Automobiltechnik, die mich nicht begeistert

Kürzlich hatte ich für eine Fahrstrecke von rund 700 km über Stadtmobil einen VW Golf gebucht. Wenn man kein eigenes Fahrzeug unterhält, an das man sich gewöhnen kann, sondern immer wieder unterschiedliche Fahrzeuge nutzt, fällt es besonders auf, wenn man nicht intuitiv und spontan zurechtkommt.

Telefon

Mein Telefon wollte ich mitnichten an die Bordelektronik koppeln – weder wollte ich telefonieren, noch wollte ich Musik hören. Unangenehmerweise hatte der Vorbucher selbiges genutzt. Das Fahrzeug suchte daher verzweifelt erst nach diversen Geräten von Vorbuchern (die ich persönlich nicht kenne) und anschließend nach einer Reihe von Standardgeräten. Die Anzeige zwischen Drehzahl- und Geschwindigkeitsmessgeräten liegt dummerweise ziemlich zentral, weshalb die ständigen Wechsel der Meldungen extrem vom Verkehrsgeschehen ablenken.

Somit ist man versucht, die Meldung loszuwerden. Das ist mir teilweise gelungen. Im Armaturenbrett findet sich eine große Schalkfläche, die mit “Phone” beschriftet ist. Nach einigem Herumgeklickere ist es mir zwar nicht gelungen, den Wagen davon zu überzeugen, sich überhaupt nicht für irgendwelche Telefone zu interessieren, aber immerhin habe ich es durch Abschalten der Bluetooth-Konnektivität geschafft, dass die Anzeige einen statischen statt einen dynamisch wechselnden Text anzeigt. Das ist doch schomma was.

Ich habe allerdings keine Ahnung, ob diese Anzeige jetzt die nächsten fünfzehn Lebensjahre des Fahrzeuges verbleiben wird. 15 Jahre, in denen sich der Bluetooth-Standard sicher ändern und diese Einrichtung voraussichtlich unbrauchbar machen wird.

Geschwindigkeitsregelanlage

Ich bin ein großer Freund des Tempomats. Er hilft Treibstoff und Knöllchen sparen. Da Tachometer qua gesetzlicher Anforderung eher vor- denn nachgehen, stellt man natürlich gerne etwas mehr ein als das Hinweisschild anzeigt. Statt 80 km/h also 85 und statt 100 km/h 108. Wobei diese Maßnahme der Drängelei der nachfolgenden Verkehrsteilnehmer keinen Abbruch tut, aber das nur am Rande.

In einem Golf kann die Einheit schonmal aus einigen nützlichen Steuerelementen am Lenkrad bestehen, die zusätzlichen Geber wie Gas- und Kupplungspedal nicht mitgerechnet. Im Lenkrad finden sich 7 (in Worten: sieben) Bedienelemente. Wobei die Plus- und Minustasten doppelt belegt sind und zudem unterschiedlich reagieren. Macht also schon 9. Die Lernkurve ist somit recht steil. Eine intuitive Bedienung ist nicht gegeben.

Besonders die Plus-Minus-Regler machen mir zu schaffen. Denn sie verhalten sich unterschiedlich. Kurzes Drücken regelt die Zielgeschwindigkeit in Zehnerschritten. Fein. Langes Drücken regelt die Zielgeschwindigkeit in Einerschritten. Auch fein. Gewöhnungsbedürftig ist, dass der Vorwärtsregler sich unterschiedlich verhält. Bei den Zehnerschritten wird zur Zielgeschwindigkeit hinzuaddiert. Fein. Bei den Einerschritten wird jedoch zur Momentangeschwindigkeit hinzuaddiert. Die zuvor in Zehnerschritten angepeilte Zielgeschwindigkeit springt also wieder komplett auf die Momentangeschwindigkeit zurück. Das überraschte mich.

Ferner regelt die Anlage nicht tatsächlich die Geschwindigkeit. Wenn ich auf der Landstraße mit 100 fahre und dreimal die Minustaste drücke, dann bremst ein Audi tatsächlich auf 70 km/h herunter. Sehr schön. Ein Golf mit 9 bzw. 11 Steuerelementen jedoch nicht. Insofern ist eines der Hauptnutzungsszenarien, nämlich das Vermeiden von Strafzetteln, nicht gegeben.

Reifenluftdrucksensoren

Kürzlich hatte ich den Firmenwagen zwecks Reifenwechsels in der Werkstatt. Die Gelegenheit war günstig, denn der Wagen erinnerte mich seit einigen Tagen bei jedem Einschalten der Zündung an den anstehenden Service, und die Frontschutzscheibe war durch einen Steinschlag lädiert.

Nach dem Abholen meldete der Wagen auf dem nächsten Weg zum Kunden einen Druckverlust. Ich habe also die Autobahn verlassen und den Druck geprüft. Alles in Ordnung eigentlich. Also neuen Termin vereinbart. Nicht ganz ohne Überheblichkeit bekam ich dann gezeigt, wie ich den derzeitigen Wert als Referenzwert im Wagenrechner hinterlegen kann. Hätte ich den Reifenwechsel selbst durchgeführt, wäre das sicher meine Aufgabe gewesen. Aber so? Naja…

Von der Lust, selbst ein Fahrzeug zu kaufen

Vorhin las ich in einer Nachrichtenmeldung, dass im Vergleich zu den 90er Jahren heute viel mehr Fahrzeuge von Firmen als von Privatpersonen zugelassen würden. Das wundert mich nicht. Die heutigen Fahrzeuge sind übersät mit Funktionen, Schaltern, Knöpfen und Displays, deren Bedienung mich schlicht und ergreifend nur nervt. Meinem Firmenwagen würde ich beispielsweise gerne abgewöhnen, das Radio bei jedem Starten automatisch einzuschalten. Trotz mehrmaligem Geklickere in den Fahrzeugmenüs habe ich es nicht hinbekommen. Das mag meiner Faulheit, das Wagenhandbuch zu lesen, geschuldet sein. In Zeiten von Smartphone und Apps möchte ich sowas jedoch ohne Lesen der Dokumentation hinbekommen können.

Ich habe das Gefühl, dass wir in der Softwareentwicklung trotz Smartphones noch immer einen weiten Weg vor uns haben, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und tatsächlich das zu schaffen, was wir gerne mit dem englischen Begriff »Value« zu umschreiben versuchen.

Ich bin dankbar darum, über Stadtmobil so viele verschiedene Fahrzeuge nutzen zu können. Keines davon überzeugt mich, und meine Lust, selbst eines zu kaufen, tendiert gegen null.