD-Auflösung von 1280×800 Pixeln zur Verfügung. Allerdings sind hier neu noch immer 270 und gebraucht 200 € fällig. Nur weil ich ausnahmsweise mal ein klassisches Stück spiele lohnt sich das sicher nicht, zumal man dann auch noch in eine stabile Halterung wie den König & Meyer 19740 Tablet PC Halter investieren sollte.

Fazit: Das perfekte digitale Notenanzeigegerät zum kleinen Preis und mit ich-muss-nicht-nachdenken-Akkulaufzeit gibt es derzeit nicht. Ich sollte wohl die Noten einfach wieder auf Papier drucken. Aber das wäre ja einfach, praktisch, zielführend und, wie soll ich sagen, eben nicht zeitgemäß :) .