Markus Uhl am Weißenburger Instrument

Heute Nachmittag spielte Markus Uhl die Vesperale an der Dubois-Orgel in Weißenburg.

Als ich das “bachlastige” Programm sah war ich ein wenig enttäuscht, denn das Instrument französischer Bauart eignet sich hierfür nicht sonderlich gut. Wir wurden eines besseren belehrt. Um es mit den Worten des Moderators zu sagen: Markus Uhl hat uns verwöhnt. Da passte einfach alles. Spieltechnik, saubere Rhythmik mit genügend Elastizität wider die automatenhafte Wiedergabe, Gefühl für die Musik bzw. die Stücke, und nicht zuletzt eine beeindruckende Registrierung durch die alle Stimmen sauber durchkamen. Der Mann weiß, was er kann. Das drückte sich unter anderem dadurch aus, dass er auch nicht vor der Triosonate zurückschreckte und ferner eine barocke französische Messe als Improvisation spielte. Auch hier passte alles – Registrierung, Rhythmik (inklusive Notes inégales), Stil.

Wahnsinn. Hier das Programm:

  • Johann Sebastian Bach – Prélude en Sol Majeur (BWV 541.1)
  • Johann Sebastian Bach – Sonate en Ut Majeur (BWV 529) – Allegro, Largo, Allegro
  • Markus Uhl – Suite française improvisée sur le thème «Wer nur den lieben Gott lässt walten»
    1. Plein Chant (ein Plein Jeu, jedoch mit Trompette als Cantus Firmus im Pedal)
    2. Trio
    3. Duo
    4. Tierce en taille
    5. Basse de trompette
    6. Flûtes
    7. Grands Jeux
  • Wolfgang Amadeus Mozart – Œuvre pour orgue mécanique – Andante en Fa Majeur
  • Johann Sebastian Bach – Fugue en Sol Majeur (BWV 541.2)

Das war auf jeden Fall eines der besten, wenn nicht gar das beste Konzert dass ich in den vergangenen fünf Jahren an dem Instrument gehört habe. Und plötzlich klingt auch ein Bach wieder erfrischend, spannend und inspirierend. Somit wird es Zeit, dass ich mir auch mal einen “draufschaffe”. Es war schlicht kein Vergleich zu den Darbietungen auf deutschen gleichschwebend gestimmten Instrumenten aus den 1970er Jahren mit nahezu perfekt konstantem Luftdruck. Die Bach’schen Orgelwerke sind wirklich toll, vor allem wenn sie nicht “abgewetzt” daherkommen.

Herzlichen Dank an Markus Uhl. Schön dass es solche Musiker gibt.

Das Regal

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Neben dem Portativ findet sich unter den älteren Tasteninstrumenten auch das Regal. Den Klang hat man vielleicht schon eher mal gehört. Hier die Passacaglia in d von Johann Caspar Kerll, gespielt von Carsten Lorenz, Rottweil, oder »Fabordon del Quinto tono« von Antonio Cabezon, gespielt von Lynn Tabbert auf einem Instrument von Marcus Stahl (beide Dresden), oder ein Stück von Facoli gespielt auf einem Tischregal nach Dom Bedos.

Hier ein Zitat von Johann Mattheson:

…und ist recht Wunder, dass man hiesiges Ortes die schnarrenden, höchst ekelhaften Kegalen in den Kirchen noch beibehält…

In barocken Orgeln findet man gelegentlich entsprechende Regalregister. Hier ist ein Autor der Meinung:

Das in der Renaissance aufgekommene Brustwerk ist ideengeschichtlich ein an die Orgel angebautes Regalwerk, daher findet sich das Regal bis zum Barock vornehmlich im Brustwerk

Mit Regalen lässt sich allerdings nicht nur traditionelle Musik spielen, wie diese Aufnahme von Scotty Böttchers aus diesem Jahr eindrucksvoll belegt.

Das Portativ

Portativ

Sofern überhaupt dürften die meisten diesen Instrumententyp nur von mittelalterlichen Abbildungen her kennen. Noch seltener wird man es auch hören können, wie beispielsweise das Stück O Gloriosa Domina aus dem Buxheimer Orgelbuch, gespielt von Ernst Stolz.

