Die Formbarkeit der Erinnerung

Die Zeit erinnert in einem Artikel mit dem Titel »Fragile Spuren« daran, wie unzuverlässig unser Erinnerungsvermögen ist. Als Anhänger des radikalen Konstruktivismus‘ fügt er sich gut in mein ganz persönliches Weltbild ein :) .

Besonders beeindruckend ist, dass sich die Erinnerung an Begebenheiten “synthetisieren” lässt, wie durch das Experiment von Elizabeth Loftus ab dem vierten Absatz auf der zweiten Seite des Artikels beschrieben ist. Auch erinnere ich mich beim Lesen des Artikels unmittelbar an die wundervolle »Anleitung zum Unglücklichsein« von Paul Watzlawick, die ich zur Auffrischung mal wieder lesen sollte, denn meine Erinnerung an den Inhalt des Buches hat sich mittlerweile gewandelt, wie ich soeben feststelle.

Als agile Überzeugungstäter handeln wir nach dem Prinzip des “Inspect & Adapt“. Wir setzen auf Werte wie Vertrauen, Offenheit und Respekt. Deshalb war die Lektüre der Bücher Watzlawicks für mich so wichtig. Ich respektiere, dass jeder Mensch seine Beobachtungen anders verarbeitet. Ich respektiere, dass ein und das selbe Problem verschiedene Gesichter hat. Ich respektiere, dass meine Sicht auf die Dinge garantiert nicht die einzig richtige ist. Und nach der Lektüre des obigen Artikels respektiere ich auch, dass Menschen Dinge erzählen können, die vielleicht synthetisiert sein mögen, für sie selbst aber die Wahrheit – und nichts als die Wahrheit – darstellen.

Und ich respektiere, dass sich Richter irren können. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass es so selten wie möglich passieren möge.