Alles so schön ruhig hier

Wir schreiben den fünften Juli zweitausendvierzehn. Am frühen Abend ist es ruhig im Schwarzwald. Sehr ruhig. Sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Denn von Frankreich her nähern sich dunkle Wolken. Die einschlägigen touristischen Einrichtungen haben bereits geschlossen. Die Parkplätze sind leer, und im Gegensatz zu sonst stört kein hochtouriges Aufheulen irgendeines hochgezüchteten Motorrades die Stille. Nur ein einsamer Naturbursche sitzt auf einer Bank im Gebüsch und emuliert Troubadix, indem er auf seiner Leier eine Art Siegeshymne übt. Ob er singen wird? Ich weiß es nicht. Aber offensichtlich hat er, so wie ich, den Duft des Hochmoores dem Fußballspiel Frankreich gegen Deutschland vorgezogen.

Ob es sich oben um eine Heidel- oder eine Rauschbeere handelt, kann ich nicht sagen. Bei der nachfolgenden Walderdbeere kann man schön die Wirkung verschiedener Blendeneinstellungen sehen. Das erste ist bei weit geöffneter Blende (ƒ 6.3) aufgenommen und zeigt eine geringe Schärfentiefe. Das zweite ist mit weit geschlossener Blende (ƒ 16, das Objektiv unterstützt bis zu ƒ 32) und somit hoher Tiefenschärfe aufgenommen. Beim ersten ist zwar der Hintergrund stärker verschwommen, aber die Erdbeere (die eigentlich eine Sammelnuss ist) ist, wird speziell an den Rändern nicht komplett scharf dargestellt.

Da es zunehmend regnerisch und windiger wurde, wurde das Aufnehmen von Pflanzen immer schwieriger. Ich habe daher auf den Autofokus gesetzt und auch auf die Auflöseverzögerung verzichtet, denn dass eine Blüte mal mehr als 5 Sekunden stillhielt war eher die Ausnahme.

Auch die Insekten hatten sich weitestgehend zurückgezogen. Die wenigen, die noch zu sichten waren, waren ziemlich träge. Aufgrund des Lichtes ist allerdings schwarz nicht wirklich gut darstellbar. Vielleicht hätte ich das LED-Ringlicht nutzen sollen, aber es führt üblichwerweise zu verfälschten Farben (schön zu sehen an den letzten Juni-Bildern), weshalb ich es sparsam einsetze und heute überhaupt nicht genutzt habe.

Einen Weberknecht habe ich bisher in freier Wildbahn noch nicht mit der Kamera erwischt. Wie die anderen Insekten heute nachmittag auch war er ziemlich bewegungsfaul. Ich konnte also in Ruhe störende Grashalme beiseite drücken, die Kamera umsetzen und immer wieder dicht an das Tier heranrücken.

Der absolute Glückstreffer war diese Libelle. Es hatte inzwischen kräftig abgekühlt und es blies ein leichter Wind. Ich konnte mit der Kamera bis auf weniger Millimetere an das Tier heran, ohne dass es sich daran gestört hätte. Bei ganz ähnlichen Witterungsbedingungen hatte ich bei ?????? eine Fangschrecke aufnehmen können.

Bemerkenswert, wie sich das Tier an den abgerissenen Grashalm klammert. Wenn ich mir vorstelle, dass es einen kräftigen Gewitterregen hätte geben können, weiß ich nicht, ob sie sitzengeblieben wäre oder sich ein geschützteres Örtchen gesucht hätte.

Man sieht den Bildern an, dass ich aufgrund der instabilen Wetterverhältnisse innerlich nicht ruhig genug war. Ich hätte aus obigen Situationen mehr machen können. Bei ruhigerem Wetter hätte ich mir pro Szene sicher das doppelte an Zeit gegönnt. Speziell die Libelle hätte ich deutlich besser einfangen könne, wenn es nicht inzwischen sehr kühl und windig geworden wäre. Dann hätte sie aber wohl auch nicht so lange still gehalten :) .