An größeren Orgeln kann man, im Gegensatz zum Pianoforte, einzelne Töne bauartbedingt nicht in der Dynamik beeinflussen. Umso beeindruckender ist es, wie dynamisch das Portativ klingen kann, indem der Spieler durch das manuelle Betätigen des Balges den Luftdruck variiert. Christophe Deslignes bringt hier den Dynamikumfang auf einem Instrument von Marcus Stahl sehr beeindruckend zur Geltung. [1]

Die Instrumente werden auch andernorts noch gebaut, wie beispielsweise von Stefan & Annette Keppler (wolkenstayn.de). Der Deutschlandfunk stellte hierzu am 24.01.2014 einen Artikel ins Netz. Ganz besonders interessant finde ich als Fusion-Fan natürlich die “BlackEdition“,

Vorbereitet für spezielle Mikrofonierung mit Vorverstärker, Effektgerät und Funkstrecke. LED-Beleuchtung nach Wahl.

die mich sofort an die Stromharfe von Rüdiger Oppermann denken lässt :) .

[1] Das Stück erinnert mich an »Jewel Inside A Dream«, gespielt von Jan Hammer und Al DiMeola auf dem Album »Electric Rendezvous« im Jahre 1981.

Neulich, als es auf einem Konzert mit Hiromi nicht nur musikalische Berieselung gab…

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Der Veranstalter gab sich alle Mühe, den Abend zu retten, musste aber doch letztendlich aufgeben:

  • Christian Scott saß mit seinen Musikern mehrere Stunden in einem Flugzeug fest, weshalb Hiromi entgegen der ursprünglichen Planung zuerst spielen sollte.
  • Anthony Jackson war wohl erkrankt, so dass Hiromi nicht im Trio mit Simon Phillips, sondern solo auftrat.
  • Bereits vor Beginn des Konzertes gegen 19:30 h gingen in den benachbarten Tälern beeindruckende Gewitter nieder. Gegen den einsetzenden leichten Regen verteilte der Veranstalter Kunststoffüberhänge.
  • Gegen 20:30 h kamen die Gewitter zurück, so dass die Veranstaltung abgebrochen werden musste. Von Bad Dürkheim bis Karlsruhe regnete es durchgehend, teils aufs Heftigste.

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Dennoch war ich schwer beeindruckt. Ich hatte HIromi noch nie solo am Klavier gehört. Was sie an Rhythmik, Harmonik, Stilistik und Dynamik zu bieten vermag – sowas habe ich noch nicht gehört. Der absolute Hammer.

Der Sommer 2016 wird wohl aber eher nicht als “schönster Sommer dieses Jahres” in die Geschichtsbücher eingehen.

Rheingold – Ein Meisterwerk von Rüdiger Oppermann

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Neben den Klangwelten gibt es von Rüdiger Oppermann auch Sonderprojekte wie die »Reise in die Anderwelt – The Brendan Voyage«. Dieses Jahr ist er mit dem Projekt »Rheingold« auf einem Schiff auf Rheintournee.

Wetterbedingt hat die Gruppe heute nicht auf dem Schiff, sondern in der Tullahalle in Maximiliansau gespielt. Die Akustik war super, und das Konzert zumindest mit das Beste, was ich von Oppermann bisher mitbekommen habe.

In den nächsten Tage finden weitere Stationen den Rhein hinab statt. Wer Oppermann kennt und schätzt, wird auf jeden Fall auf seine “Kosten” kommen. Und das liegt nicht zuletzt am gewaltigen Arsenal an Musikinstrumenten, das zum Einsatz kam.

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Das einzige, was ich vermisst habe, war “The red one“, die kleine rote Harfe, die er gerne mal an den Verzerrer hängt :) .

Dubois organ in Wissembourg – Vespers continued in 2016

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For the fifth summer, organ vespers take place each sunday at 5 PM at the Dubois organ of 1766 (yes, we celebrate its 250th birthday this year) in Wissembourg. Some of the concerts start an hour earlier, like the one last sunday with 2 organ players and a percussionist.

Until now, all of this years concerts have been performed by outstanding musicians who make it difficult for me to catch up. Or the other way around, I accepted the challenge :) .

Two incarnations of an analog dream

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At winter Namm 2016 Tom Oberheim and Dave Smith rather surprisingly released the OB-6, a six voice polyphonic analog synthesizer with a 4 octave key bed. Some immediately requested for a desktop module, and yesterday it “suddenly” appeared.

