Das Problem mit dem Fokus

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Makrofotos seien mit am schwierigsten zu erstellen. So zumindest steht es geschrieben im world wild web, und somit muss es ja stimmen. Dort kann man auch lesen, dass sich die Fotografenzunft in die Fraktionen der Stativbefürworter und Gegner teilt.

Um mir selbst ein Bild machen zu können, bin ich gestern einfach mal selbst mit einem Makroobjektiv bewaffnet ausgezogen, um Blümchen und Insekten zu erschrecken. Ich bin noch sehr weit weg davon, mich mit so Nebensächlichkeiten wie Bildkomposition, Bokeh und so weiter zu beschäftigen. Es sollte erstmal nur darum gehen, die Objekte überhaupt mal brauchbar auf den Sensor zu bringen. Seit gestern weiß ich, dass das gar nicht so einfach ist. Bei Nahaufnahmen ist nunmal die Ebene, in der das Bild scharf ist, sehr klein. Schon beim manuellen Scharfstellen, wie es teilweise empfohlen wird, verdrückt man die Kamera geringfügig, dann nochmal beim Drücken des Auslösers, man befindet sich oft genug in einer unangenehmen Zwangshaltung, und bis endlich die Belichtung stattfindet hat man die Kamera garantiert bewegt und die Schärfe ist entweder komplett dahin, oder zumindest nicht mehr da, wo man sie haben will:

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Im folgenden Beispiel kommt hinzu, dass im rechten Bildbereich störende Objekte vor der Schärfeebene liegen. Da muss noch hart trainiert werden. Die örtlichen Gegebenheiten (steiler Hang) ließen es allerdings nicht zu, die Kamera so zu positionieren, wie ich das gerne gehabt hätte:

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Bilder mit Insekten wirken üblicherweise gut, wenn man es schafft, den Augenbereich scharf darzustellen. Mir dünkt, dass das freihändig höchstens als Zufallstreffer hinzubekommen ist:

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Das folgende Objekt hätte ich gerne noch größer auf das Bild bekommen, bin aber erneut am Hang gescheitert:

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Nur am Rande, weil ich gerade die beiden Bilder zur Hand habe: die Schärfe des Hintergrundes wird durch die Blendenöffnung beeinflusst, weshalb ich mit der Zeitautomatik (»A« auf dem Wählrad, steht für aperture priority oder auch aperture value) arbeite. Das erste Bild wurde mit geschlossener Blende (F 18), das zweite mit geöffneter Blende (F 2.8) aufgenommen:

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Fazit der gestrigen Testtour: Für Makroaufnahmen empfiehlt sich ein Stativ. Es gibt spezielle, recht niedrige und auch handliche Makrostative. Die hätten mir aber gestern höchstens bei einem Viertel der Bilder geholfen. Schon praktischer wäre ein sehr flexibles, ungefähr drei oder vier Meter hohes Gerät mit langem Ausleger gewesen, das die Kamera dann auch noch auf den Zehntel Millimeter genau dort festhalten sollte, wo man sie hingestellt hat.

Die verwendete Kamera ist in der Lage, beim Drehen am Fokusring des Objektivs das Zentrum des Bildes vergrößert darzustellen. Das hilft zwar beim Fokussieren, aber so richtig sicher wissen, ob die Schärfeebene jetzt richtig liegt, tue ich dabei noch immer nicht – dazu ist das Display einfach zu klein, zu spiegelnd und bei Sonnenlicht nicht gut genug ablesbar.

Richtige Perfektionisten nehmen einen Makroschlitten und nehmen mehrere Bilder auf, während sie die Kamera dazwischen um Bruchteile eines Millimeters verschieben. Somit kann man dann zuhause am Rechner dasjenige aussuchen, bei dem die Schärfeebene tauglich liegt. Das ganze ist dann allerdings mit einigem Aufwand bei der Finanzierung, dem Tragen, dem Auf- und Abbauen und dem Verpacken verbunden. Speziell bei Insekten könnte ich mir vorstellen, dass die Motive so lange nicht werden warten wollen – die haben meist auch noch was anderes vor als dem Hobbyfotografen beim Aufbauen des Statives (und Lesen des zugehörigen Handbuches) zuzugucken :) .

Keines der Stative, die ich mir angesehen habe, hat mir wirklich gefallen (außer einem, das preislich jenseits von gut und böse liegt). Die nächste Tour werde ich daher einfach mal mit einem Bohnensack machen und schauen, wie weit man damit kommt.