Die Omnipräsenz der Analogsynthesizer

Die Elektronik hat in den vergangenen 50 Jahren eine rasante Entwicklung hinter sich gebracht. Nach den 70er Jahren machten sich Digitalsynthesizer, die mit FM oder Samples umgehen konnten, breit. Bereits in den 90ern allerdings, befördert duch den Sigeszug elektronischer Popularmusik, erlebten die alten Analoggeräte eine Renaissance, und verschiedene Hersteller brachten ihre VA-Geräte (also digitale Emulationen analoger Synthesizer) auf den Markt.

Trotz immer leistungsfähigerer Hardware und immer ausgefeilterer Rechenregeln wurden in den letzten fünfzehn Jahren immer wieder auch Analoggeräte auf den Markt gebracht. Interessanterweise mischen auch die frühen Pioniere wieder kräftig mit. Es entstanden neue Instrumente oder Reinkarnationen legendärer Geräte. Im Vergleich zu digitalen Geräten sind sie anfälliger, können recht wenig und sind oft auf Monophonie (oder bestenfalls “Paraphonie”) beschränkt. Was macht den Reiz der Geräte aus?

Zum einen leistet sicher die einfache Bedienung einen Beitrag. Oft finden sich fast alle Parameter mit einem dedizierten Bedienelement auf dem Bedienpult wieder. Das Gerät lädt dazu ein, mit dem wenigen, was man hat, zu experimentieren, statt sich in den unendlichen Weiten eines Paramaterwaldes zu verlaufen.

Zum anderen haben die Geräte vor allem eines – Charakter. Den haben natürlich auch Digitalgeräte zu bieten. Aber eben gefühlt lange nicht so ausgeprägt. Ein Access Virus bietet beispielsweise unterschiedliche Filtersaturationskurven, und man kann ihn damit so richtig schön “zum Singen” bringen. Aber die Ruppigkeit eines MS-20-Filters erreicht man damit nicht.

Keyboards 02/03 2015 widmet sich passend dazu ganz dem Thema »Retro Analogue«. Hier eine unvollständige Auflistung einiger interessanter Kisten:

  • Minimoog Voyager. Anfang der 2000er vom Gottvater der Kompaktsynthesizer persönlich als Reinkarnation des originalen Minis entwickelt.
  • Moog Sub37. Wird gelegentlich als der eigentliche Nachfolger des Minimoog bezeichnet. Er klingt anders und weist ein anderes Featureset als der Voyager auf. Nach wie vor klingt er aber ganz nach Moog. Fast alle Parameter sind direkt über die Frontplatte erreichbar, weshalb das Display auch ganz bescheiden links oben statt in der Mitte sitzt. Leider stellen die Werkspresets sehr wenige Lead- und Bassklänge zur Verfügung, sondern setzen stark auf den (zugegebenermaßen sehr leistungsfähigen) Arpeggiator bzw. Sequencer. Aber wer braucht bei einem solchen Gerät schon Presets?
  • Xenophone Hypersynth. Yo. Der Hammer. Ich habe das Teil kürzlich im Laden hören können. Ein Glücksfall. Der Sub37 bietet einen artig klingenden Multidrive und keine Effekte. Der Hypersynth bietet einen Verzerrer mit verschiedenen Kennlinien und digitale Effekte. Der kann richtig schmutzig. Sehr geil. Die Wahl zwischen Sub37 und Hypersynth wird jedenfalls niemandem leicht fallen. Eigentlich will man beide haben :) .
  • Modor NF-1. Bietet “Pulsweitenmodulation” für Sägezähne und Dreiecke, ganz ähnlich dem Korg Z1. Gefällt mir gut.
  • Korg MS-20 in verschiedenen Ausführungen. Das Teil kann wirklich ruppig. Ich persönlich komme aber mit der Architektur (Verhalten der Hüllkurven, Patch Panel) nicht richtig gut zurecht. Das liegt aber an meiner Konditionierung.
  • ARP Odyssey von Korg. Die Überraschung überhaupt. Nicht mein Ding. Keine Speichermöglichkeit, zu kleine Tasten, keine Anschlagsdynamik, und mit allen Anfälligkeiten des Originals. Aber dennoch von Korg einfach der Hammer, der sich einiger Beliebtheit erfreut.
  • Mutable Instruments Shruti (seit Juni 2015 nicht mehr erhältlich).
  • Dave Smith Instruments Pro 2. Ich persönlich mag den Klang der Propheten mit den digitalen Oszillatoren nicht so gerne. Klingt irgendwie nach DSP. Ist aber persönlicher Geschmack.
  • Roland JD-XA. Ein Hybridgerät.
  • Dreadbox Murmux. Der Grieche unter den Synthesizern.
  • Tom Oberheim SEM.
  • MFB Dominion 1.
  • Arturia MiniBrute.
  • Vermona PerFourMer MKII.

Somit hat man heute bei der Wahl eines Analogsynthesizers wieder die Qual der Wahl. Der damit einhergehende Stress ist negativ, die Auswahl an Klängen positiv zu beurteilen :) .