A couple of weeks ago I was allowed to play the OB-6 at the local trumpet store (last year I played the Sub 37) and I was quite impressed. During the last couple of years, after many years working with digital synths stuffed with plenty of parameters, I learned that a good piece of analogue craftsmanship with a limited set of features can overrule the digital ones at least when it comes to traditional subtractive sounds. I hope I can play the Minimoog Model D as soon it is available for resellers.

Playing the Dubois organ for some family members

Yesterday, after three times of practicing, I was allowed to play the Dubois organ for some family members. Taking the usual glitches and inaccuracies aside, I got the program played rather well, except the Basse de Cromhorne, where I didn’t manage to play the many eights reliably.

As a result of what I achieved so far, the next steps are:

  • Gain reliability. I’m still making too many faults.
  • Gain (rhythmic) precision. This is key for a joyful user experience.
  • Pay more attention to articulation. This can almost automatically be achieved by the aforementioned points.
  • Broaden the repertoire. Currently I can just play a fistful of pieces.

During the last nine months since I restarted to play pipe organs, I learned plenty of things. Last but not least, my left hand playing did profit from the french baroque music I’m currently playing. It’s a really rewarding hobby.

Playing a french baroque pipe organ

Today I was allowed to practice the baroque Dubois organ at Wissembourg, built 1766 (which means it recently celebrated its 250th birthday).

The console of the instrument is a feast for the eyes, and it sounds absolutely overwhelming. Four hours passed in the blink of an eye.

Two minor issues caused that I was unable to play the pieces fluently. Firstly (and foremost), the pedalboard is relatively small, so I cannot use techniques like heel-toe-playing. I was unable to play eigth notes accurately with the toes alone. The second issue was the strong pressure point of the great organ. Typical french pieces (like Plein Jeu or Grand Jeu) additionally require to couple both manuals, so both pressure points are summed. The Grand Jeu I was playing includes 16th notes and was annotated to be played “Gayement” – which translates to something like “agile”. Tough stuff!

Additional to those great learnings, those four hours were some of the greatest since I play musical instruments. More of it :) !

Here’s what I’m currently playing:

  • Michel Corrette (1707 – 1795) – Premier Livre d’Orgue, Suite du IIe Ton (1737) – Concert de Flûtes
  • Abraham van den Kerckhoven (1618 – 1702) – Fantasia en do
  • Jean Babtiste Lully (1632 – 1687) – Ritournelle (Récit de Cornet)
  • Jean Babtiste Lully (1632 – 1687) – Rondeau (Dialogue sur les Flûtes)
  • Louis-Nicolas Clérambault (1676 – 1749) – Premier Livre d’Orgue, Suite du IIe Ton (1710) – Plein Jeu
  • Louis-Nicolas Clérambault (1676 – 1749) – Premier Livre d’Orgue, Suite du IIe Ton (1710) – Basse de Cromorne
  • Louis-Nicolas Clérambault (1676 – 1749) – Premier Livre d’Orgue, Suite du IIe Ton (1710) – Caprice sur les Grands Jeux

Die Registrierungspraxis barocker französischer Orgelmusik

Im Gegensatz zur deutschen Orgelmusik lässt sich in den klassischen französischen »Livre d’orgue« verschiedener Komponisten oft direkt am Titel des Stückes die Registrierung ablesen. Allerdings muss man diese dann auf das jeweilige Instrument übertragen. Da die Registrieranweisungen einen reichen Fundus an Klangfarben voraussetzt, wird man an kleineren Instrumenten Kompromisse eingehen müssen.

Im Buch »Zur Interpretation der französischen Orgelmusik« hat sich Hans Musch die Mühe gemacht, in tabellarischer Form die Registrieranweisungen verschiedener Komponisten nebeneinanderzustellen. Spielt man öfter, lohnt es sich, sie in Setzerspeichern oder über eine Software abrufbar zu machen. Für manuelle Registrierungen hier eine komprimierte Darstellung oben genannter Tabellen.

Plein Jeu

Ein solchermaßen bezeichnetes Stück eröffnet üblicherweise die Liturgie. Es stellt die Prinzipalchöre ohne Aliquten dar. Gelegentlich werden die 16′ und 8′-Prinzipale durch offene 16′ und 8′-Flöten gedoppelt.

