??????? ???? ???!

Im Moment beherrscht, vollkommen zu Recht, die Griechenland-Krise das politische Tagesgeschehen. Alle warten auf das morgige Referendum, in dem die Griechen über etwas abstimmen sollen, das wohl kaum jemand versteht.

In den vergangenen Wochen ging es vorrangig um die Verhandlungen der Troika mit der jungen griechischen Regierung. Vor allem in den letzten Tagen ging es fast nur noch um die Ereignisse, die sich nahezu im Stundentakt zutrugen.

Was mir in der Diskussion komplett fehlt ist der europäische Ansatz. Wir alle haben zusammen ein hartes Problem, das es zu lösen gilt. Die Berichterstattung jedoch hilft nicht dabei, das Problem zu verstehen, geschweige denn Lösungsansätze zu diskutieren.

Die Griechen haben sich zu Beginn des Jahrtausends der Gemeinschaftswährung angeschlossen. Dabei haben sie eventuell ein wenig geschummelt.

Ferner ist der griechische Staat überschuldet. Offensichtlich wurde über einen längeren Zeitraum mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Wir müssen also die Ausgaben- und die Einnahmeseite zu betrachten. Wo gibt der Staat viel Geld aus? Wo gehen dem Staat Einnahmen verloren? Was kann der Staat tun, um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Wirtschaft im Vergleich zu den anderen Staaten zu steigern?

Im Moment liegt die griechische Wirtschaft darnieder. Der internationale Zahlungverkehr ist extrem eingeschränkt, weshalb die Gewerbetreibenden vor Ort kaum mehr Einkäufe tätigen können. Den Banken geht das Geld aus, und die Auszahlung der maximalen Tagesration von 60 bzw. 50 € an die Bürger ist nicht mehr gewährleistet. In der Versorgung haben sich die ersten Engpässe ergeben.

Liebe Mitbürger in der europäischen Union, für mich steht fest: Griechenland gehört geographisch, politisch und wirtschaftlich unzweifelhaft zur europäischen Union. Dazu gibt es keine Alternative. In einer echten Gemeinschaft hilft man sich gegenseitig. Das ist vor allem im Moment, in dem in Ungarn Zäune errichtet und in Großbritannien neue Regeln der Zusammenarbeit gefordert werden, das Gebot der Stunde.

Was bedeutet das? In einem guten Team wird man sich gegenseitig fördern – und gleichzeitig auf konstruktive Weise fordern. »Wir helfen Dir, aber Du musst Dich auch anstrengen.«. In einem guten Team findet so etwas in gegenseitigem Respekt statt. Im Konfliktfalle ist es im Sinne des Konstruktivismus entscheidend, dass sich die Parteien voll und ganz in das Gegenüber hinein versetzen, damit ein gegenseitiges Verständnis entsteht, das zur Konfliktlösung beiträgt.

Die Zeit titelt passend dazu in N° 27 vom 2. Juli 2015 zweisprachig (online auch englisch): »Bleibt bei uns!«. Würden sich die Griechen morgen gegen den Wunsch ihrer Regierung stellen, sie würden dadurch uns alle klar in die Pflicht nehmen, die Probleme gemeinsam zu lösen.

Danach sieht es allerdings im Moment nicht aus.