Grundlagen der Polyrhythmik

Jacquard-pattern

Vor kurzem habe ich darüber geklagt, wie schlecht es um die Rhythmik im europäischen Kulturraum bestellt ist. Dabei bereichert speziell die Polyrhythmik die Musik durch äußerst interessante Facetten. Ein Polyrhythmus unterscheidet sich übrigens von einer Polymetrik.

Die Wikipedia beschreibt einen Polyrhythmus folgendermaßen:

Ein Polyrhythmus ist eine Schichtung von Rhythmen von gleicher Gesamtdauer

Man stelle sich eine Gruppe von Soldaten vor, die im Gleichschritt marschiert. Jetzt denkt man sich eine zweite Gruppe hinzu. Beide beginnen den ersten Schritt gleichzeitig. Die Vergleichsgruppe jedoch nimmt schnellere, dafür aber entsprechend verkürzte Schritte, so dass beide Gruppen nach n Schritten der ersten und m Schritten der zweiten Gruppe wieder gleichzeitig auf dem Boden auftreten, während sie die gleiche Strecke zurückgelegt haben.

Für n und m lassen sich Zahlen einsetzen wie 2 und 3, 4 und 5, 4 und 7 oder Ähnliches. Überträgt man das Prinzip auf die Musik, kann man zwei Stimmen eines Stückes in unterschiedlichen Rhythmen laufen lassen, die sich an bestimmen Synchronisationspunkten (am Taktende) jeweils wieder treffen. Ein geübter Pianist spielt beispielsweise mit der linken Hand den Grundrhythmus auf der Basis von n und mit der rechten die Improvisation auf der Basis von m Schlägen. Hier ein Beispiel John Coltranes »Giant Steps«.

Für die meisten Hobbymusiker klingt das mindestens kompliziert, wenn nicht sogar gruselig. Das gilt auch für mich, denn ich habe erst vor kurzem angefangen, mich der Thematik zu nähern. Folgende Quellen nutze ich im Moment:

Das Buch mit CD von Peter Magadini ist für mich im Moment die beste Grundlage. Die Audiobeispiele sorgten für etliche “Aha”-Effekte. Zudem ist es unabhängig vom tatsächlich genutzten Instrument zu verwenden.

Mathematisch gesehen ist die Sache eigentlich recht einfach, wie man in obigem Video von Peter auf der Tafel sehen kann. Die Ausführung jedoch fällt schwer. Selbst wenn man sich darauf beschränken möchte, die beiden Grundmetren gleichzeitig im Kopf ablaufen zu lassen, ist es schwer genug. Und spannend wird die Sache eigentlich erst, wenn man in der Lage ist, die beiden Metren jeweils weiter zu unterteilen.

Es ist übrigens egal, ob man von 3 gegen 2 oder 3 über 2 spricht. Ich bevorzuge allerdings letztere Variante. Ferner ist 6 über 4 das selbe wie 3 über 2 oder auch 1½ zu 1.

Mein Ziel ist es erstmal, einen 3 über 2 und einen 5 über 4 sicher zu verinnerlichen. Schon das alleine wird einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Dazu habe ich in einer Sequencersoftware einfache MIDI-Tracks erstellt, so dass ich einen 3 über 4, 5 über 4, 6 über 4 und 7 über 4 zum Üben endlos laufen lassen kann.