Die Passagen auf dem Hauptwerk sind in den Noten gerne mit »Grand Plein Jeu«, die auf dem Positiv mit »Petit Plein Jeu« vermerkt. In seiner »Suite du Deuxième Ton« aus dem »Premier Livre d’Orgue« von Louis-Nicolas Clérambault aus dem Jahre 1710 sind zusätzlich Geschwindigkeitsangaben zu finden: Das Hauptwerk “Lentement” (langsam), das Positiv “Gay” (gaiement, munter, fröhlich).

Registrierungsbeispiel:

Grand Orgue:

Montre 16′
Bourdon 16′
Montre 8′
Bourdon 8′
Prestant 4′
Doublette 2′
Fourniture
Cymbale

Positif:

Montre 8′
Bourdon 8′
Prestant 4′
Doublette 2′
Fourniture
Cymbale

Manualkoppel

Plain Chant

In dieser Variante kommt im Pedal die Trompete 8′ und das Clairon 4′ hinzu, um die Choralmelodie zu spielen.

Fond d’Orgue

Hierbei handelt es sich um eine Zusammenstellung der Grundstimmen.

Grand Orgue:

Bourdon 16′
Montre 8′
Bourdon 8′
Prestant 4′

Positif:

Bourdon 8′
Prestant 4′ oder
Montre 8′

Manualkoppel

Duo

Ein lebhaft gespieltes zweistimmiges Stück. So man denn hat, kommt auch das dritte Manual mit einem Cornet zum Einsatz. Die Registrieranweisungen sind unterschiedlich. Generell lassen sich Registrierungen ohne und mit LIngualen unterscheiden.

Duo rein labial:

Grand Orgue:

Bourdon 16′
Bourdon 8′
Prestant 4′
Tierce 3 1/5′
Nazard 2 ?’
Tierce 1 3/5′

Positif:

Bourdon 8′
Prestant 4′
Nazard 2 ?’
Tierce 1 3/5′

Récit:

Cornet 5-fach

Duo mit Lingualstimmen:

Grand Orgue:

Trompette 8′
Bourdon 8′ (optional)
Prestant 4′ (optional)

Positif:

Bourdon 8′
Prestant 4′
Nazard 2 ?’
Tierce 1 3/5′
Cromorne ou Trompette 8′

Récit:

Cornet 5-fach

Trio (à deux dessous)

Zwei Stimmen in der rechten Hand, eine Stimme in der linken Hand, getragene Ausführung.

Grand Orgue:

Bourdon 8′
Prestant 4′
Nazard 2 ?’
Quarte de Nazard 2′
Tierce 1 3/5′

Tremblant doux

Positif:

Bourdon 8′
Prestant 4′
Cromorne 8′

Basse de Cromorne

Lebhaft gespielt.

Grand Orgue:

Bourdon 8′
Prestant 4′

Positif:

Bourdon 8′ (optional)
Prestant 4′
Nazard 2 ?’ (optional)
Tierce 1 3/5′ (optional)
Cromorne 8′

Basse (et dessous) de Trompette

Hier wird in der linken Hand versucht, tatsächlich eine Trompete nachzuahmen.

Grand Orgue:

Bourdon 8′
Prestant 4′
Trompette 8′

Positif:

Bourdon 8′
Prestant 4′
Larigot 1 1/3′ (optional)

Voix Humaine

Für ein Diskantsolo (Dessous):

Bourdon 8′
Flûte 4′
Voix Humaine 8′
Prestant 4′ (optional, wird gern für ein Bass-Solo hinzugenommen)

Tremblant Doux (“nur wenn er was taugt” lese ich aus dem Absatz heraus).

Die Begleitung auf dem anderen Manualwerk erfolgt als »Jeu doux«. Das sind zarte Grundstimmen, wie

Bourdon 8′
Montre 8′

oder

Bourdon 8′
Flûte 4′

oder

Bourdon 8′
Prestant 4′

Récit als Diskantsolo

Ein Recit kann man sich durchaus als eine Art “Erzählung” von der Bühne herunter vorstellen. Somit finden sich auch Stück wie »Récit de Voix humaine« oder »Récit de Cromorne«. Passend dazu finden sich in manchen Instrumenten eigene Diskantwerke mit eigenem Manual, die mit Récit bezeichnet und mit entsprechenden Registern bestückt sind.

Die Stücke sind oft nicht explizit als »Récit de …« benannt. Bezeichnungen sind »Dessous de Trompette« (statt »Récit de Trompette«) oder »Cornet« (statt »Récit de Cornet«).

