Der Olymp der Gastfreundschaft

Die Zeit führte die Leseraktion »#PostcardFromGreece« durch. Die herzliche Gastfreundschaft (die teilweise natürlich auch ökonomischen Zwängen geschuldet sein mag) ist tatsächlich schlicht beeindruckend. In anderen mediterranen Ländern wird man im Restaurant ständig gefragt, ob man nicht noch was bestellen möchte. In Griechenland kann man stundenlang vor einem leeren Glas sitzen, ohne belästigt zu werden. Sobald man sich aber regt, wird sofort jemand zur Stelle sein. Die Griechen sind aufmerksam, aber eben nicht aufdringlich.

Auch ist es vollkommen normal, dass man nach dem Essen noch eine Kleinigkeit als Nachtisch bekommt, die nicht auf der Rechnung auftaucht. Bei meinem Besuch auf Rhodos wurde ich zusätzlich gefragt, ob ich noch einen Mokka haben wollte. Auch der stand später nicht auf der Rechnung.

Es geht nicht darum, dass man etwas umsonst bekommen hat. Es geht darum, dass die Gewerbetreibenden vor Ort den Besuchern nicht das Gefühl geben, dass es darum ginge, ihnen möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen. In touristischen Zentren drängt sich Lokal an Lokal. Beim Vorbeilaufen springt aus jedem Betrieb ein Kellner heraus und versucht die Passanten in sein Lokal zu lotsen. Wer sich hier aufhält ist selbst schuld, denn er lässt sich den wahren Reiz der Urlaubsdestination entgehen.

Im Urlaub bin ich gerne dort. Der Grieche an sich ist recht entspannt (weshalb ich dort nicht arbeiten möchte) und arbeitsam (die Griechen arbeiten überdurchschnittlich viele Stunden am Tag), aber leidet unter verschiedenen wirtschaftlichen Problemen (die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden steht scheinbar in einem schlechten Verhältnis zum Ergebnis, aus welchen Gründen auch immer).

Das derzeitige Hilfspaket ist wahrscheinlcih tatsächlich ein Fehler für alle Beteiligten. Die Griechen müssen früher oder später darüber nachdenken, wie sie ihre Gesellschaft (um)gestalten wollen. Das Hilfspaket nimmt das Dringlichkeitsgefühl weg. Andererseits gehören die Griechen zu Europa. Sie hinauszudrängen hätte für alle Beteiligten unabsehbare negative Konsequenzen. Das zusammenzubringen ist sicher keine leichte Aufgabe.