Panem et circenses

Gioppino_Soccer_Ball

Ich bin nicht der größte Freund des Fußballs, aber wenn es denn um die Finalqualifikation der deutschen Mannschaft geht investiere ich am späten Abend auch mal gerne zwei Stündchen.

Vom Spiel selbst verstehe ich kaum etwas, außer dass es irgendwie darum gehen soll, den Ball in das gegnerische Tor zu bekommen. Das dürfte auch der Grund sein, warum ich mit den Aussagen der Kommentatoren nicht viel anfangen kann.

Nach dem letzten Spiel der Brasilianer hätte ich einen deutlich härteren Körpereinsatz erwartet, zumal es ja um ziemlich viel ging. Ich war angenehm überrascht, dass es auf dem Platz doch verhältnismäßig zivilisiert zuging. Der Schiedsrichter wirkte souverän und kam mit nur einer einzigen gelben Karte aus.

Beeindruckend fand ich (nicht nur heute) die Arbeit der Torhüter. Manuel Neuer spielt für fünf, und die sieben Bälle im brasilianischen Tor lagen ganz sicher nicht daran, dass Júlio César seine Arbeit nicht anständig erledigt hätte.

Bemerkenswert fand ich zu sehen, wie die Motivation des brasilianischen Teams nach den ersten Toren komplett zusammenbrach. Sie hatten sich aufgegeben, und ich hatte nicht den Eindruck, dass der Trainer es während der Halbzeitpause geschafft hätte, dem Team nochmal ein Ziel mitzugeben, für das es sich zu kämpfen lohnt. Die zweite Halbzeit wirkte denn auch mehr wie ein Freundschaftsspiel. Die deutsche Mannschaft schonte sich und spielte mit dem Ball, während der Gegner offensichtlich nicht nach dem Motto »Wir haben nichts zu verlieren« agierte. Ich hätte zumindest erwartet, dass sie versuchen würden, den Abstand auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Vielleicht hatten sie sich aber bereits darauf eingestellt, die Kräfte für das Spiel um den dritten Platz aufzuheben.

Sehr unangenehm fand ich, dass die Brasilianer sich auf einen ihrer eigenen Spieler mit Schmährufen eingeschossen hatten. Für jeden Spieler auf dem Platz gilt die “Prime directive”, nämlich dass er versucht, das beste zu geben, was er in dem Moment geben kann. Jeder der Buhrufer möge sich einfach selbst auf den Platz stellen und es besser machen. Letztlich aber waren sie gute Verlierer und die deutschen gute Gewinner.

Schade war das Interview mit Per Mertesacker. Da haben wir schon spannendere gesehen :) .

Am Fußball stört mich nicht der Sport, sondern die Rahmenbedingungen. Erstens wäre der damit einhergehende Partiotismus bzw. Nationalismus zu nennen. Das habe ich schon in meiner Jungend nicht verstanden, als auf dem Platz beim Spiel von Dorf A gegen Dorf B die jeweiligen Anhänger geneneinander pöbelten. Die Verträge im Profifußball sind internationaler Natur. Warum vor dem Spiel Nationalhymnen abgespielt werden und dann noch genau darauf geachtet wird, wer mitsingt und wer nicht, erschließt sich mir nicht. Zweitens stört mich der enorme Kommerz rund um die Spiele. Um die Spiele (und deren Inhalt) scheint es nur am Rande zu gehen. Auch dieses Mal wird die Siegerehrung und die Fete nach dem Endspiel wieder in Rekordzeit über die Bühne gehen. Und nicht zuletzt scheinen mir die Gepflogenheiten innerhalb der verschiedenen Verbände nicht immer auf Fairness zu basieren. Ob der ein oder andere Vorgang eine Vorbildfunktion übernehmen kann, wage ich zu bezweifeln. Wobei das natürlich davon abhängt, was man für Zielvorstellungen hat.

Das soll mal als Kommentar eines Außenstehenden reichen. Es ist ohnehin nur dem derzeit regnerischen Wetter geschuldet :) .