Récit als Tenorsolo

Hier ein Beispiel für ein »Récit de Cromorne en taille«:

Grand Orgue:

Bourdon 8′
Montre 8′ oder
Prestant 4′
oder beide.

Positif:

Bourdon 8′
Prestant 4′
Cromorne 8′

Pedalle

Oft nur als »Pedalle de Flûte« aufgeführt. Dom Bedos wird präziser:

Flûte 16′
Flûte 8′
Flûte 4′

Tierce en taille

Grand Orgue:

Bourdon 16′ (optional)
Montre 8′ oder
Bourdon 8′ (oder auch beide)
Prestant 4′

Positif:

Montre 8′ (optional)
Bourdon 8′
Prestant 4′ oder
Flûte 4′
Nazard 2 2/3′
Doublette 2′
Tierce 1 3/5′
Larigot 1 1/3′

Pedalle

Pedalle de Flûte

Concert de Flûtes

Es geht darum, den Klang einer Querflöte zu imitieren. Zum Einsatz kommen beispielsweise Acht- und möglicherweise 4′-Flöten. Alternativ kann man auch 8′-Flöten verwenden eine Oktave höher spielen als notiert.

Grand Orgue:

Bourdon 8′
Flûte 4′

Tremblant doux

Positif:

Bourdon 8′
Flûte 4′

Tremblant doux

Manualkoppel

Dialogue sur les Grands Jeux

Hier kommen die Lingualregister zur Geltung, beispielsweise:

Grand Orgue:

Bourdon 8′
Prestant 4′
Nazard 2 ?’
Cornet 5-fach
Trompette 8′
Clairon 4′

Tremblant à vent perdu

Positif:

Bourdon 8′
Prestant 4′
Nazard 2 ?’
Tierce 1 3’5′
Cromorne 8′

Manualkoppel

Notes inégales – »Die ungleichen Geschwister«

Im November habe ich auf einem Konzert eine Handvoll Stücke gespielt, drei davon französischen Ursprungs. Mir ging es nicht so sehr darum, eine möglichst authentische Interpretation zu liefern. Hierfür eignete sich schon das Instrument nicht und letztendlich wissen wir auch schlicht zu wenig über die musikalische Praxis jener Tage.

Andererseits wollte ich den Besuchern den höchsten Musikgenuss bieten, den ich als Laie und Hobbyist in den wenigen Wochen Vorbereitungszeit hinzubekommen vermochte. Um die Stücke “zum Klingen” zu bringen, musste ich mich also zumindest an den bekannten Erkenntnissen der musikalischen Aufführungspraxis des jeweiligen Zeitalters beschäftigen.

Nehmen wir das erste Stück. 1737 erschien das «Premier Livre d’Orgue» von Michel Corette (1707-1795), aus dem ich «Concert de Flûtes» ausgewählt habe, da es sich mit den Registern des Instrumentes gut abbilden ließ. Das Stück ist im ¾-Takt gehalten und weist ein paar Achtelketten auf. Man kann das Stück natürlich so spielen wie notiert.

Alternativ kann man die zu jener Zeit in Frankreich gängigen «Notes inégales» zum Einsatz bringen. Leider ist der Artikel der deutschsprachigen Wikipedia zu den “ungleichen Noten” recht knapp gehalten. Ironischerweise gilt das für den französischsprachigen gleichermaßen :) . Deutlich mehr Informationen liefert die englischsprachige Seite (alternativ kann ich das Druckwerk »Zur Interpretation der französischen Orgelmusik« empfehlen):

Within this body of writing there is considerable inconsistency, but by the late 17th century a consensus practice began to emerge.

The typical rule, from the late 17th century until the French Revolution, is that notes inégales applies to all notes moving stepwise which have a duration of one quarter the denominator of the meter, for instance, eighth notes in a meter of 2/2, or sixteenth notes in a meter of 4/4; and one half the denominator of the meter in cases of triple or compound meter, for instance, eighth notes in 3/4.

Ich habe mich dafür entschieden, alle Achtel des gesamten Stückes deutlich ternär (“louré”) zu spielen, also die notierten Achtel triolisch im Verhältnis 2:1 zu unterteilen (an dieser Stelle konnte ich meine Vorliebe für den Jazz vielleicht nicht ganz unterdrücken). Andere Interpreten hätten vielleicht die erste Achtel nur kaum merklich betont (eine entsprechende Aufnahme habe ich vorliegen) oder sich für punktierte Achtel mit nachfolgender Sechzehntelnote (“piqué”) entschieden, die mir persönlich aber zu “abgehackt” für das Stück zu sein scheint.

