Temperaturen im Laufe der Zeit

800px-Cembalo_universale_Tastatur

Unser heutiges Tonsystem, das eine Oktave in 12 Halbtonschritte unterteilt, ist nicht perfekt. Seit langer Zeit versuchen die Erbauer von Instrumenten mit festgelegten Tonschritten (Tasteninstrumente, Saiteninstrumente mit Bünden), die Götter des pythagoräischen bzw. syntonischen (bzw. didymischen) Kommas durch verschiedene Stimmungssysteme (manchmal auch mechanisch durch Subsemitonien, also mehr als 12 Tasten pro Oktave, beispielhaft zu sehen an der Tastatur der Waller Kirche oder der Rekonstruktion einer norddeutschen Barockorgel in Örgryte, Göteburg) zu überlisten.

Gleichstufige Stimmung

Die meisten Instrumente werden heute (bekannt seit Ende des 19. Jahrhunderts) in der gleichstufigen Stimmung gestimmt. Die Oktaven sind rein und werden in zwölf gleich große Halbtonschritte von 100 Cent unterteilt. Die Quinten sind nur geringfügig (1/12 Komma) verstimmt, was allerdings durch eine stärkere Unreinheit der Terzen (2/3 Komma) erkauft wird.

Es resultieren Instrumente, auf denen alle Tonarten gleichermaßen “unsauber” klingen. Die Tonarten weisen somit aber auch keinen individuellen Charakter mehr auf. Dafür kann man gut Musik spielen, die innerhalb eines Stückes mehrere Tonarten durchläuft, was speziell im Jazz häufig der Fall ist.

Alternative Bezeichnungen sind gleichtemperierte oder gleichschwebende Stimmung, gleichschwebende Temperatur, englisch Equal Temperament oder 12-tone equal temperament.

Wohltemperierte Stimmung

Es handelt sich bei der wohltemperierten Stimmung um eine Erweiterung der Mitteltönigen Stimmung. Bekannt sind seit Ende des 15. Jahrhunderts beispielsweise eine Reihe von Stimmungen von Andreas Werckmeister, von denen Werckmeister III am bekanntesten sein dürfte. Der Quintenzirkel wird dabei ohne Wolfsquinte geschlossen, wobei die Quinten allerdings gezielt unterschiedlich sauber gestimmt werden. Es entsteht (im Unterschied beispielsweise zu Johann_Georg_Neidhardt 1706) eine deutlich ausgeprägte Tonartencharakteristik. Gebräuchlich ca. 1700-1870.

Englisch: Well temperament.

Mitteltönige Stimmung

Die mitteltönige Stimmung war von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert (Blüte ca. 1550-1750) eine verbreitete Stimmung für Tasteninstrumente mit vielen reinen großen Terzen sowie gleichgroßen Ganztönen und resultiert in einer fast reinen Stimmung – allerdings nicht für alle Tonarten.

Mit einer mitteltönigen Stimmung lassen sich beispielsweise Orgelwerke von Dietrich Buxtehude authentisch wiedergeben.

Alternative Bezeichnungen sind Praetorianisch oder englisch Meantone.

Reine Stimmung

Die reine Stimmung findet sich in Renaissance sowie Barock und nutzt für die Intervalle Frequenzverhältnisse kleiner ganzer Zahlen. Der Klang ist schwebungsfrei und nutzt neben den reinen Oktaven und Quinten der pythagoräischen Stimmung reine große Terzen. Allerdings gibt es dadurch zwei Arten von Ganztönen in den Frequenzverhältnissen 9/8 und 10/9, die zusammen eine reine große Terz ergeben.

Alternative Bezeichnungen sind natürliche oder harmonische Stimmung, englisch “Just Intonation”.

Pythagoräische Stimmung

Die pythagoräische Stimmung findet sich im Mittelalter (ca. 850 bis ca. 1550) und bietet reine Oktaven und Quinten.

Referenzen

orgel-info.de
organduo.lt
Wikipedia