Das obige Zitat liefert einen brauchbaren Rahmen, an dem man sich gut orientieren kann. Bei der konkreten Interpretation eines französischen Barockstückes jedoch werden immer wieder genügend Fragen offenbleiben. Im oben erwähnten Buch weist Ewald Kooiman denn auch darauf hin, dass der Grad der Inegalität selbst innerhalb eines Stückes variiiert werden kann und letztlich der Geschmack (“Le Goût”) des Interpreten entscheiden muss, wie der Charakter eines Stückes am besten herausgearbeitet werden kann. Unklar scheint auch zu sein, wie verfahren werden soll, wenn ungleiche Noten selbst weiter unterteilt sind. Man kann die Inegalität zusätzlich auf die kürzeren Notenwerte anwenden (“kumulative Inegalität”) oder die Inegalität der längeren Notenwerte aufheben.

In wie weit die Ungleichheit auch auf barocke Werke des restlichen Europa anwendbar ist, scheint noch schwieriger zu beantworten zu sein. Man muss wohl mit allem rechnen, von gar keinen Hinweisen bis zu Hinweisen in einzelnen Takten bis zur ausgeschriebenen Notation.

Vielleicht sollte ich das nächste Mal einfach verschiedene Interpretationen hintereinander spielen und die Zuhörer darüber abstimmen lassen, welche am besten klang. Dann bekäme ich zumindest einen Hinweis auf den heutigen Zeitgeschmack :) .

Playing at a public concert

About 25 years ago I used to play the pipe organ at the church of the village where I grew up. The instrument is about 130 years old and was bought used in 1915 – just 100 years ago. To celebrate the centenary, a concert took place last sunday.

Besides other contributors – singers, brass players, even a street organ was involved – I played the following (mostly short) pieces:

  1. Concert de flûtes (Michel Corette, 1707-1795)
  2. Dialogue sur les Flûtes (Jean-Baptiste Lully, 1632-1687)
  3. Récit de Cornet (Jean-Baptiste Lully)
  4. Fantasia en do (Abraham van den Kerckhoven, 1618-1702)
  5. Pas de Chaconne (Johann Pachelbel, 1653–1706)

The instrument is a german romantic instrument, not perfectly suited for baroque music. The above selection of pieces, however, did fit well anyway.

I struggled with two issues. Though the pieces were short, they were rather challenging to study. Additionally, due to the age of the instrument, the console does not conform to today’s standard dimensions.

For the last piece, I only used the first couple of bars of the original composition at the beginning and the end. The middle section was an improvisation, presenting the various stops of the instrument, over the bass pedal ostinato:

F, Eb, Db, C

The concert was well visited, and the audience quite content with the various music provided.

During the last two months of preparation, I learned a lot about playing baroque pipe organ music, fingering and pedalling. Aftereffect: I want to learn even more :) .

Klangwelten @ Tollhaus 2015

For the 29th time, the Klangwelten festival took place at Tollhaus. Rüdiger Oppermann once again invited several musicians from all over the world, including Africa, Papua, and China. Unfortunately the online programme at Tollhaus already disappeared, so that I cannot provide more detailed information.

After Al Di Meola and Hiromi Uehara, this was the third concert I attended this week. At sunday, I’ll play one by myself. Stay tuned :) .

Hiromi Uehara @ Jazztage Dresden 2015

I’ve never seen Simon Phillips, Anthony Jackson or Hiromi Uehara live before. My impression is that I’ve never been at a conccert with such an incredible amount of energy.

I thought the genre would be dead after Chic Corea would retire, but Hiromi changed the game.

I also thought that Al DiMeola was a master in building a mark, but Hiromi is perfect in doing this as well.

This was an outstanding concert, despite the fact that I’ve seen numerous excellent concerts during my life. Thanks guys – and girl :) .

Das Musikinstrumentenmuseum in Leipzig

Im Grassimuseum in Leipzig ist unter anderem das Musikinstruentenmuseum untergebracht. Während meines letzten Aufenthaltes war es geschlossen, so dass ich heute von Dresden aus den Besuch nachgeholt habe.

Die Ausstellung beginnt mit allerlei mittelalterlichen Instrumenten. Es sind recht viele heute in Vergessenheit geratene Aerophone ausgestellt, wie beispielsweise Pommern, Zinken, Rauschpfeifen und so weiter.

Die Pfeifenorgel ist übrigens der erste Synthesizer, da damit unter anderem versucht wurde, andere Instrumente nachzuahmen. So finden sich in barocken Instrumenten immer wieder Registernamen längst vergessener mittelalterlicher Instrumente, darunter die oben genannten.

Auch zwei Drehleiern dürfen natürlich nicht fehlen.

Neben anderen Chordophonen (Streich- und Zupfinstrumente) bietet das Museum einen guten Einblick in die Entwicklung der Tasteninstrumente mit Saiten. Ausgestellt sind Clavicorde, Spinette, Chembali bis hin zu den ersten Pianofortes. Unter anderem steht in Leipzig eines der drei noch erhaltenen Pianos von Bartolomeo Cristofori, der als Erfinder des Pianos gilt.

Organisten nutzten als häusliche Übeinstrumente gerne Pedalchembali. Ich las davon, aber ich hatte bisher keines gesehen.

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In einer Vitrine stehen verschiedene labiale Orgelpfeifen, teils schön ziseliert. Zusätzlich sieht man die Kehlen mit Zungen von zwei Lingualpfeifen. Normalerweise sind die Teile unterhalb der Kunstglashalterung im Pfeifenfuß versteckt, und obendrauf steht der Schallbecher. Es ist selten, dass man die “Innereien” von Lingualpfeifen zu Gesichte bekommt.

Die Ausstellung reicht bis in die Neuzeit. Das abgebildete Glasharmonium bietet auf einer Welle 37 chromatisch abgestimmte Glasschalen. Auf dem Teller liegt kein Kuchen, sondern ein Schwamm :) .

Kommen wir zum Hauptgrund meines Besuches. Ich wollte wieder etwas zum Thema Stimmsysteme lernen und wurde fündig. Auf einer Tafel wurden die pythagoräische, die mitteltönige und die wohltemperierte Stimmung erläutert. Ferner finden sich Exponate, die mit geteilten Obertasten aufwarten, um den Vorrat an “sauberen” Tonarten in einer mitteltönigen Stimmung zu erweitern.

Kürzlich postete ich zu Dolores Catherino und den von ihr verwendeten Instrumenten. Neu sind diese Ideen nicht. In der Ausstellung steht dieses Orthotonophonium.

Die Darstellungen sind nur eine Auswahl dessen, was das Museum zu bieten hat. Wer die obigen Darstellungen spannend findet, sollte auf jeden Fall hingehen.

Am Rande bemerkt: Ohne Stativ und Blitz darf photographiert werden. Das Licht ist jedoch schummerig. Ein lichtstarkes Objektiv ist daher äußerst hilfreich. Und vor allem sollte man ein Weitwinkelobjektiv mitbringen. Ich hatte das 50-200mm Zoom vor der Samsung NX30 Systemkamera. Das als Kit-Objektiv beliebte 18-55mm wäre deutlich besser gewesen.

Al DiMeola @ Jazztage Dresden 2015

Meine Wahlheimat Karlsruhe hat einiges zu bieten (nicht zuletzt die ein oder andere Baustelle für die U-Strab ;-) . Karlsruhe schwächelt allerdings, wenn es um die Jazzszene geht. Zwar bekam man gelegentlich United Jazz and Rock Ensenble, einen Garbarek, Zawinul, Clarke oder eine Zadeh zu hören, aber Corea, Return to forever, Hancock, Al DiMeola oder Uehara findet man in anderen Städten.

Heute Abend spielte ein frisch vermählter Al DiMeola mit zwei Mitstreitern im ausverkauften Erlwein Capitol im Ostrapark unter anderem Stücke des Albums “Elysium”. Auf der Bühne gab es keinen Zweifel, wer der Leitwolf war und die Vierundsechzigstelnoten mit der Muttermilch zu sich genommen hatte :) .

An Instrumenten sah man nur das Schlagwerk und die beiden akustischen Gitarren. Al nutzte ein Roland-Pedalbrett und ein kleines Rack. Es war aber nicht zu überhören, dass neben den üblichen Effekten auch ein Verzerrer und ein Gitarrensynthesizer mitmischten.

Ein richtig gutes Konzert, zu dem sicher auch die clubartige Atmosphäre im Capitol beitrug. Super.

Dolores Catherino about microtonal electronic instruments

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Recently I ranted about various (mainly historical) temperaments and some interesting instruments which provide tunings other than equal temerament alone (german language, I apologize).

Synthtopia shared an article featuring two videos of Dolores Catherino. In the first video, she talks about the controllers she is using. The second video contains her polychromatic composition »Heterodyne Horizon«. It’s not exactly my tast of music, but it shows the possibilities anyway.

BTW: I was surprised that the ROLI Seaboard works with such a course pitch resolution.

Die Sauer-Orgel in Richelbach

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Ich bin in Richelbach aufgewachsen, einem Dorf in Unterfranken auf einer Höhe von knapp 300 Metern. In der Dorfkirche (»St. Bilhildis«) steht ein Instrument von Wilhelm Sauer. Auf dem Instrument habe ich – mehr oder minder autodidaktisch – in meiner Jugend mein musikalisches Handwerk erlernt.

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Auf einer Radtour 2011 bin ich im Kleist-Park in Frankfurt an der Oder zufällig über seinen Grabstein gestolpert, da ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite untergekommen war.

Sauer Memorial in Frankfurt (O)

Sauer Memorial in Frankfurt (O)

Das weitestgehend original erhaltene Instrument passt sowohl vom Erscheinungsbild als auch vom Klang her nahezu perfekt in die neoromanische Kirche. Ursprünglich wurde es jedoch für das Kaiserin-Augusta-Gymnasium in Berlin gebaut und erst 1915 als Gebrauchtinstrument angeschafft.

Die Prospektpfeifen des Prinzipal 8′ bestehen kriegsbedingt aus Zink. Das rechte Feld ist stumm. Hinter dem Prospekt liegt in der linken Hälfte die Lade des ersten und in der rechten Hälfte die Lade des zweiten Manuals. Hinter den beiden stehen in C/Cis-Teilung die Pfeifen des Subbass 16′ des Pedals (oben im Bild kann man sie durch die Prospektpfeifen hindurch sehen).

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Das Instrument ist seitenspielig. Die Traktur besteht aus einer mechanischen Kegellade. Insgesamt ist es recht robust und genügsam in der Wartung. Allerdings würde ihm im gegenwärtigen Zustand eine professionelle Überholung guttun. Für den Spieler deutlich wahrnehmbar ist die Deregulation der Mechanik, die unter anderem durch den unruhigen Verlauf der Tastaturebene sichtbar wird. Einige Pfeifen der Viola Di Gamba sprechen nicht mehr an und müssten nachintoniert werden. Auch eine anschließende Stimmung würde dem Instrument guttun.

SAMSUNG CSC

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Die Disposition weist es als typischen Vertreter der Romantik aus. Es gibt keine Aliquoten, keine Mixturen, keine Linguale und nicht mal einen 2′. Dafür finden sich unter den 9 Registern ganze sechs Acht-Füße:

Manual I

  • Principal 8′
  • Rohrfloete 8′
  • Viola Di Gamba 8′
  • Octave 4′

Manual II

  • Salicional 8′
  • Gedact 8′
  • Voix Céleste 8′ (ab g’)
  • Flauto Dolce 4′

Pedal

  • Subbass 16′

Die Manuale reichen von C bis f”’. Das Pedal ist flach mit recht kurzen Obertasten, reicht von C bis d’ und ist in der Teilung recht breit. Ich brauche immer erst einen Moment, bis ich mich daran gewöhnt habe. Üblicherweise reichen aber ein paar einfache Übungen, bis ich halbwegs trittsicher bin.

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Als Spielhilfen, die als Fußtritte ausgeführt sind, stehen die üblichen Koppeln plus ein Tutti zur Verfügung.

Bedingt durch die Grundtönigkeit ist man einerseits in der Auswahl der Literatur eingeschränkt. Andererseits klingen alle Register wirklich sehr schön. Es bereitet große Freude, die vielen Achtfüße gegeneinander antreten zu lassen. Die Viola die Gamba näselt so richtig schön dünn vor sich hin und lässt sich gut mit der Rohrflöte kombinieren. Die Voix Céleste, so sie denn schwebend gestimmt ist, ist ein absolutes Highlight des Intrumentes.

SAMSUNG CSC

Zum 100. Jahrestag des Ankaufs soll es gerüchteweise demnächst eine kleine Feierstunde geben. Bis dahin muss ich aber erst noch ein wenig trainieren :) .